Alle Beiträge von Jessica Wehner

NGHM-TRACKER (11/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppe Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Von Ella Malin Visse und Jessica Wehner

Auf der Zielgeraden zum Jahresende sind die Teammitglieder der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung intensiv in ganz unterschiedliche Projekte und Aktivitäten eingebunden. Zwischen Lehre, Feldforschung und zahlreichen Vorträgen konnten einige neue Publikationen verzeichnet werden. Über das Spektrum unserer Aktivitäten berichtet die Novemberausgabe des NGHM-Trackers.

Einblicke

Im November begannen feiertagsbedingt die letzten Lehrveranstaltungen der Arbeitsgruppe NGHM im laufenden Wintersemester 2024/5. Die Studierenden konnten zwischen einer breiten thematischen Vielfalt an Lehrveranstaltungsangeboten wählen, die sich in diesem Semester mit dem Zweiten Weltkrieg um eine der zentralen Zäsuren des 20. Jahrhunderts gruppieren.

Neben diesen thematischen Vertiefungen lernten die Studierende in den ersten Wochen des Semesters in den Proseminaren einiges rund um das Thema “Literaturrecherche”. Ebenfalls im November brachen erste Studierende zu Feldforschungen im Kontext der „Emslandlager“ zur Gedenkstätte Esterwegen auf:

Imke Selle (zweite von links) mit den Studierenden ihres Projektseminars (Foto: Frank Wobig)

Im Rahmen des Projektseminars „Geschichts- und Erinnerungskultur in Zeiten der Digitalität. Die ‚Emslandlager‘ als Konfliktlandschaft in Transformation digital erinnern“ fand am 20. November unter Leitung von Imke Selle eine Tagesexkursion zur Gedenkstätte Esterwegen statt. Nach einer inhaltlichen Einführung in die Geschichte der “Emslandlager” und einer Führung über das Außengelände hatten die Studierenden die Möglichkeit unter Anleitung verschiedene Digitalisierungsmethoden auszuprobieren.

Im Anschluss besuchte die Gruppe die Begräbnisstätte Esterwegen/Bockhorst. Diese wurde als Lagerfriedhof für die Konzentrationslager Esterwegen, Börgermoor und Neusustrum genutzt, diente bis 1945 zusätzlich als Lagerfriedhof für alle Strafgefangenenlager im Emsland und hier wurden auch vereinzelt Kriegsgefangene bestattet.

Nicht nur in unseren Lehrveranstaltungen konnten wir Einblicke in unsere Forschung geben. Auch in einigen Publikationen und Vorträgen stellten wir im November Methoden und Forschungsergebnisse verschiedener Projekte der Neuesten Geschichte und Historischen Migrationsforschung vor:

Im November erschien der Artikel Das Osmanische Reich in Schulbüchern und Curricula von Imke Selle und unserer Kieler Kollegin Prof.in Dr. Lale Yildirim im Sammelband „Osmanisch-deutsche Geschichte(n) in Bildung und Kultur. Interdisziplinäre Perspektiven“. Darin fragen die beiden Autorinnen danach, wie das Osmanische Reich in deutschen Geschichtsschulbüchern repräsentiert wird. Zunächst führen sie eine quantitative Analyse der deutschen Curricula aller Bundesländer für die Sekundarstufe I im Fach Geschichte durch und de-konstruieren im nächsten Schritt beispielhaft ein Schulbuchkapitel zum Thema „Osmanisches Reich“.

Anlässlich der Veröffentlichung der ersten deutschsprachigen Übersetzung von Ales Adamowitsch erschütterndem Buch über die “Feuerdörfer“, in dem er mit seinen Mitautor:innen die Vernichtung von Menschen und ihren Lebensorten durch die deutschen Besatzer in Belarus zwischen 1941 und 1944 dokumentierte, veröffentlichte die Online-Plattform Dekoder ein Special mit Beiträgen, das sich mit dem 1975 im belarussischen Original erschienen Buch und seiner Rezeption auseinandersetzt.

In Ihrem Beitrag zu diesem Special griffen Dr. Aliaksandr Dalhouski, Lukas Hennies und Prof. Dr. Christoph Rass die Auswertungen und Befunde ihres Anfang des Jahres erschienen Aufsatz „Bandenbekämpfung“ und „Verbrannte Dörfer“. Perspektiven der digitalen Geschichtswissenschaft auf Vernichtungskrieg und Besatzung in Belarus 1941–1944 auf.

Im gerade erschienenen Routledge Handbook of Christianity and Culture, herausgegeben von Yaakov Ariel, Gregor Thuswaldner und Jens Zimmermann, ist Sebastian Musch mit einem Beitrag vertreten. In seinem Aufsatz Christianity and Hinduism: German Views in the Long 19th Century untersucht Musch, wie deutsche Orientalisten über das Verhältnis von Christentum und Hinduismus dachten und wie sich die Beziehung zwischen Christentum und Hinduismus auf ihre eigene Position als Deutsche und/ oder Christen auswirkte.  

Außerdem rezensierte Sebastian  Musch die Studie Double Burden. Israeli Jews in Contemporary Germany von Uzi Rebhun, Dani Kranz und Heinz Sünker für H-Soz-Kult.  In seiner Rezension beschreibt Musch die Studie als “einen vorbildhaften Schritt hin zu einer sozialwissenschaftlichen Ergänzung der jüdischen Migrationsgeschichte”.

Auch mit Vorträgen brachten die Mitglieder der NGHM sich im November in unterschiedliche Kontexte ein:

Christoph Rass bei seinem Vortrag im ZeitZentrum Zivilcourage (Foto: Imke Selle)

Am 16. November reisten Prof. Dr. Christoph Rass und Imke Selle nach Hannover zum ZeitZentrum Zivilcourage, um an der Herbsttagung des Arbeitskreises für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen unter dem Thema „Erinnerungskulturen im Wandel“ teilzunehmen. In seinem Vortrag „Vergangenheit wird Geschichte. Erinnerungsorte im Kontext von Zwangsmigration im Emsland“ diskutierte Christoph Rass, wie sich Erinnerungsorte und -praktiken im Kontext der „Emslandlager“ und ihrer Häftlinge, der Displaced Persons, sowie der deutschen „Heimatvertriebenen“ überlappend in Nordwestdeutschland entfalteten und wie dabei seit dem Zweiten Weltkrieg Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten ausgehandelt und hergestellt wurden.

Die beeindruckende Ausstellung und das innovative didaktische Konzept des ZeitZentrums Zivilcourage wird sich das NGHM-Team bei einer Exkursion mit Studierenden im Frühjahr 2025 intensiver erschließen.

Christoph Rass in der Diskussion mit weiteren Gästen rund um Themen zur Wahl in den USA (Foto: Bjarne Groß)

Am 5. November nahm Prof. Dr. Christoph Rass auf Einladung des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Universität Osnabrück an einer Panel Discussion im Rahmen einer Election Night Watch teil. In der Diskussion thematisierten die eingeladenen Expert:innen unter der Moderation von Prof. Dr. Peter Schneck – bevor der Wahlausgang klar war – historische Rahmungen und gegenwärtige Befindlichkeiten der us-amerikanischen Gesellschaft und diskutierten die potentiellen Konsequenzen noch offener politischer Entwicklungen für Deutschland, Europa und die Welt.

Am 28. und 29. November tagte an der Universität Osnabrück die  Arbeitsgemeinschaft Geschichte und EDV. Im Rahmen der 31. Jahrestagung waren auch Mitglieder der NGHM mit zwei Vorträgen dabei.

Prof. Dr. Christoph Rass und Prof. Dr. Gernot A. Fink (Professor für Mustererkennung am Institut für Informatik der TU Dortmund) sprachen in ihrem Vortrag “Von der Kartei zum Datensatz. Digitale Methoden zur Tiefenerschließung serieller Quellen” über die methodisch-technischen Potentiale und Herausforderungen einer KI-gestützten Tiefenerschließung unterschiedlich homogener Quellenbestände. Die Vortragenden konnten mit ihrem Beitrag eine angeregte Diskussion über die Zukunft computer(ge- und unter-)stützter Geschichtswissenschaft anstoßen.

Prof. Dr. Gernot Fink und Prof. Dr. Christoph Rass über die Nutzung von KI in der Geschichtswissenschaft (Foto: Lukas Hennies)

Die Tagung endete am Freitagnachmittag mit einem Beitrag von Lukas Hennies und Dr. Dr. Valentin Schneider. Die Referenten stellten in Form eines Werkstattberichts das Projekt “German Occupation Database. Database of German military and paramilitary units  in Greece 1941-1944/45” vor, bei dem die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung seit 2019 Kooperationspartner ist. 

Valentin Schneider und Lukas Hennies präsentieren Ergebnisse des Projekts “German Occupation Database”

History@SFB1604

Am 18. November präsentierten die Doktoranden des SFB-Teilprojekts A3, Maik Hoops und Ahmet Celikten, im Rahmen des Graduiertenkollegs (IRTG) des SFBs den anderen Doktorand:innen und Projektleiter:innen den aktuellen Stand ihrer Projekte sowie Erkenntnisse und Überlegungen aus den ersten Kodierungsübungen. Die Professor:innen des Teilprojekts, Prof. Dr. Christoph Rass und Prof. Dr. Lale Yildirim, waren ebenfalls anwesend und diskutierten gemeinsam mit dem IRTG Fragen und Kritiken zum Projekt.

Notizen

Im November feierte die Quellenedition „Beckmanns Tagebücher – vom Soldaten des Ersten Weltkriegs zum NSDAP-Funktionär“ online (glandorf.nghm-uos.de) ihren einmonatigen Geburtstag. Die Edition wurde im ersten Monat von über 6000 Besucher:innen angesehen.

Am 9. und 10. November kamen Doktorand:innen und promovierte Wissenschaftler:innen, die durch die Stiftung Zeitlehren gefördert wurden, zusammen, um sich auszutauschen (Foto: Agnes Hartmann)

Am 9. und 10. November brachen Jessica Wehner und Gero Wollgarten (externer Doktorand der NGHM) nach Düsseldorf auf, um am Herbsttreffen der Stiftung Zeitlehren teilzunehmen. Die Stiftung unterstützte beide Dissertationsprojekte mit einem finanziellen Beitrag. Bei dem Treffen kamen ungefähr 20 Doktorand:innen und promovierte Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um sich zu zahlreichen Themen und Erfahrungen rund um das Arbeiten in der Wissenschaft auszutauschen.

Nach dem gemeinsamen Treffen in Düsseldorf reiste Gero Wollgarten am 21. November nach Osnabrück, um im Kolloquium für Doktorand:innen den aktuellen Stand seines Dissertationsprojekts “Opportunität vor Legalität” vorzustellen. In seinem Projekt untersucht er das österreichische Bundesministerium für Justiz in Bezug auf die Strafverfolgung von NS-Täter:innen in Österreich. Im Zuge erster Recherchen wurde die vielfältige bürokratische Einflussnahme auf die Ermittlungen deutlich. Die Akteure versuchten durch ihr Handeln innen- und außenpolitisch opportune Schuldsprüche zu  erreichen. Dabei bewegten sie sich im Spannungsfeld zwischen ihrem Ziel und den auch für Tatverdächtige gültigen rechtsstaatlichen Prinzipien. Die Arbeit bewegt sich daher zwischen Justiz- und Organisationsgeschichte.

Im November stellte das Team NGHM das Posting auf X (vorher Twitter) ein. Interessierte können die Arbeit auf unseren anderen Social Media Kanälen weiterhin verfolgen!

Blogbeiträge im September

Ausblick & aktuelle Termine

Vom 5. bis zum 8. Dezember 2024 führt die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung eine Exkursion nach Vilnius durch. Gerahmt wird das Unternehmen von der Kooperation mit Historiker:innen und Studierenden der Europäischen Humanitären Universität (EHU), die im Frühjahr zu einer Akademieveranstaltung an der Universität Osnabrück zu Gast waren. Thematisch befassen wir uns mit dem Holocaust, der deutschen Besatzungsherrschaft und dem Vernichtungskrieg in Mittel- und Osteuropa. Dazu organisieren wir einen gemeinsamen Workshop und erkunden die Erinnerungslandschaften in und um Vilnius. Die Exkursionsgruppe besteht aus Wissenschaftler:innen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung sowie studentischen Teilnehmenden an der Akademie “Mapping the Co-Presence of Violence and Memory in Belarus“.

NGHM-TRACKER (10/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Von Ella Malin Visse und Jessica Wehner

Im Oktober hat das Team NGHM die letzten Weichen für den Start ins Wintersemester gestellt. Gleichzeitig herrschte reges Treiben, um alle Vorbereitungen für die erste internationale Tagung des Sonderforschungsbereich 1604 – Produktion von Migration – fertigzustellen. Über unsere Tätigkeiten vor Ort und in der Ferne berichtet unsere Oktober-Ausgabe des NGHM-Trackers.

Einblicke

Im Oktober startete das Team der Professur für die Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung ins Wintersemester 24/25. Für das kommende Semester bietet die Arbeitsgruppe NGHM eine besonders umfangreiches Lehrveranstaltungsprogramm.

Bevor die Lehrveranstaltungen in der letzten Oktoberwoche starten, nutzten die Teammitglieder den Oktober noch einmal verstärkt für Reisen und den Abschluss von Forschungsprojekten:

Am 14. Oktober fand im Pfarrzentrum Glandorf die Abschlussveranstaltung zum Editionsprojekt der Tagebücher des Glandorfer NSDAP-Organisationsleiters und Lehrers Bernhard Beckmann statt. Andreas Pues (Enkel von Bernhard Beckmann), Karl-Heinz Krützkamp (beide Heimat- und Kulturverein Glandorf), Projektleiter Prof. Christoph Rass und Projektbearbeiter und -koordinator Maik Hoops diskutierten die wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung und Potenziale des Projekts sowie die Herausforderungen seiner Umsetzung, an der besonders auch die studentischen Hilfskräfte Julia Grewe, Vincent Jakubowski, Valentin Loos und Johannes Pufahl beteiligt waren. Maik Hoops stellte den Aufbau, die Funktionalitäten und Möglichkeiten der Nutzung der frei zugänglichen digitalen Online-Edition vor und gab exemplarische Einblicke in die edierten Tagebücher. Anschließend fand eine rege Diskussion statt, in der vor allem die Vor- und Nachteile digitaler Editionen diskutiert wurden. Die Edition mit dem Titel “Beckmanns Tagebücher – vom Soldaten des Ersten Weltkriegs zum NSDAP-Funktionär” ist fortan unter https://glandorf.nghm-uos.de/exhibits zu finden.

Am 18. Oktober trafen sich Christoph Rass und Mirjam Adam im Rahmen des Forschungsprojektes “Geschichte des Nationalsozialismus” im Emsland erstmals mit Expert:innen verschiedener Bildungsinstitutionen des Emslandes und der Stadt Osnabrück in den Räumen des Landkreises Emslandes in Meppen, um über zentrale Themen und Inhalte des geplanten Handbuchs zur Aufarbeitung der Geschichte des Emslandes während der Zeit des Nationalsozialismus (gefördert durch den Landkreis Emsland) zu beraten. Kolleg:innen der Gedenkstätte Esterwegen, der Stadt Lingen, des NLA Osnabrück und des Landkreises Emsland diskutierten angeregt über mögliche Beiträge, thematische Schwerpunkte sowie organisatorische Fragen rund um die Realisierung des Projektes. Mit ihrer Expertise brachten die Kolleg:innen wertvolle Hinweise ein, die auf noch bestehende Desiderate verwiesen und offene Fragen tangierten. In den kommenden Monaten werden die Gespräche weiter geführt und konkret über zentrale Beiträge des Handbuches entschieden.  

Am 1. Oktober brachen Lina-Sofie Winkler und Imke Selle gemeinsam mit der Kollegin Dr. Hannelore Oberpenning-Kröger aus der Geschichtsdidaktik zur Tagung „Agency – Potenzial und Grenzen für die geschichtsdidaktische Theorie“ des Arbeitskreises „Geschichtsdidaktik theoretisch“ an der Universität Rostock auf. Dort gab es ein Wiedersehen mit der ehemaligen Kollegin Prof.in Dr. Lale Yildirim, die zum Wintersemester 2024/25 die Professur für die Didaktik der Geschichte an der CAU Kiel übernahm. 

Imke Selle und Lina-Sofie Winkler in Rostock (Foto: NGHM)

Diskutiert wurde auf der Tagung auf der Basis von precirculated papers zu „Agency und Kritischer Theorie“, „Agency als Zuschreibung“ und „Agency als (Un-)Möglichkeit und Praxis“.  Außerdem wurden neue Sprecher:innen des Arbeitskreises gewählt. Lale Yildirim, die in ihrem Amt bestätigt wurde, wird in Zukunft von Prof. Dr. Oliver Plessow und Dr. Philipp McLean  in ihrer Arbeit als Sprecherin des Arbeitskreises unterstützt, nachdem Prof. Dr. Jörg van Norden altersbedingt als Sprecher des Arbeitskreises zurückgetreten ist. 

Am Weitesten in die Ferne strebte Sebastian Huhn: Er schickt zum Monatsende Grüße aus dem herbstlichen Paris, wo er ein kurzes Zeitfenster nutze, um im französischen Nationalarchiv der Frage nachzugehen, wie es Anfang der 1950er-Jahre dazu kam, dass die britische Militärregierung (Control Commission for Germany/British Element) und die International Refugee Organization (IRO) in der niedersächsischen Kleinstadt Varel das mit bis zu 1.000 Bewohner:innen größte „Altersheim“ für jene Displaced Persons errichteten, die man nach der Einstellung des Resettlement-Programms der IRO nicht würde global resettled haben. 

Die schönste Beschäftigung für Historiker:innen: Sebastian Huhn sichtet erneut die Bestände der International Refugee Organization im Nationalarchiv in Paris (Foto: Sebastian Huhn)

History@SFB1604

Jessica Wehner und Sebastian Huhn, zuletzt gemeinsam beim Tag der Offenen Tür der Universität Osnabrück (Foto: Johanna Schweppe)

Das Team History@SFB1604 freut sich über Zuwachs: Seit September sind Dr. Sebastian Huhn und Jessica Wehner assoziierte Mitglieder des Sonderforschungsbereichs 1604 – Produktion von Migration.

Vom 23. bis zum 25. Oktober 2024 versammelte der im April gestartete Sonderforschungsbereich 1604 “Produktion von Migration” Migrationsforschende aus aller Welt zu seiner internationalen Auftakttagung. Mit dabei waren auch die Teams des Teilprojekts A3 “‘Ihr seid Gastarbeiterkinder!’ Wissenschaft, Schule und die Produktion von Figuren der Migration” (Cluster Figuren der Migration) und des Transferprojekts “Reflexive Migrationsforschung im Museum. Potenziale und Perspektiven Virtueller Realitäten“. 

Pünktlich zur Tagung traf auch das neue Logo für den SFB 1604 ein

Das Team T-Projekt präsentierte auf der Hauptbühne der Tagung die ersten Fortschritte, die innerhalb des ersten halben Jahres erzielt worden waren: Moderiert von Annika Heyen gab Prof. Dr. Christoph Rass Einblicke in die Ziele des Projekts und zeigte den anwesenden Gästen und SFB-Mitgliedern, wie Migrationsforschung, Informatik, Museen und zivilgesellschaftliche Akteure bei seiner Umsetzung zusammenarbeiten. Prof. Dr. Michael Brinkmeier demonstrierte die technischen Prozesse hinter den sichtbaren Oberflächen und führte durch die Prototypen des “Exhibition Builders” und des “Place Changers”; im letzteren Fall sogar per Stream aus der VR-Brille. 

Zusätzlich gaben Michael Brinkmeier und Thorsten Kirmess den Tagungsteilnehmenden die Möglichkeit, beide VR-Anwendungen selbst auszuprobieren: Am Bildschirm und – für Mutige – über die VR-Brille. 

Am Freitag zogen sich beide Projekte mit ihren eingeladenen “Critical Friends” zurück, um in einem Workshop intensiv über die Fortentwicklung ihrer Konzepte und deren Umsetzung zu sprechen. Mit Prof.in Dr.in Catherine Ramírez von der University of California in Santa Cruz sprachen Ahmet Celikten und Maik Hoops über die Verwendung und Konnotation von migrantisierenden Begriffen wie “Ausländerkinder”, “Migrantenkinder” oder “Gastarbeiterkinder” in der Bundesrepublik und “Mexicans” in den USA. Han Eckelberg und Diane Doan Hoang Dy waren als Critical Friends des Transferprojekts vom Wing Luke Museum in Seattle angereist. Sie berieten das Team T-Projekt, wie bisher nur in der Projektwerkstatt erprobte Konzepte so ins Feld gebracht werden können, dass Agency im Sinne eines “community curating” verlagert wird. 

Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens öffnete die Universität Osnabrück am 26. August 2024 ihre Türen für die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit Kolleg:innen aus dem Sonderforschungsbereich 1604 “Produktion von Migration” und dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien präsentierten auch Mitglieder der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung ihre Projekte und standen Besucher:innen Rede und Antwort. Prof. Dr. Christoph Rass, Dr. Sebastian Huhn, Jessica Wehner, Maik Hoops und Ahmet Celikten stellten sich beim wissenschaftlichen “Speed Dating” den Fragen der interessierten Besucher:innen. Sie gaben Einblicke in ihre Projekte und Forschungsschwerpunkte sowie in die Bedeutung von (historischer) Migrationsforschung in der Gesellschaft. Annika Heyen, Johannes Pufahl, Johanna Schweppe und Lina Winkler nahmen die Besucher:innen mit in virtuelle Welten: Sie präsentierten die Prototypen des place changers und des exhibition builders, die im Rahmen des Transferprojekts des Sonderforschungsbereichs 1604 “Produktion von Migration” derzeit mit tatkräftiger Unterstützung der Kollegen aus der Professur für Didaktik der Informatik entwickelt werden.

Notizen

Christoph Rass, Czarina Wilpert und Catherine Ramirez beim Interview in Berlin (Foto: NGHM)

Im Anschluss an die SFB Tagung reisten Prof. Dr. Catherine Ramirez und Prof. Dr. Christoph Rass nach Berlin, um ein biografisches Interview mit Dr. Czarina Wilpert zu führen. Dr. Wilpert (geb. Huerta) stammt aus einer mexikanisch-amerikanischen Familie aus Los Angeles und kam Ende der 1960er Jahre nach Deutschland, wo sie in Berlin eine Migrationsforscherin der ersten Stunde wurde. Catherine Ramirez und Christoph Rass, die als Teil der Arbeitsgruppe Translations of Migration über transatlantische Impulse und Austauschprozesse in der formativen Phase der modernen Migrationsforschung forschen, erhielten im Gespräch einzigartige Einsichten in allererste Projekte und internationale Vernetzungen der deutschen und europäischen Migrationsforschugnn, an denen Dr. Wilpert prägend beteiligt war, und auch in ihre Lesart der deutschen Migrationsgesellschaft und ihrer Entwicklung über die vergangenen fünf Jahrzehnte.

Am 9. Oktober kam Michael Grüttner nach Osnabrück, um sein Buch “Talar und Hakenkreuz. Die Universitäten im Dritten Reich” vorzustellen. Dazu organisierte die Buchhandlung Bücher Wenner im Zimeliensaal der Universitätsbibliothek eine Lesung mit anschließender Diskussion. Durch das Gespräch führte Christoph Rass.

In seiner Monographie analysiert Michael Grüttner überzeugend die nahezu geräuschlose Machtübernahme der Nationalsozialisten an den Hochschulen, die Hochschulpolitik des Regimes mit ihren Auswirkungen auf Fächer und Fachbereiche, und die Veränderung der gesellschaftlichen Rolle von Wissenschaft und Wissenschaftlern im “Dritten Reich”. Besonders spannend dabei ist die Einordnung des Hauptteils in seine Vorgeschichte in der Weimarer Republik und seine Nachgeschichte in West- und Ostdeutschland.

Michael Grüttner und Christoph Rass nach der Lesung und Diskussion (Foto: Annika Heyen)
Frau Agnischok und Dr. Sabarko beim Zeitzeugengespräch am 28. Oktober

Mit den Auswirkungen des nationalsozialistischen Regimes setzten sich auch die Besucher:innen am 28. Oktober im Zeitzeugengespräch mit Dr. Borys Sabarko auseinander. Im Gespräch mit Christoph Moormann und Barbara Kurlemann berichtete der ukrainische Historiker und Holocaustüberlebende sowohl über seine vergangenen als auch gegenwärtigen Erfahrungen mit Krieg und Flucht.

In seiner Begrüßung würdigte Christoph Rass den wichtigen Beitrag von Dr. Sabarko für die Erforschung der Geschichte der Shoah in der Ukraine und stellte dabei die unschätzbare Bedeutung Überlebender für die Auseinandersetzung mit Vergangenheit heraus.

Über die Bedeutung der Kategorie “Displaced Persons” schreiben Sebastian Huhn und Christoph Rass in ihrem neuen Aufsatz im Journal Ethnic and Racial Studies – ein Thema, das die Mitarbeiter:innen der International Refugee Organization umhertrieb (Foto: Sebastian Huhn – aus dem Bestand der IRO in Paris AJ/43)

Im Oktober ist im Journal Ethnic and Racial Studies der Aufsatz Displaced Person(s): The Production of a Powerful Political Category von Sebastian Huhn und Christoph Rass erschienen. In ihrem Artikel untersuchen die beiden Autoren die Entstehung und Entwicklung der Kategorie „Displaced Persons“ im historischen Kontext der 1940er Jahre und zeigen, dass dieser Begriff in erster Linie als politisches und bürokratisches Instrument zur Kontrolle von Migration konzipiert wurde und nicht als neutrale Beschreibung sozialer Realitäten.

Abstract
Recent migration research suggests using “displaced persons” as a broader, more inclusive term than “refugees”, affording us an opportunity to recall the historical genesis and transformation of the concept of “displaced persons”. The concept emerged in the 1940s in the context of the control of forced migration. This article traces the evolution of the term “displaced person”, arguing it was created as a “category of action” for bureaucratic and political purposes, rather than to describe social realities. Understanding this historical context reveals more broadly how such categories have always been tools for political control, underscoring the need for reflexivity in migration studies.

Am 9. Oktober war auf Einladung von Sebastian Musch ein Gast aus Sri Lanka in Osnabrück: Manoj Samarathunga von der Rajarata University of Sri Lanka und derzeit Fellow am Institute for Research and Advanced Studies in Tourism (IREST) der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Im Rahmen der Reihe „IMIS-Talks“ präsentierte er seine Forschungen zum Thema Transactional Intimacy and Migration Aspirations: Analyzing the Relationships Between Sri Lankan Beach Boys and Foreign Tourists.

Die Flucht nach Südasien, insbesondere nach British Ceylon (seit 1948 Sri Lanka), von deutschen Juden und Jüdinnen während der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung steht seit einigen Jahren im Fokus der Forschung von Sebastian Musch und wird Thema eines Vortrags an der Cambridge University im Februar 2025 sowie eines demnächst erscheinenden Aufsatzes sein. Daher freuen wir uns, dass wir mit dem Besuch von Prof. Samarathunga in Osnabrück unsere wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen aus Sri Lanka weiter ausbauen konnten.

Ahmet Celikten, Annika Heyen, Gero Leege, Manoj Samarathunga, Sebastian Musch und Christoph Rass nach dem spannenden IMIS Talk (Foto: Jessica Wehner)

Blogbeiträge im September

Ausblick & aktuelle Termine

Am 28./29. November findet in Osnabrück die 31. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und EDV e.V. (AGE) statt, organisiert von Stefan Fangmeier, Universitätsbibliothek Osnabrück. Die Arbeitsgruppe Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung (NGHM) wird mit zwei Vorträgen vertreten sein, die sich digitalen Methoden in der Geschichtswissenschaft widmen. Prof. Dr. Christoph Rass (NGHM) und Prof. Dr. Gernot Fink (TU Dortmund) berichten über die Arbeit mit digitalen Methoden zur Tiefenerschließung serieller Quellen wie z. B. Karteien. Lukas Hennies (NGHM) und Dr. Valentin Schneider (Lehrbeauftragter an der UOS) stellen Ansätze und Ergebnisse des Kooperationsprojekts “German Occupation Database” vor.

Abendveranstaltung “Stimme der Geschichte. Erinnern für die Zukunft”. Zeitzeugengespräch mit Dr. Borys Sabarko und einer Begrüßung von Prof. Dr. Christoph Rass

Am 28. Oktober 2024 findet um 19 Uhr im Rahmenprogramm der Fotoausstellung “Gegen das Vergessen” – ein Projekt von Luigi Toscano – ein Zeitzeugengespräch unter dem Thema “Stimmen der Geschichte. Erinnern für die Zukunft” mit Dr. Borys Sabarko in der Kleinen Kirche, Domfreiheit 6, in Osnabrück statt.

Dr. Borys Sabarko ist ukrainischer Historiker und Holocaustüberlebender sowie Präsident der ukrainischen Vereinigung jüdischer ehemaliger Häftlinge der Ghettos und nationalsozialistischer Konzentrationslager.

Im Gespräch mit Christoph Moormann und Barbara Kurlemann berichtet er sowohl über seine vergangenen als auch gegenwärtigen Erfahrungen mit Krieg und Flucht.

Die Begrüßung übernimmt Prof. Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück; die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Schüler:innen des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums.

Herzlichen Glückwunsch Prof.in Dr. Nadine Sylla!

Das Team der Professur für die Neueste Geschichte und Historischen Migrationsforschung gratuliert Prof.in Dr. Nadine Sylla herzlich zu ihrem Ruf an die Evangelische Hochschule Ludwigsburg. Dort hat Nadine Sylla seit dem 1. März 2024 die Professur für Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft inne.

Prof.in Dr. Nadine Sylla (Foto: ehL)

Ihre Antrittsvorlesung zum Thema “Es wurde niemand verletzt.” Rassistische Gewalt, Solidarität und Zugehörigkeit in der Migrationsgesellschaft hält Prof. Sylla am 23. Oktober um 18.15 Uhr in Gebäude C der EH Ludwigsburg.

Das NGHM-Team wünscht Prof. Dr. Nadine Sylla alles Gute für ihre akademische Zukunft an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg!


Im März 2023 hat Nadine Sylla, Absolventin des Masterstudiengangs Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen (IMIB @ IMIS) ihre Dissertation am Fachbereich 1 der UOS verteidigt. Entstanden ist ihre von Prof. Dr. Christoph Rass betreute Studie in ihrer Zeit als assoziiertes Mitglied des UOS-Graduiertenkollegs Die Produktion von Migration am IMIS.

Unter dem Titel Die Konstruktion des Eigenen im Verhältnis zum Anderen. Mediale Diskurse über Asyl in der Bundesrepublik 1977-1999 befasst sich Ihre Arbeit anhand einer breiten empirischen Analyse von Presseartikeln mit der Produktion der Figur des/der “Asylbewerber:in” und deren Figur für Ex/Inklusionsprozesse.

Nadine Sylla nach erfolgreich absolvierter Disputation mit Mitgliedern der Promotionskomission und Petra Lehmeyer, die, wie stets, für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat (vlnr: Petra Lehmeyer, Christoph Rass (Betreuer und Gutachter), Nadine Sylla (Kandidatin), Lale Yildirim (Vorsitzende), Annika Heyen (Vertreterin der Promovierenden), nicht im Bild, Zweitgutachter Jannis Panagiotidis, der aus Wien zugeschaltet war, (c) Nadine Sylla).

Nadine Sylla fragt, wie mediale Diskursen über Asyl in historischer Perspektive das Eigene und das Andere ko-konstituieren. Dazu untersucht sie zugrunde liegenden  Deutungsmuster, Beziehungsverhältnisse und Wissensordnungen über Migration in fast 3.000 Zeitungsartikeln , die von 1977 bis 1999 in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen sind.

Wichtiges Ergebnis ihrer Studie ist ein differenziertes Modell der Leitnarrative des medialen Diskurses über “Flucht” und “Asyl”, die sie in acht Fallstudien untersucht und pointiert herausarbeitet. Ganz deutlich wird dabei zum Beispiel, wie mediale Diskurse die Veränderung des Asylrechts durch die Grundgesetzänderung 1993 (mit) ermöglicht haben, und wie prägend sich dann der Impact des “Aslykompromisses” auf den weiteren Diskurs ausgewirkt hat.

Die Studie von Nadine Sylla ist im Transcript Verlag erschienen.

NGHM-Tracker (09/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Von Jonathan Roters und Jessica Wehner

Im September leistete das Team der Professur schon allerlei Vorbereitungen für den nahenden Start der Lehrveranstaltungen im Wintersemester und die erste internationale Tagung des Sonderforschungsbereich 1604 Production of Migration: Figures, Infrastructures and Spaces, die vom 23. bis zum 25 Oktober in Osnabrück stattfindet. Über aktuelle Aktivitäten und Neuigkeiten berichtet unsere Trackerredaktion in der Septemberausgabe.

Einblicke

Neben den üblichen Arbeitsabläufen im Institut waren einige Mitglieder der Arbeitsgruppe zu verschiedenen Anlässen unterwegs:

Prof. Dr. Christoph Rass im Zentrum für verfolgte Künste (Foto: (c) Zentrum für verfolgte Künste, Solingen)

Am 5. September 2024 fand im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen die öffentliche Tagung Vergangenheit erinnern, Zukunft gestalten statt, die Leben und Werk des polnisch-jüdischen Künstlers Marian Ruzamski und dem Kampf gegen Antisemitismus gewidmet ist. Prof. Dr. Christoph Rass hielt einen Vortrag mit dem Titel ‘Antisemitismus in Europa und die deutsche Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg‘. Dabei rahmten Zitate aus Marian Ruzamskis 1937 veröffentlichten Erzählung “eine Geschichtsstunde für Kinder im Jahr 5047” einen Überblick über die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und NS-Besatzungs- bzw. Vernichtungspolitik in Polen zwischen 1939 und 1945.

Vergangenheit erinnern, Zukunft gestalten (c) Zentrum für verfolgte Künste, Solingen.
Vergangenheit erinnern, Zukunft gestalten (c) Zentrum für verfolgte Künste, Solingen.

Am 19. September 2024 brach Christoph Rass gemeinsam mit Annika Heyen, Maik Hoops, Ahmet Celikten und Jessica Wehner zur Tagung Abgrenzung, Verflechtung, Aufbruch? Neue Perspektiven auf Migration und Einwanderungsgesellschaft in Geschichtswissenschaft und Public History nach Marburg auf.

Mit dabei aus dem SFB 1604 – Produktion von Migration – mit Beiträgen zur ersten Sektion, die grundlegend Kategorien und theoretische Perspektiven in den Blick nahm, waren Prof. Dr. Isabella Löhr (Wissen, was Migration ist – oder auch nicht. Reflexivität und die Sprache der Migration) und Prof. Dr. Christoph Rass (Recht. Macht. Migration); Prof. Dr. Lale Yildirim musste ihren Vortrag (Konstruktion und De-Konstruktion von migrantisierten Kategorien in Forschung und Museum) leider kurzfristig durch eine Erkrankung bedingt absagen.

Nicht nur Vortragsreisen, auch Exkursionen standen auf dem Plan des NGHM-Teams im September: Unter der Leitung von Mirjam Adam führte am 6. September eine Tagesexkursion der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung nach Köln. Hier hatte eine Gruppe Studierender die Möglichkeit, sich zunächst mit der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Köln, dem heutigen NS-Dokumentationszentrum auseinander zu setzen. Besonderes Potenzial zum historischen Lernen hatten die bis heute zahlreichen verbliebenen Wandinschriften der im Keller durch die NS-Institution inhaftierten und gefolterten Internierten als historische Quelle. Auch der Kontext zum Erstarken der NSDAP in Köln sowie der systematischen Gleichschaltung und gesellschaftlicher Nähe der Gestapozentrale zur Zivilbevölkerung vermittelten den Studierenden die Bedeutung des Themas – auch vor heutigen politischen Entwicklungen.

Im Anschluss erhielt die Gruppe eine Einführung in die Geschichte des ehemaligen jüdischen Realgymnasiums Jawne. Adrian Stellmacher vom Lern- und Gedenkort Jawne verdeutlichte sowohl den historischen Kontext, die besondere Initiative des Lernorts mit Zeitzeug:innen der Schule in Kontakt zu treten sowie den geschichtskulturellen Wandel vor Ort.

History@SFB1604

Das Team Transfer-Projekt hat im September gleich zwei Feldversuche unternommen, um die Arbeitsabläufe bei der Erstellung der VR-Module “Place Changer” und “Exhibition Builder” zu testen, bevor planmäßig im kommenden Jahr die Arbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen beginnt. Am 6. September fertigte Marcel Storch von der Arbeitsgruppe für Fernerkundung und Digitale Bildverarbeitung mit Unterstützung von Johanna Schweppe, Johannes Pufahl und Annika Heyen einen dreidimensionalen Scan des Osnabrücker Schlossinnenhofes an. Dabei kam ein terrestrischer LiDAR-Scanner – kurz für Light Detection and Ranging – zum Einsatz. Das 3D-Modell des Schlossinnenhofes soll als “Place Changer”, also als VR-Umgebung für Gedankenexperimente dienen, in der durch das Aufstellen von digitalen Denkmälern beispielsweise Opfern rassistischer Gewalt gedacht werden kann. 

Am 17. September besuchten Johanna Schweppe, Johannes Pufahl und Annika Heyen unsere Projektpartner:innen vom Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD), um erste Testobjekte für das “Exhibition Builder”-Modul zu digitalisieren. Im Gepäck hatte das Team neben mobilen Endgeräten als Kontrollinstanz auch einen tragbaren 3D-Scanner. Dabei zeigte sich, dass die einfachsten Hilfsmittel manchmal die effektivsten sein können: Insbesondere bei detailreichen, fein gearbeiteten und kleinen Objekten erwies sich der Einsatz einer fotogrammetrischen Scanmethode per Smartphone als praktikabel. 

Die Objekte aus der Sammlung des DOMiD stellten Johanna Schweppe und Johannes Pufahl vor verschiedene Herausforderungen: Die flache Anwerbetafel aus der Verbindungsstelle in Istanbul muss von den Scannern als dreidimensional erkannt werden, die Haube einer koreanischen Krankenschwester besitzt eine komplexe Geometrie und das Modell einer Karavelle aus Portugal ist sehr fein und detailreich gearbeitet (Fotos: Annika Heyen)

Die Prototypen der “Place Changer” und “Exhibition Builder”-Module sollen im Rahmen der ersten internationalen Tagung des SFB 1604 “Production of Migration: Figures, Infrastructures and Spaces” (23. bis 25. Oktober 2024) gezeigt werden. 

Auch aus dem SFB-Teilprojekt A3 „»Ihr seid Gastarbeiterkinder!« Wissenschaft, Schule und die Produktion von Figuren der Migration“ gibt es Neuigkeiten zu berichten: Die Aufbereitung des Quellenkorpus hat die Schwelle der 3000 digitalisierten Quellen überschritten. Damit wurde ein weiterer Meilenstein der Schaffung einer umfangreichen Datengrundlage erreicht. In den kommenden Wochen werden weitere Digitalisierungen die Datengrundlage für den Untersuchungszeitraum von 1960 bis 2010 weiter verdichten.

Das A3-Team kann bereits auf einen Quellenkorpus von über 3000 Einträgen zurückgreifen

Zudem hat das Projekt A3 personellen Zuwachs bekommen:

Rosalie Nele Seyde verstärkt das Team der studentischen Hilfskräfte ab sofort. TEAM-NGHM heißt sie herzlich willkommen!

Am 24. September präsentierte der Freiburger Soziologe Prof. Albert Scherr im Rahmen der IMIS/SFB Lectures als “Critical Friend” des SFB seine “Überlegungen zur begrifflichen Bestimmung des Forschungsgegenstands [des SFB] und zur Methodologie reflexiver Migrationsforschung”. Bezugnehmend auf den Projektantrag des SFB und dessen Verständnis(sen) von Reflexivität eröffnete Scherrs Vortrag konstruktive Anregungen, neue Fragen und interessante Perspektiven, die hinterher in einer lebhaften Diskussion besprochen wurden.

Notizen

Am 4. September wurde in Berlin in Beisein von Kulturstaatsministerin Claudia Roth die Ausstellung Karya 1943 – Zwangsarbeit und Holocaust eröffnet. Die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung war als Kooperationspartner der Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden und Stiftung Topographie des Terrors für die Durchführung einer geoarchäologischen Prospektion in Griechenland zuständig. Die Projektergebnisse an der UOS sind Teil der Ausstellung, die zur Zeit in Berlin, ab dem 16. Oktober in Athen und dauerhaft im Netz zu sehen sein wird. Gefördert wurde das Projekt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ).

Pünktlich zur Eröffnung der Projektausstellung in Berlin am 4. September 2024 veröffentlichten Christoph Rass. Lukas Hennies und Andre Jepsen im September auch das IAK Working Paper 3 Bericht über die historisch-geoarchäologische Prospektion des Projekts Tödliche Zwangsarbeit in Karya der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften der Universität Osnabrück, April 2023. Der Beitrag vermittelt vertiefende Einblicke über die bei der Forschungsprospektion eingesetzten Methoden, die erhobenen Befunde und die ersten Erkenntnisse der Untersuchung.

Im September hatten die Studierenden des Historischen Seminars der Universität Osnabrück die Möglichkeit, ihre Lehrveranstaltungen für das kommende Semester zu wählen. Im Wintersemester bietet die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung ein besonders breites Lehrangebot; Rahmenthema ist diesmal die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und seiner Folgen in regionaler, europäischer und globaler Perspektive.

Hilfskräfte und Doktorand:innen der Professur bei ihrem Austausch (Foto: Jessica Wehner)

Ende September stand mal wieder ein Treffen aller Hilfskräfte und Doktorand:innen der Arbeitsgruppe an. Gemeinsam wurde im Übergang zwischen den Semestern die aktuelle Situation reflektiert und auf die Aufgaben und Herausforderungen des kommenden Semesters geblickt. Dabei wurde auch wieder Sprecher:innen gewählt, um die interne Kommunikation in der Arbeitsgruppe zu begleiten. Krankheitsbedingt musste dabei die Wahl im Kreis der Doktorand:innen verschoben werden; auf Seiten der Hilfskräfte löst dagegen Bjarne Groß nun Gero Leege ab. Neben den Wahlen wurden auch Erfolge im Team wie die Abgabe von Masterarbeiten gefeiert und beglückwünscht.

Ende September verabschiedete sich das Team NGHM auch von Prof.in Dr. Lale Yildirim, die zum 1. Oktober von der Universität Osnabrück an die Universität Kiel wechselte, um dort die Professur für die Didaktik der Geschichte zu übernehmen. Das Team der Neusten Geschichte und Historischen Migrationsforschung wünscht ihr eine glückliche und produktive akademische Zukunft an der Universität Kiel. Auf unserem Blog berichteten wir über unsere gemeinsamen letzten drei Jahre in einem Rückblick.

Imke Selle, Lea Horstmann und Lina-Sofie Winkler bei ihrer Digitalisierungskampagne; Leider fehlt Niklas Eilers

Durch den Wechsel von Prof. Dr. Lale Yildirim an die Universität Kiel gab es auch Veränderungen im Rahmen des Kooperationsprojekts Die „Emslandlager“ als Konfliktlandschaft in Transformation. Forschendes Lernen am Schnittpunkt von universitärer Lehrer:innenbildung, Gedenkstättenpädagogik und partizipativer digital public history. Team NGHM begrüßt Imke Selle und ihre studentischen Mitarbeiter:innen Lina-Sofie Winkler und Niklas Eilers herzlich im Team.

Blogbeiträge im September

Ausblick & aktuelle Termine

Für den Oktober möchten wir auf drei spannende Veranstaltungen hinweisen:

Am 14. Oktober 2024 ab 18:30 Uhr findet im Glandorfer Kulturhaus „Haus Wibbelsmann“ die Abschlussveranstaltung zum Projekt “Dorfgeschichte aus nationalsozialistischer Perspektive: Digitale Edition der Selbstzeugnisse des Glandorfer NSDAP-Organisationsleiters Bernhard Beckmann – ein Digital Public History Projekt statt.

Ediert wurden etwa eintausend Seiten persönlicher Aufzeichnungen aus und über die Jahre 1914-1918 und 1933-1945, in denen Beckmann zunächst als Frontsoldat des Ersten Weltkriegs und später als lokaler NSDAP-Funktionär seine Beobachtungen, Erlebnisse und Gedanken dokumentierte.

Der Heimat- und Kulturverein bittet Veranstaltungsinteressierte darum, sich bis zum 7. Oktober 2024 per E-Mail unter kultour-gut@web.de anzumelden.

Vom 23. bis zum 25. Oktober findet die erste internationale Konferenz Production of Migration: Figures, Infrastructures and Spaces des SFB 1604 an der Universität Osnabrück statt. Die Konferenz kann auch via Livestream verfolgt werden.

Am 26. Oktober findet dann der Tag der Offenen Tür der Universität Osnabrück statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen sich das Programm des Historischen Seminars und des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien anzuschauen. Einblicke in die Forschungsprojekte der Professur für die Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung gibt es als Teil des Angebots des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien im Gebäude 03 von 10 bis 12 Uhr.

Lehrangebot NGHM@UOS im Wintersemester 2024/2025

Das Schwerpunktthema der Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2024/25 an der Professur für die Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung ist der Zweite Weltkrieg mit seinen Folgen in regionaler, europäischer und globaler Perspektive.

Eine Übersicht über das gesamte Lehrportfolio der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung im Wintersemester 24/25 finden Sie auf unserer Website.

Im Wintersemester 2024/25 bietet Team NGHM eine Vorlesung, drei Vertiefungsseminare, zwei Proseminare und vier Übungen an. Dazu kommen mehrere Tagesexkursionen und eine mehrtägige internationale Exkursion.

In seiner Vorlesung Der Zweite Weltkrieg – globale Perspektiven wirft Prof. Dr. Christoph Rass aus zwei Perspektiven Blicke auf den Zweiten Weltkrieg, seine Vorgeschichte und Nachwirkungen:

Im Überblick werden zentrale Entwicklungslinien, Kausalitäten und Zusammenhänge in einem über die europäischen Kriegsschauplätze hinausreichenden Zugriff beleuchtet. Zugleich erfolgt eine Annäherung an die Lebenswirklichkeit von Menschen und Gesellschaften im Kontext des Zweiten Weltkrieges durch exemplarische mikrohistorische Betrachtungen. Die Vorlesung setzt zu Beginn der 1930er Jahre ein und endet mit dem Beginn des Korea-Krieges 1951, dabei befassen wir uns mit wesentlichen Ereignissen und Entwicklungen in Deutschland und Europa aber auch der außereuropäischen Welt, wobei der Krieg im Pazifik ebenso zum Thema wird, wie die Position neutraler Staaten sowie die Auswirkungen des Krieges auf die europäischen Kolonialreiche.

(Bildangaben: Bundesarchiv_Bild_101I-212-0221-06,_Russland-Nord,_Erschießung_von_Partisanen.jpg und World War II 1943 01.png, Wikimedia)

Im Wintersemester 2024/25 bietet Prof. Dr. Christoph Rass ein englischsprachiges Vertiefungsseminar mit dem Titel Producing Migration – The Global Refugee Regime during the ‘Age of Extremes’ an. Das Seminar widmet sich der Entstehung des „globalen Flüchtlingsregimes“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und untersucht Muster gewaltinduzierter Mobilität sowie deren Folgeprozesse. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Institutionalisierung von Migrationssteuerung und der Klassifikation von Opfern gewaltinduzierter Mobilität im Zusammenwirken von Nationalstaaten, internationalen Organisationen und NGOs.

Nansen passport stamp (League of Nations High Commision for Refugees Geneva Resolution 12 May 1926 5 Gold Francs) Nansenpass frimerke oblat Fridtjof Nansen (utstilling Nasjonalbiblioteket) 9186

In Anlehnung an den theoretischen Ansatz des SFB 1604 – Produktion von Migration – am IMIS, wird das Seminar die Entwicklung und Bedeutung verschiedener Statuskategorien wie „Flüchtling“/ “refugee” oder „Vertriebene“ / “displaced persons” (und deren vielfältige Übersetzungen) nachzeichnen. Dabei werden ganz unterschiedliche historische Quellen analysiert. Besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle wissenschaftlicher Wissensproduktion und der Frage, wie akademische Akteure die Begriffsgeschichte und den Wandel von Schlüsselkonzepten mitgestaltet haben.

Am Ende des Seminars werden die Teilnehmerein fundiertes Verständnis der historischen Prozesse und intellektuellen Grundlagen erlangt haben, die die Flüchtlingspolitik im 20. Jahrhundert geprägt und den Umgang mit gewaltinduzierter Migration bis heute beeinflusst haben.

Dieses Seminar baut das englischsprachige Angebot für internationale Studierende am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) und am Historischen Seminar aus, es wendet sich ferner an Studierende in den English Studies sowie im Masterstudiengang Conflict Studies & Peace Building.

Die Kolloquien von Prof. Christoph Rass richten sich wie in jedem Semester an Examenskandidat/innen in Bachelor- und Masterstudiengängen, die einen Schwerpunkt im Bereich der Neusten Geschichte bzw. der Historischen Migrationsforschung legen.

Ein zweites Vertiefungsseminar wird im Wintersemester 2024/25 von Dr. Sebastian Huhn angeboten. Ziel des Seminars Zwangsmigration, Flüchtlingspolitik und Gesellschaft in Niedersachsen nach dem Zweiten Weltkrieg, angeboten von Dr. Sebastian Huhn, ist die Erstellung einer virtuellen historischen Ausstellung zum Umgang mit (älteren) Flüchtlingen in Niedersachsen am Beispiel der Stadt Varel nach dem Zweiten Weltkrieg (in Zusammenarbeit mit Schüler:innen eines Gymnasiums in Varel). Zwischen 1950 und 1959 lebten in der niedersächsischen Stadt mit damals ca. 15.000 Bewohner:innen bis zu 1.000 ältere sogenannte Displaced Persons (DPs) in Europas größtem „Altersheim“ für DPs.

Über die Geschichte dieses Ortes berichtete Sebastian Huhn bereits in seinem Beitrag Im übrigen schickt man die Alten und Gebrechlichen nach Varel im NGHM Blog. Das Seminar widmet sich unter anderem den Fragen: Wie waren diese vorwiegend osteuropäischen Flüchtlinge in der niedersächsischen Provinz gelandet, wer waren sie und auf welche Geschichte blickten sie zurück und wie wurde politisch und gesellschaftlich mit ihnen umgegangen?

Der Großteil der Millionen DPs nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren ausländische Überlebende des NS-Terrors und osteuropäische Flüchtlinge, die vor der Roten Armee nach Westeuropa geflohen waren. Nachdem ein Großteil dieser Menschen von den Alliierten zunächst (auch unter Zwang) nach Osteuropa repatriiert worden war, hatten die westlichen Alliierten zwischen 1947 und 1951 in einem bei den United Nations angesiedelten Programm einer Million Menschen ermöglicht, global resettlet zu werden, also ein neues Zuhause außerhalb Deutschlands oder ihres ehemaligen Herkunftsorts zu finden. Im Juni 1950 übergaben die westlichen Alliierten die Verantwortung für die verbleibenden ca. 100.000-200.000 DPs in Westdeutschland schließlich in die deutschen Hände. Bei den verbliebenen DPs handelte es sich nicht zuletzt um Ältere und Kranke bzw. um Menschen mit Behinderungen, die nicht als Arbeitskräfte in Drittstaaten hatten vermittelt werden können. Flüchtlinge waren somit Gegenstand von Politik und Teil der westdeutschen bzw. niedersächsischen Nachkriegsgesellschaft. Gleichzeitig ist der Wissens- und Forschungsstand zum Thema noch mehr als lückenhaft. Dies bietet dem Seminar die Möglichkeit, sich forschend mit der Geschichte Deutschlands als Migrationsgesellschaft auseinanderzusetzen, die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit als Ausstellung zu präsentieren und so zur Erinnerungskultur beizutragen.

Zur Erarbeitung der Onlineausstellung wird im Seminar zunächst (und auch gemeinsam mit den Vareler Schüler:innen) das Thema mit seinen diversen Kontexten erarbeiten, dem Nationalsozialismus und Stalinismus, Flucht und Zwangsmigration, dem beginnenden Kalten Krieg, der deutschen bzw. niedersächsischen Nachkriegsgesellschaft und nicht zuletzt der Erinnerungskultur. Statt Seminararbeiten werden dann in Teamarbeit (und in Zusammenarbeit mit den Schüler:innen) Stationen der Onlineausstellung ausgearbeitet. Zentral ist dabei die Arbeit mit historischen Quellen, deren Provenienz vom britischen Nationalarchiv über das Niedersächsische Landesarchiv und die Arolsen Archives bis zum Stadtarchiv Varels reicht. Auch Exkursionen finden im Rahmen des Seminars statt.

Mit dem Seminarergebnis werden die Studierenden dem Portfolio digitaler Ausstellungen der Professur ein weiteres Element beifügen.

Online sind bereits folgende Ausstellungen zugänglich, die teils aus Lehrveranstaltungen, teils aus Forschungsprojekten hervorgegangen sind:

Im Sommersemester 2025 ist die Weiterarbeit am Thema “DP-Altersheim” Varel im Rahmen einer Übung geplant.

Formular für Resettlement-Sponsorship der National Catholic Welfare Conference, Center for Migration Studies of New York (Foto: Sebastian Huhn)
Application for Assistance 3.2.1.1 / 78872004/ Arolsen Archives, Digital Archive, Bad Arolsen.

Das Proseminar Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen – ‘Displaced Persons’ und die ‘europäische Flüchtlingskrise’ unter der Leitung von Jessica Wehner und Lukas Hennies widmet sich thematisch der gewaltinduzierten Mobilität und ihren Folgen im Kontext des Zweiten Weltkrieges. Nachdem die Alliierten im Mai 1945 den Zweiten Weltkrieg in Europa mit dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland beendet hatten, offenbarte sich ein Migrationsproblem eines bis dahin kaum bekannten Ausmaßes. Millionen Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft und im Zuge des Zweiten Weltkriegs deportiert, inhaftiert, geflohen und teils auch freiwillig migriert waren, befanden sich in Europa außerhalb ihrer Ursprungsländer. Diese Flüchtlinge und “Displaced Persons” (DPs) bildeten dabei eine sehr heterogene Gruppe aus verschiedenen Opfergruppen des Nationalsozialismus, Osteuropäer:innen, die in den letzten Kriegsjahren und nach Kriegsende vor der Roten Armee geflohen waren und zum Teil auch Kollaborateuren und Kriegsverbrechern, die sich als DPs ausgaben, um einer Strafverfolgung durch die Alliierten zu entgehen.

Operational Manual, National Archives Paris AJ/43/1172 (Foto:Jessica Wehner)

Als Einführungsseminar beschäftigt sich die Veranstaltung mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges und seiner Folgen für die europäische Migrationsgeschichte der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Proseminar soll kritische Zugänge zur Forschung und Einblicke in historiographische Prozesse geben und zugleich durch propädeutisches Arbeiten in einem konkreten Themenfeld Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens vermitteln.

Das Proseminar Jüdische Geschichtsschreibung – Jüdische Geschichte schreiben von Dr. Sebastian Musch thematisiert folgende Fragen:

Wie wird jüdische Geschichte erzählt, welche Fragestellungen sind relevant und welche Folgen lassen sich für den Umgang mit der Vergangenheit und für Erinnerungspolitik ziehen? Welche politischen und gesellschaftlichen Subtexte formen die Art und Weise, wie jüdische Geschichte geschrieben wird? Welche Rolle spielten der Holocaust und der Zweite Weltkrieg in der jüdischen Geschichtsschreibung im 20. Jahrhundert? Und: Wie können und sollen wir heute jüdische Geschichte schreiben? In dem Proseminar werden wir uns solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen und dabei u.a. und mit sogenannten”lachrymose” und “neo-lachcrymose” Konzepten in der jüdischen Geschichtsschreibung, mit der zionistischen und post-zionistischen Historiografie und den Erzählweisen jüdischer Geschichte in Deutschland nach dem Holocaust beschäftigen. Dabei sollen auch methodische Reflexionen im Vordergrund stehen.

Als ein weiteres Vertiefungsseminar im Bereich Neueste Geschichte bietet Imke Selle die Veranstaltung Geschichts- und Erinnerungskultur in Zeiten der Digitalität – Die “Emslandlager” als Konfliktlandschaft in Transformation digital erinnern an. Das Seminar baut auf Vorkenntnisse aus der Vorlesung Einführung in die Didaktik der Geschichte auf. Die Teilnahme an Vertiefungsseminaren erfordert zuvor auch den Abschluss eines Proseminars im Bereich der Neuesten Geschichte und Historischen Migrationsforschung.

Dieses Vertiefungsseminar wird geschichtsdidaktische Theorie mit der geschichtskulturellen Praxis und geschichtswissenschaftlicher Forschung verknüpfen. Den thematischen Schwerpunkt bilden neben der Geschichte der Emslandlager Aspekte der “digital literacy”, “digital story telling” und Chancen “partizipativer digital public history”.
Ziel des Seminars ist die Erstellung eines digitalen Produkts, das die Raumdimension der ehemaligen “Emslandlager” sowie deren Transformation sichtbar macht.


Die sogenannten „Emslandlager“ bildeten von 1933 bis 1945 ein System aus 15 Konzentrations-, Strafgefangenen- und Kriegsgefangenenlager im Nordwesten Deutschlands. Die ehemaligen Lagerstandorte sind über mehr als 100 Kilometer verteilt. In der Nähe der ehemaligen Lagerstandorte existieren zudem neun Friedhöfe für die in den Emslandlagern ermordeten Kriegsgefangenen, Konzentrationslagerhäftlinge und Strafgefangenen des NS-Regimes.
Die verschiedenen Standorte haben nach 1945 ganz unterschiedliche Transformationen durchgemacht und sind heute u.a. Gedenkstätte, Agrarfläche, Gewerbegebiet, Wohnsiedlung oder Justizvollzugsanstalt.

Technische Vorkenntnisse sind keine Teilnahmevoraussetzung, wohl aber die Bereitschaft, sich mit der benötigten Hard- und Software intensiv auseinander zu setzen.
Im Rahmen des Seminars ist ein Besuch der Gedenkstätte Esterwegen sowie eines weiteren Lagerstandorts oder -friedhofs am 20. November geplant.

Ergänzt wird das Seminarprogramm durch vier Übungen, die unsere Lehrbeauftragten anbieten:

Im Mittelpunkt der Übung Wisent-Wildnis und Welterbe: Geschichte des Nationalparks von Białowieża von Dr. Aliaksandr Dalhouski steht der letzte Flachwald-Urwald Europas als Schauplatz der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Wir erarbeiten die Geschichte der deutschen Besatzung dieser Region im Ersten und im Zweiten Weltkrieg und die Rolle des Bialowieza Waldes als Zufluchtsort und Transitregion für Menschen auf der Flucht vor der NS-Herrschaft. Wir fragen, wie weit die Idee der Transformation des Gebiets im Rahmen einer „Ostkolonisation“ zurück reicht und wie das Waldgebiet früh Gegenstand von „Naturschutz“ im Zeichen der NS-Lebensraumplanungen wurde. Dabei interessieren wir uns auch für die Geschichte der „Wisent-Wildnis“ als Kulturerbe und befassen uns mit der Rettung des größten Landsäugetiers Europas, der Transformation der Region durch die Auflösung der Sowjetunion oder der Rolle des Waldgebiets in der aktuellen Migrationskrise. 

Unser Lehrbeauftragter Dr. Dr. Valentin Schneider bietet eine Übung unter dem Titel Die deutsche Gewaltherrschaft über Griechenland im Zweiten Weltkrieg: Von der Militärgeschichte zu einer Besatzungsgeschichte an.

Zwischen 1941 und 1944 wurde Griechenland von deutschen Truppen besetzt, wodurch der deutsche Herrschaftsbereich im besetzten Europa um ein geostrategisch wichtiges Gebiet erweitert wurde. Zwischen dem deutschen Einmarsch im April 1941 und dem Rückzug des Großteils der Truppen im Oktober 1944 (manche Gebiete wie z.B. ein Teil von Kreta aber auch die Inseln Rhodos und Milos, blieben sogar bis Mai 1945 unter deutscher Besatzung) wurde dieses Gebiet vom Deutschen Reich nicht nur militärisch genutzt, u.a. als Sprungbrett nach Nordafrika, sondern auch wirtschaftlich ausgebeutet und dem Machtapparat der SS unterworfen, der in Zusammenarbeit mit Wehrmacht und deutschen Polizeieinheiten die fast vollständige Vernichtung der jüdischen Gemeinden Griechenlands organisierte und durchführte. Basierend auf den Erkenntnissen des Forschungsprojekts „German Occupation Database“, das seit 2018 an der Griechischen Nationalen Forschungsstiftung in Athen in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück implementiert wird, verfolgt diese Übung das Ziel, die Studierenden anhand zahlreicher konkreter Beispiele an den Umgang mit militärhistorischem Aktenmaterial heranzuführen, um dabei Wege aufzuweisen, wie auf Grundlage dieser Unterlagen Rückschlüsse auf die Strukturen und die Funktionsweise des deutschen Besatzungsregimes in Griechenland gezogen werden können.

Dr. Thorsten Heese bietet im kommenden Semester eine Übung unter dem Titel Stadtgeschichte – Museum – Geschichtsbewusstsein an.

„Stadtgeschichte als Ausstellungsprinzip“ ist ein Konzept, das sich in der bundesdeutschen Museumsszene erst im Laufe der Nachkriegszeit fest etablieren konnte. Es folgte einer zunächst nahezu ahistorischen Museografie, die einer kritischen Auseinandersetzungen mit der NS-Zeit auswich und sich lieber der Ästhetik vermeintlich neutraler kulturgeschichtlicher Zeugnisse widmete.
Mit der nachrückenden „68er“-Generation und der Etablierung alltagsgeschichtlicher Graswurzelbewegungen in den 1970er Jahren wurden die „Musentempel“ schließlich zunehmend in Frage gestellt und stattdessen Lernorte gefordert, die sich der Geschichte vor Ort offen stellten. In dem Zuge wurde die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zunehmend zur Pflicht. Angesichts einer erweiterten Migrationsgesellschaft ist das stadtgeschichtliche Museum heute mit neuen Herausforderungen der Vermittlung von und Beschäftigung mit „Stadtgeschichte“ konfrontiert.
Die Veranstaltung setzt sich zunächst mit der Theorie stadtgeschichtlicher Ausstellungen auseinander und erkundet anschließend konkrete Beispiele von Ausstellungspraktiken, darunter die neu eröffnete „Villa_“ zur NS-Geschichte im Museumsquartier Osnabrück. Sie endet mit einem Ausblick darauf, wie „Stadtgeschichte“ in der Migrationsgesellschaft neu gedacht werden muss und kann. Im Rahmen der Veranstaltung werden zugleich Einblicke in das heutige Berufsfeld „Museum“ vermittelt.

Die Übung Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit – biographische Forschungen von Heiko Schulze thematisiert die Erforschung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Osnabrück.

Diese hat seit der Herausgabe des vom ILEX-Kreis publizierten Sammelbandes “Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit. 36 Biografien mutiger Menschen” einen neuen Erkenntnisstand erreicht. Zugrunde liegt dem Band eine zusätzliche Auflistung von 70 Kurzbiografien solcher Menschen, zu deren Tätigkeiten vorerst rudimentäre Erkenntnisse bestehen. Aber auch zu bereits besser erforschten Biografien ergeben sich naturgemäß immer wieder neue Erkenntnismöglichkeiten, die einen biografischen Werdegang vervollständigen helfen. Im Seminar reflektieren wir zunächst die aktuelle Literatur- sowie Quellenlage – unter anderem jene im hiesigen Landesarchiv – und werden uns mit der wissenschaftlichen Auswertung unserer Erkenntnisse vertraut machen. Daneben wird es möglich sein, individuelle Themenstellungen zu entwickeln und auszuarbeiten. Am Ende des Prozesses können – allesamt betreute und lektorierte – Ergebnisse stehen, die einvernehmlich im Sinne der weiteren Forschung publiziert werden können.

Das Exkursionsprogramm der Abteilung Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung im Wintersemester 24/25 sieht unter anderem Besuche beim DOMiD in Köln und bei der Bildungsinitiative Ferhat Unvar in Hanau vor. Daneben sind Exkursionen im Rahmen der Kooperationsprojekte ins Emsland Moormuseum sowie zur Gedenkstätte Esterwegen geplant.

Eine mehrtägige internationale Exkursion zur Erinnerungskultur im Kontext von Vernichtungskrieg und Holocaust im Baltikum ist für Dezember 2024 nach Vilnius geplant.

Die Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen des Historischen Seminars über StudIP wird für Angehörige der Universität Osnabrück am 23. September freigeschaltet.

NGHM-Tracker (7-8/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Von Ella Malin Visse und Jessica Wehner

Die Tracker-Redaktion meldet sich nach einer Sommerpause mit der Juli/ August-Doppelausgabe des monatlichen Newsletters der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung zurück. Im Juli endeten die Lehrveranstaltungen und die Mitglieder der Arbeitsgruppen nutzten die folgenden Wochen für Forschungsreisen und Projekttreffen. Abgeschlossen hat das Team die Sommerpause mit einem Team-Tag, um mit neuem Schwung in Richtung Wintersemester zu starten. Über alle aktuellen Aktivitäten und Neuigkeiten informiert diese Doppelausgabe.

Einblicke

Zum Ende des Sommersemester gestalteten die Studierenden des Proseminars und des Vertiefungsseminars der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung offene Posterpräsentationen der Ergebnisse ihrer Seminarprojekte. Bei dieser Präsentation konnten Studierende miteinander und mit anderen Mitgliedern der Professur ins Gespräch über ihre Themenstellungen kommen und so die Arbeit an ihren Hausarbeiten während der vorlesungsfreien Zeit vorbereiten.

Den Aufschlag machte das Proseminar ‘Bipolare Weltordnung’ oder ‘Kalter Krieg’ unter der Leitung von Lukas Hennies. Anhand unterschiedlicher thematischer Schwerpunkten stand auch in diesem Proseminar das Erlernen des (geschichts-)wissenschaftlichen Arbeitens im Mittelpunkt. Ausgewählte Poster von Studierenden sind im Wintersemester 2024/25 im zweiten Obergeschoss des Gebäude 02 zu sehen.

Die Poster der Studierenden des Proseminars sind bereit zur Präsentation (Foto: Johannes Pufahl)
Seminarteilnehmer:innen der Veranstaltung “Produktion von Integration” beim Poster Walk (Foto: Jonathan Roters)

Eine zweite Posterausstellung hat eine interdisziplinäre Gruppe von Studierenden im Seminar Die Produktion von Migration: “Integration” – Geschichte eines migrationspolitischen Konzepts im 20. Jahrhundert unter Leitung von Professor Dr. Christoph Rass erarbeitet. Ein ganzes Semester lang ging es um die Frage, wie der wissenschaftliche Diskurs über Migration und gesellschaftlichen Wandel in Deutschland seit den 1970er Jahren die Bedeutung des Begriffs “Integration” produziert hat.

In den letzten Tag des Sommersemesters haben Studierende des Historischen Seminars sich zu einer Tagesexkursion zur Gedenkstätte Esterwegen aufgemacht. Unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Rass und gemeinsam mit dem Team der Professur für die Didaktik der Geschichte (Prof.in Dr. Lale Yildirim) ging es diesmal darum, die Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte kennen zu lernen. Die Studierenden erhielten zu dieser Gelegenheit Einblicke in die Forschungskooperation zwischen der Universität und der Gedenkstätte. Einen detaillierten Bericht finden Sie auf unserem NGHM-Blog.

Die Studierenden in den Ausstellungsräumen der Gedankstätte Esterwegen

Andere Teammitglieder der Arbeitsgruppe Negotiating Migration an der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung nutzten die vergangenen Wochen hingegen für Archiv- und Workshopreisen:

Sebastian Huhn reiste im August ins britische Nationalarchiv, um dort intensive Quellenrecherchen zu betreiben. Im Fokus standen dabei Quellen aus dem Bestand des Foreign Office aus den Nachkriegsjahren zur Versorgung der Displaced Persons in Deutschland und zu deren Resettlement.

Sebastian Huhn genießt die Archivreise zum britischen Nationalarchiv in den Sommermonaten
Sebastian Musch in den Räumen des Jack, Joseph and Morton Mandel Center for Advanced Holocaust Studies

Sebastian Musch ist seit dem 19. August am United States Holocaust Memorial Museum, wo er am dortigen Jack, Joseph and Morton Mandel Center for Advanced Holocaust Studies gemeinsam mit Gaëlle Fisher (Universität Bielefeld) die diesjährige Ausgabe des Jacob and Yetta Gelman international workshop “From the Atlantic to the Black Sea: Local Relief and Rescue Operations on the Margins of the Holocaust” ausrichtet.

Für den zweiwöchigen Workshop kamen Wissenschaftler:innen aus den USA, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Schweden, Österreich, Polen, Italien und Rumänien nach Washington D.C, um über die Rolle von Rettungs- und Hilfsorganisationen während des Holocaust zu diskutieren, wobei besonders kleinere Organisationen im Fokus stehen, die bisher oftmals von der Forschung ignoriert wurden. Neben Vorträgen und Diskussionen standen auch Archiv- und Museumsbesuche auf dem Programm. Zudem gab es die Möglichkeit, sich mit den zahlreichen Expert:innen vor Ort auszutauschen.

Sebastian Musch (sechste Person von links) mit den Teilnehmer:innen des Workshops

Jessica Wehner reiste vom 3. bis zum 6. Juli nach Tübingen, um am Fourth Annual International Seminar in Historical Refugee Studies teilzunehmen. Neben elf anderen Wissenschaftler:innen stellte sie ihr Paper “An apparently indissoluble clot of unwanted humanity”: Negotiating the Resettlement of ‘Displaced Persons’ perceived as ‘non-European Other’ zur Diskussion. Daneben bot das Seminar zahlreiche weitere Möglichkeiten für den Austausch und die Diskussion unterschiedlicher Aspekte historischer Migrationsforschung.

Doch nicht nur in der Ferne, sonder auch vor Ort ging die Arbeit an Projekten und der Austausch mit Kolleg:innen und Kooperationspartner:innen weiter:

Im Juli und August standen im „Projekt Sammlung Richard“, das die Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung gemeinsam mit dem Emsland Moormuseum Geeste durchführt, in erster Linie Dokumente im Brennpunkt, die sich mit der Torfveredelung und -verwertung beschäftigen. Dabei ging es konkret um die Herstellung von Torfkoks – anknüpfend an den Unternehmer Wilhelm Wielandt (siehe Juni-Bericht) – sowie die Produktion von Torfgas und Torfbriketts. Ein zweiter Schwerpunkt im August war der Versuch, Licht in die Entstehungsgeschichte der Sammlung Richard zu bringen. Es ist klar, dass eine so große Sammlung über einen längeren Zeitraum entstanden sein muss. Es verbessert das Verständnis der „Torf-Thematik“ und auch der Beweggründe von Karl-Hinrich Richard, wenn man nicht nur die Dokumente an sich betrachtet, sondern auch ihr Verhältnis zueinander.

Spannende Fragen, die Michael Schmidt im Projekt derzeit beschäftigen, sind: Wann hatte Richard den Entschluss gefasst, dass er etwas Umfassenderes plante als z. B. eine gewöhnliche Sammlung von Korrespondenzen und anderen Dokumenten aus dem Berufsleben, wie sie viele Leute anlegen? Lassen sich vielleicht Gründe aufzeigen, die Richard veranlasst haben, seine Sammlung zu beginnen? Wuchs die Sammlung chronologisch gesehen gleichmäßig, oder gibt es Zeiten verstärkter oder verminderter Sammelaktivität und korrelieren diese mit bestimmten persönlichen, politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen? Werkzeuge für die Beantwortung dieser Fragen sind die Verzeichnisse, die Richard über seine Sammlung angelegt hat. Weil Richard vieles handschriftlich festgehalten hat, lassen sich wichtige Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der Sammlung Richard finden, die unentdeckt bleiben würden, hätte man nur Computerdateien zur Verfügung. 

Am 19. August besuchten Prof. Dr. Christoph Rass und Lukas Hennies gemeinsam mit Prof. Dr. Gernot Fink sowie dessen Mitarbeiter Oliver Tueselmann und Fabian Wolf (Professur für Mustererkennung, Institut für Informatik an der TU Dortmund) das Niedersächsische Landesarchiv in Osnabrück. Ziel des Treffens mit Dr. Sabine Graf, Präsidentin des NLA (online zugeschaltet), Vertreter:innen der Abteilung Zentrale Dienste des NLA sowie Dr. Thomas Brakmann und Christoph Gräf (NLA, Abteilung Osnabrück) war die Entwicklung eines gemeinsamen Projekts zur KI-gestützten Tiefenerschließung historischer Bestände im Niedersächsischen Landesarchiv.

Weiter ging es über den Sommer auch im Projekt “Einwanderungsarchiv Hannover”, das die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung gemeinsam mit dem Stadtarchiv Hannover durchführt. Im Mittelpunkt steht dabei gerade die Frage, wie in Archiven ein institutioneller Wandel hin zur Öffnung für die Migrationsgesellschaft gestaltet werden kann. Zugleich steht für Projektleiter Dr. Patrice Poutrus die Frage im Vordergrund, wie für migrantische und postmigrantische Communities der Zugang zu öfffentlichen Archiven erleichtert werden kann. Künftig soll das Stadtarchiv Hannover aktiv und nachhaltig auch die Überlieferung von Eingewanderten, ihren Nachkommen sowie ihren Organisationen, Vereinen und Communities zum Teil des überlieferten kulturellen Erbes bzw. Gedächtnisses machen.

Christoph Rass und Patrice Poutrus im Gespräch über den derzeitigen Projektstand (Foto: Jessica Wehner)

Zum 1. Juli diesen Jahres startete an der Professur für Neueste Geschichte und Historisce Migrationsforschung unter Leitung von Professor Dr. Christoph Rass ein Forschungs- und Editionsprojekt zur Erarbeitung des Handbuches “Geschichte des Emslandes im Nationalsozialismus” in Kooperation zwischen dem Landkreis Emsland . In den kommenden zwei Jahren soll zusammen mit zahlreichen Expert:innen und Autor:innen ein Handbuch zur Geschichte des Nationalsozialismus im Emsland entstehen, das vor allem einen Fokus auf Besonderheiten des historischen Kontexts der emsländischen Region und Bevölkerung legt. Dabei soll nicht nur bisherigen Desiderata des Forschungsstandes begegnet werden, sondern auch regionale Besonderheiten in den Blick genommen werden, die sich im historischen Kontext des NS-Regimes verorten lassen. Ziel ist es, ein Überblicks- und Nachschlagewerk zu erarbeiten das hilft, Fragen an die emsländische Geschichte aus Forschung und Gesellschaft zu beantworten und weiterzudenken.  

Mirjam Adam, Christoph Rass und Philipp Scheid bei den Konzeptions- und Planungsgesprächen des Handbuchs (Foto: Jessica Wehner)

Zu einer ersten Konsultation der Projektpartner nach Start der Arbeit trafen sich am Montag, den 28. August Dr. Philipp Scheid vom Landkreis Emsland, Mirjam Adam, M.Ed. und Prof. Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück. Dabei ging es um Konzeptionsplanungen und die Vorbereitung erster Workshops und Vernetzungstreffen in der Region, die voraussichtlich im September folgen werden, um Autor:innen für die Beiträge und Artikel des Bandes zu gewinnen.

History@SFB1604

Auch das Team „Transfer-Projekt“ aus dem SFB 1604 meldet sich mit voller Kraft zurück aus der Sommerpause. Am 22. und 29. August fanden orientierende Gespräche in der Runde der PIs des T-Projekts – Prof. Dr. Christoph Rass, Prof:in Dr:in Lale Yildirim, Prof:in Dr:in Julia Becker und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani – und mit unseren Kollegen bzw . Kooperationspartnern von der Professur für Informatikdidaktik Prof. Dr. Michael Brinkmeier und Thorsten Kirmess sowie von der Arbeitsgruppe für Fernerkundung und Digitale Bildverarbeitung Dr. Thomas Jarmer und Marcel Storch statt. Im September wird das T-Projekt in die erste Praxisphase zur Weiterentwicklung der Prototypen des „Exhibition Builders“ und „Place Changers“ starten: Es stehen 3D-Scanaktionen sowohl für Objekte aus den Magazinen des Dokumentationszentrums und Museums über die Migration in Deutschland (DOMiD) zur Verwendung im „Exhibition Builder“ als auch des Schlossinnenhofes als VR-Umgebung für den „Place Changer“ an.

Die Beteiligten des Transfer-Projekts beim hybriden Austausch (Foto: Jessica Wehner)

Das Projekt A3 setzte seine Arbeit fort, indem es das Korpus um weitere Literatur erweiterte und die ersten Probeläufe zur Textanalyse mit neuen KI-gestützten Funktionen von MAXQDA durchführte. Schnell nähert sich das Korpus derzeit der Marke von 3.000 Texten, der Übergang zur Textkodierung steht unmittelbar bevor.

Außerdem fand das erste IRTG-Treffen des Monats am 12. August statt. Es folgte ein Workshop mit Prof. Dr. Harald Bauder (Toronto Metropolitan University und DeZIM Fellow), in dem im Gespräch mit den Doktorand:innen und Postdoktorand:innen die Projekte des SFB 1604 vorgestellt wurden. Anschließend hielt er einen Vortrag, in dem er die aktuellen Projekte und Diskussionen zum Konzept der „Solidarity City“ präsentierte.

Notizen

Sebastian Musch, dieses Frühjahr als Harry Starr Fellow in Judaica am Center for Jewish Studies der Harvard University tätig, hat für Geschichte der Gegenwart einen Text über die antisemitischen Vorfälle in Harvard und deren Instrumentalisierung durch rechte Akteur:innen in den USA verfasst.

Am 27. August reiste Jessica Wehner auf Einladung der Körber-Stiftung nach Bremen, um einen Impulsvortrag im Rahmen des diesjährigen Wettbewerbsthemas des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten zu halten. Der 29. Geschichtswettbewerb ermöglicht Schüler:innen forschendes Lernen unter dem Thema “Bis hierhin und nicht weiter?! Grenzen in der Geschichte.” In ihrem Impulsvortrag für die interessierten Lehrer:innen thematisierte Jessica Wehner die besonderen Chancen, die das diesjährige Thema für das Historische Lernen und die Sinnbildung bereithält und gab einen Einblick in die wissenschaftliche Diskussion rund um das Thema “Grenzen”.

Laura Wesseler (Körber-Stiftung), Helene Finck (Altes Gymnasium Bremen), Dr. Jörn Brinkhus (Staatsarchiv Bremen) und Jessica Wehner bei der Auftaktveranstaltung des diesjährigen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten in Bremen

Den 16. August verbrachte das Team der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung außerhalb ihrer Büroräume, um die Sommerpause gemeinsam zu zelebrieren. Bei einer Runde Schwarzlicht-Minigolf betätigten sich alle sportlich: Als Sieger:innen gingen Gero Leege und Janine Wasmuth hervor. Danach ließ das Team den Abend gemeinsam gemütlich bei einer Grillparty im Hause Rass ausklingen.

Auch in der Teamzusammensetzung gab es einige Neuerungen:

Zum 31. Juli verabschiedete das Team der NGHM die studentische Hilfskraft Nelly Neufeld. Nelly unterstützte über ein Jahr lang vorrangig die Arbeit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften (IAK), im Besonderen das Projekt Lernort Schlachtfeld? Eine neue Didaktik der ,Konfliktlandschaft Hürtgenwald’. Wir danken Nelly für ihre Arbeit und wünschen ihr für ihren Bachelor-Abschluss alles Gute! 

Seit dem 1. August darf das Team der Neuesten Geschichte und Historischen Migrationsforschung ein neues Mitglied begrüßen: Steven Richardt studiert Germanistik und Geschichte im 2-Fächer-Bachelor und beschäftigt sich momentan mit seiner Abschlussarbeit, die die zweite Ehefrau Wilhelms II., Hermine Reuß, im Fokus hat. Als neues Mitglied unterstützt Steven das Team bei diversen Tätigkeiten des universitären Alltags.

Blogbeiträge im Juni & Juli

Ausblick & aktuelle Termine

Für den September möchten wir gleich auf mehrere spannende Veranstaltungen hinweisen:

Am 6. September bietet die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung unter Leitung von Mirjam Adam eine Tagesexkursion in das EL-DE-Haus in Köln an.

Als ehemalige Zentrale der Kölner Gestapo und Ort, an dem politische Gegner und Verfolgte des NS-Regimes inhaftiert, verhört und gefoltert wurden, ist das heutige NS-Dokumentationszentrum ein zentraler Lern- und Gedenkort. 
Im Anschluss an den Besuch des EL-DE-Hauses führt die Exkursion an den nahe gelegenen Gedenk- und Lernort Jawne. Der Gedenkort steht nicht nur als mahnende Erinnerung für ein während der Zeit des Nationalsozialismus zerstörtes Zentrum jüdischen Lebens in Köln, sondern auch konkret für das jüdische Reform-Gymnasium Jawne. Erinnert wird am Erich-Klibansky-Platz u.a. an die Deportation und Ermordung von über tausend jüdischen Kindern und Jugendlichen. 

Am 4. und 5. September 2024 findet am Zentrum für verfolgte Künste in Solingen eine öffentliche Tagung über den polnisch-jüdischen Künstler Marian Ruzamski (1889–1945) und die Rolle der Kunst im Widerstand gegen Diskriminierung und Antisemitismus statt. Mit dabei mit dem Vortrag Antisemitismus in Europa und die deutsche Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg ist auch Prof. Dr. Christoph Rass

Im September endet auch das  Verbundprojekt “Tödliche Zwangsarbeit in Karya”, indem NGHM als Teil der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften (Teilprojektleitung Prof. Dr. Christoph Rass, Koordination Lukas Hennies & Andre Jepsen) unter Leitung der Stiftung Topographie des Terrors/Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Jüdische Museum Griechenlands in Athen und mit weiteren Partnern in Griechenland die Deportation von Teilen der jüdischen Gemeinde Thessalonikis zur Zwangsarbeit an einen abgelegenen Bahnhof in den Bergen Mittelgriechenlands und dessen Spuren erforschen, dokumentieren und museal aufarbeiten. Das Projekt wurde von 2022 bis 2024 in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

Die Ergebnisse der Arbeit des Osnabrücker Teams fließen in die deutsch-griechische Wanderausstellung „Tödliche Zwangsarbeit in Karya 1943“ ein, die zunächst in Berlin und Athen gezeigt wird. In Berlin kann die Wanderausstellung ab dem 5. September 2024 bis zum 30. März 2025 im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit besucht werden. Weitere Informationen zur Wanderausstellung in Berlin finden Sie hier. Vom 16.10.2024 bis zum 16.02.2025 wird die Ausstellung dann auch im Jüdischen Museum in Athen zu sehen sein.

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NGHM-Tracker (7/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Von Ella Malin Visse und Jessica Wehner

Im Juni konnten sich die Teammitglieder der NGHM gar nicht vor einem ungeheuer spannenden aber ebenso umfangreichen Veranstaltungsangebot retten. Im Rahmen des SFB 1604 – Produktion von Migration – und auch der Veranstaltungsreihe “Um-/Deutungskämpfe” gab es zahlreiche Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Austausch mit Kolleg:innen. Das Team freut sich nach diesem Veranstaltungsmarathon auf die nahende vorlesungsfreie Zeit.

Einblicke

Im Juni schloss unsere von den Professuren für die Didaktik der Geschichte, die Geschichte des Mittelalters sowie Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung an der UOS geplante Veranstaltungsreihe “Um-/Deutungskämpfe: Geschichte, Gesellschaft und die rechtsextreme Bedrohung’” mit drei Terminen.

Am 4. Juni begrüßten wir als Gäste Duygu Gürsel vom Projekt “Erinnern heißt verändern” der Amadeo Antonio Stiftung und Eren Okcu von der Bildungsinitiative Ferhat Unvar in Hanau. Die dritte Ausgabe unserer Diskussionsreihe fokussierte auf die Frage, wie wir als eine Migrationsgesellschaft mit der Erinnerung an den rechtsextremen Terror gegen Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland umgehen, wie diese Ereignisse Teil unserer Geschichtskultur werden können und wie sich ein sichtbares, empathisches und würdiges Gedenken an die Opfer umsetzen lässt. Damit verbinden sich größere Fragen danach, welche gesellschaftlichen Akteure mit welcher Agency an der Entwicklung öffentlicher Erinnerungskultur mitwirken können und wie unser Umgang mit Geschichte die Wirklichkeit einer Migrationsgesellschaft reflektiert.

Christoph Rass, Eren Okcu, Lale Yildirim, Duygu Gürsel und Christoph Mauntel nach der dritten Ausgabe von “‘Um-/Deutungskämpfe: Geschichte, Gesellschaft und die rechtsextreme Bedrohung’” (Foto: Jessica Wehner)

Am 18. Juni durften wir Prof. Dr. Karim Fereidooni (Ruhr-Universität Bochum) als Gast begrüßen. In seinem Beitrag “Antisemitismus und Rassismus in der Migrationsgesellschaft” thematisierte er vergangene und gegenwärtige Formen des Rassismus und des Antisemitismus. Besonders die Erfahrungen von Lehrkräften und Erfahrungen im schulischen Kontext wurden im Vortrag thematisiert.

Am 25. Juni endete mit einer Podiumsdiskussion die  veranstaltete Gesprächsreihe zur Rolle von Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur in einer sich polarisierenden Gesellschaft. Zum abschließenden Termin versammelten sich die Professor:innen des Historischen Seminars der Universität Osnabrück gemeinsam mit PD Dr. Maria Alexopoulou (Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin), um dieses Themenfeld noch einmal epochenübergreifend und mit Blick auf fachwissenschaftliche Fragen ebenso wie auf die Implikationen für die Lehramtsausbildung und die gesellschaftliche Rolle von universitärer Geschichtswissenschaft zu diskutieren. Die Moderation übernahm der Osnabrücker Amerikanist und Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Peter Schneck.

Am 27. und 28. Juni durfte das NGHM-Team Gäste aus Wien, Graz und Nottingham zu einem SFB-Workshop unter dem Titel „Forced Migrants, Agency and the Production of Migration“ begrüßen. Nachdem bereits im April 2024 gegenwärtige und historische Perspektiven auf die Konzeptionalisierung der Agency von Geflüchteten und Zwangsmigrant:innen in einem ersten Workshop diskutiert worden waren, diente dieses zweitägige Treffen dem vertieften Austausch über die Anwendung und Deutung des Konzepts Agency bei der Produktion von (Zwangs-)Migration im Kontext des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Den Aufschlag machte Dr. Philipp Strobl (Universität Wien) am Abend des 27. Juni mit seinem Gastvortrag „Navigating Through Refugee Agency: Methodological Considerations from a Historical Perspective“. Am Beispiel der Migration von jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland bzw. Österreich nach Australien von den 1930er bis in die 1950er Jahre ging sein Vortrag der Frage nach, wie verschiedene Konzepte von Agency in der historischen Fluchtforschung operationalisiert und angewendet werden und wie dies die Perspektive auf den historischen Gegenstand verändert. Anhand seiner Fallstudien diskutierte Dr. Philipp Strobl die Potentiale von Modellen individueller, kollektiver und von „Proxy“-Agency von Geflüchteten bei der Aushandlung ihres (Aufenthalts-)Status und ihrer weiteren Lebensperspektiven in Australien.

Dr. Philipp Strobl bei seiner Guest-Lecture “Navigating Through Refugee Agency. Methodological Considerations from a Historical Perspective” (Foto: Jessica Wehner)

Am folgenden Tag waren gemeinsam mit Beiträgen von Franziska Lamp, Samantha Knapton, Susanne Korbel, Jiayi Tao und Konstantin Schischka aus dem NGHM Team auch Christoph Rass, Annika Heyen und Jessica Wehner vertreten:

Nach einer kurzen Begrüßung durch Prof. Dr. Kerstin von Lingen und den Gastgeber Prof. Dr. Christoph Rass, eröffnete letzterer den Workshop mit einem Beitrag als Brückenschlag zwischen den in der Kooperation zwischen Wien und Osnabrück entwickelten Perspektiven auf Aushandlungsprozesse im Migrationsregime der 1940er bzw. 1950er Jahre und den Ansätzen und Fragestellungen des Sonderforschungsbereichs 1604 – Produktion von Migration – unter dem Titel “Conceptualizing the Agency of Forced Migrants Past and Present: A Dialogue across Disciplines”.  

Im Anschluss verwies Annika Heyen mit ihrem Vortrag „Production of non-action as an Expression of Agency within the emerging Modern Refugee Regime: The Bermuda Conference“ auf die Notwendigkeit, dass auch das Vermeiden des Handelns – bzw. eine Stabilisierung migrationspolitischer Entscheidungen – dazu führt, dass Handlungen unterbleiben und das Agency nicht nur im Vewirken von Veränderung, sondern auch im Vermeiden von Handeln sichtbar werden kann.

Jessica Wehner schloss sich mit einem Vortrag aus dem Kontext ihrer Forschungen im Projekt “Normen, Praktiken und Marginalität. Aushandlungen an den Rändern des Displacement-Managments der International Refugee Organization” an. In ihrem gemeinsamen Beitrag mit Christoph Rass unter dem Titel „Disputed (non) Belonging: Migrant Agency in the European Displacement Crisis 1945 to 1956“ zeigte sie anhand der Biographie des seit den 1940er Jahren in Osnabrück lebenden und als muslimisch gelesenen DPs Abdulkhalik Aleskerow konkret die Produktion von Agency auf. Denn ihm gelang es in den 1950er Jahren, durch Veränderungen seines Narrativs bzw. seiner Selbstkonstruktion im Austausch mit Behörden und Organisationen, sich gegen seine Abschiebung zu wehren und sich eine Bleibeperspektive zu erstreiten.

Das weitere Programm des Workshops befindet sich hier. Ein detaillierter Bericht folgt in Kürze auf unserem Blog.

Am 24. Juni eröffnete Prof. Dr. Christoph Rass im Roten Rathaus in Berlin den 6. Bundeskongress Heimat (BHU), der unter dem Motto “In Zeichen von Krieg und Frieden” stand. In seinem Beitrag unter dem Titel “Gewaltüberformte Orte: Produktion und Transformation von Konfliktlandschaften als geschichtskulturelle Praxis” verwies er vor allem auf die Komplexität und mitunter herausforderungsvolle Aushandlung von sogenannten Konfliktlandschaften.

Die Teilnehmer:innen des 6. Bundeskongress Heimat (BHU) (Foto: Bund Heimat und Umwelt / Andre Baschlakow)

Dabei zeigte Christoph Rass anhand historischer Beispiele der narrativen, materiellen und performativen Aufladung von Gewaltorten, die als “Schlachtfelder” gelesen werden, wie derartige Deutungs- und Aneignungsprozesse sich über lange Zeiträume an so unterschiedlichen Orten wie “Troja”, “Hastings”, “Waterloo” oder der “Normandie” entwickelt haben und einen bestimmten Typus von Landschaft hervorbringen.
Christoph Rass betonte damit die langanhaltende kulturelle Praxis der Markierung und Deutung von Gewaltorten, insbesondere von “Schlachtfeldern”, die teils schon über Jahrtausende hinweg Transformations-, Aufladungs- und Deutungsprozessen unterliegen. Dabei verwies er aus gegenwärtiger Perspektive auf die Notwendigkeit einer reflektierten und inklusiven Auseinandersetzung mit solchen Orten, um deren Geschichte immer wieder mit Blick auf den Ereignishorizont aber auch auf die Geschichte der Geschichtsproduktion an solchen Orten kritisch zu hinterfragen und nicht einfach zu reproduzieren.

Christoph Rass beim Vortrag im Rahmen des Bundeskongress Heimat in Berlin (Foto: Mirjam Adam)

Er hob hervor, dass historische Gewaltorte produktiv für ein kritisches Geschichtsbewusstsein genutzt werden sollten und verwies dabei auf die Bedeutung der Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und gesellschaftlicher Gruppen sowie auch auf die Einbeziehung gesellschaftlich marginalisierter Akteure. Ein zentrales Argument des Vortrags richtete sich auf die Vermeidung der Instrumentalisierung von Gewaltorten für nationalistische Zwecke und die Etablierung und Bewahrung einer offenen, demokratischen und kritischen Erinnerungskultur. Rass schlussfolgerte, dass die erfolgreiche Bearbeitung von Konfliktlandschaften eine kooperative, interdisziplinäre und kritisch-wissenschaftliche Herangehensweise erfordert. Entsprechend sei es das Ziel einer kritischen Konfliktlandschaftsforschung, historische Gewaltorte nicht für unkritische Narrative zu öffnen, sondern als Orte des Lernens und der Reflexion über Krieg und Gewalt zu gestalten.

Die Kollegen Marc Rappe vom Museumspark Kalkriese und Keano Neumann der Firma Medata stellten am 27. Juni den Kolleg:innen Andre Jepsen, Marlene Schurig, Lea Horstmann und Mirjam Adam der ,Interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften’ (IAK) die Software Archaeonotes vor, die eine in situ Erfassung geoarchäologischer Daten invasiver und noninvasiver Messungen umfassend und systematisch ermöglicht. Dabei diskutierte die Gruppe neben den zukünftigen Chancen, wie eine Erhebung von vollständigen Wetterdaten zur späteren Analyse von Bodenproben, auch die Möglichkeiten, die die Software zur Erforschung von Konfliktlandschaften mit unterschiedlichem Terrain aber auch Forschungsanforderungen bietet. Weiter gingen sie auf Aspekte wie eine vereinfachte Datensicherung und Kennzeichnung von materiellen Funden ein. Die IAK plant, die Software in zukünftigen Forschungen rund um die verschiedenen Konfliktlandschaften z. B. im Kontext von ,Schlachtfeldern’ oder Orten des NS-Terrors einzusetzen, um so die eigenen Vorgänge des Messverfahrens noch weiter zu verbessern. 

Das dritte HISTORY FORUM OSNABRÜCK, veranstaltet von der Didaktik der Geschichte unter Prof.‘in Dr. Lale Yildirim, fand am 17. Juni 2024 in der Schlossaula der Universität Osnabrück statt. In diesem Jahr widmete sich das HISTORY FORUM OSNABRÜCK dem Thema „‘Gender & Diversity’ – Lee  \rn-Stellen historischer Bildung und Public History“.

Nach einer Einführung von Prof.‘in Dr. Lale Yildirim hielt Prof. Dr. Martin Lücke von der Freien Universität Berlin die Keynote „Gender & Diversity und historische Bildung“.
Mit der Frage „Queeres historisches Lernen – was kann das sein?“ stieg Prof. Dr. Martin Lücke in den Themenkomplex ein. Anschließend verdeutlichte er am Beispiel John O. den Konstruktionscharakter von Geschlecht. Die Historizität (also die grundsätzliche Wandelbarkeit von Dingen in der Zeit) und Alterität (also die Andersartigkeit früherer Welten) von Geschlecht wurde anhand eines Auszugs aus dem Material „Teaching Queer History“ für schulischen Geschichtsunterricht verdeutlicht.

Bei der Diskussion: David Gasparjan, Ella Malin Visse, Prof. Dr. Martin Lücke, Felix Wurm und Prof.’in Dr. Lale Yildirim (v.l.n.r., Foto: Jessica Wehner)

Im Folgenden diskutierten David Gasparjan von der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Martin Lücke, Ella Malin Visse, Studentische Hilfskraft an der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung, und Felix Wurm aus dem Sozial- und Gesundheitsausschuss der Stadt Osnabrück. Fragen über Chancen und Herausforderungen von Gender und Diversity für die historische Bildung, Public History und für die demokratisch-kritische Partizipation in der heutigen pluralen Gesellschaft standen hierbei im Fokus der Diskussionsbeiträge. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Prof.‘in Dr. Lale Yildirim.

Die Diskussionsteilnehmenden freuten sich über die zahlreichen interessierten Gäste (Foto: Jessica Wehner)

Im Juni 2025 wird sich das vierte HISTORY FORUM OSNABRÜCK dem Themenkomplex „Produktion von Migration“ widmen. Wir sind schon jetzt gespannt auf den Impulsvortrag und die Diskussionsbeiträge im nächsten Jahr.

History@SFB1604

Am 6. Juni präsentierten Maik Hoops und Ahmet Celikten Überlegungen zu ihren Dissertationsvorhaben im Projekt (A3) »Ihr seid Gastarbeiterkinder!« Wissenschaft, Schule und die Produktion von Figuren der Migration.

Maik Hoops stellte seine Ideen unter dem Arbeitstitel “‘Gastarbeiterkinder’ – ‘Ausländerkinder’ – ‘Migrantenkinder’. Eine historische Semantik migrantisierender Begriffe in Schule und Wissenschaft von den 1960er bis in die 2000er Jahre” vor.

Ahmet Celikten thematisierte seine Überlegungen unter dem Arbeitstitel “Migrantization through Scientific Discourse? An Analysis of (Re)Production of Migration Figures within the Nexus of Academic Knowledge, School Practices and the Migration from Turkey”.

Maik Hoops und Ahmet Celikten nach der erfolgreichen Präsentation ihrer bisherigen Überlegungen (Foto: Jessica Wehner)

Am 11. Juni 2024 berichtete Prof. Dr. Christoph Rass in der Vorlesungsreihe des Integrierten Graduiertenkollegs des SFB 1604 aus seiner Arbeit zur Begriffsgeschichte des Konzepts “Gastarbeiter” und insbesondere zur Übersetzung der Kategorie in den Diskurs über die Neugestaltung der Migrationsbeziehungen zwischen Mexiko und den USA seit den späten 1960er Jahren.

Es geht dabei um die erstaunliche Karriere eines Begriffs, der um 1916 von Max Weber geprägt wurde und von Anfang an die dauerhafte Exklusion zugewanderter Arbeitskräfte signalisierte. Nachdem die NS-Propaganda des deutschen Zwangsarbeitssystems den Begriff während des Zweiten Weltkrieges aufgegriffen hatte, erlebte er ab 1961 in Westdeutschland eine Renaissance – mit seinen bereits fest eingeschriebenen Bedeutungen – bevor er mit der Übersetzung ins Englische weltweite Verbreitung fand.

Der Vortrag verwies an diesem Beispiel auf Methoden und Potentiale der Begriffs- bzw. Konzeptgeschichte bzw. der Historischen Semantik und diskutierte deren Nutzen für einen reflexive turn in der Migrationsforschung.

Prof. Dr. Christoph Rass bei seinem Vortrag “Translating ‘Gastarbeiter'” am 11. Juni im Osnabrücker Schloss (Foto: Jessica Wehner)

Am 19. Juni fanden sich Mitglieder des Sonderforschungsbereichs 1604 “Produktion von Migration” im Botanischen Garten der Universität Osnabrück zu einem “SFB-Retreat” ein. In mehreren Workshops berieten die Vertreter:innen der verschiedenen Projekte, wie ihre Arbeit inhaltlich, methodisch und infrastrukturell stärker miteinander verknüpft werden kann. Prof. Dr. Christoph Rass präsentierte im Rahmen der Veranstaltung die Ziele, Ideen und ersten Arbeitsschritte des Transferprojekts “Reflexive Migrationsforschung im Museum. Potenziale und Perspektiven virtueller Realitäten”, in dem in den kommenden Wochen in Testumgebungen und mit Testobjekten aus Osnabrück Arbeitsabläufe entwickelt und getestet werden, die im weiteren Projektverlauf mit zivilgesellschaftlichen Gruppen zur Anwendung kommen sollen. 

Notizen

Im Juni wurden nicht nur zahlreiche Vorträge gehalten und Gäste in Osnabrück begrüßt, sondern Team-Mitgliedern begaben sich auch mit Studierenden auf Reisen:

 Am 7. Juni 2024 bot die Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung unter Leitung von Christoph Rass eine Tagesexkursion zum Zentrum für verfolgte Künste in Solingen an, das für die Gewalt- und Migrationsgeschichte des “Zeitalters der Extreme” ein wichtiger Ort für Forschung, Dokumentation und Vermittlung ist. Wir lernten dabei die Dauerausstellung und Sonderausstellungen des Zentrums kennen, befassten uns mit dem regionalen sowie auch dem internationalen Profil des Hauses, gewannen Einblicke in die Forschungs- und Dokumentationsarbeit des Hauses und in den Aufbau, Betrieb und die Nutzung von Archiv und Sammlung.
Wie stets bei unseren historisch arbeitenden Exkursionen lernen Studierende also auch die mit dieser Arbeit verbundenen Berufsfelder kennen und erschließen Perspektiven für Praktika oder Optionen für Abschlussarbeiten.

Am 24. Juni erhielten Studierende bei einer von der Arbeitsgruppe NGHM organisierten Exkursion unter Leitung von Sebastian Huhn nach Hamburg Einblicke in die Arbeit der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Am Stiftungssitz in der Hamburger Innenstadt wurden die Studierenden zunächst von Dr. Magnus Koch und Merle Strunk durch die Dauerausstellung „Schmidt! Demokratie leben“ geführt. Neben den Inhalten der Ausstellung wurde dabei auch über Möglichkeiten und Grenzen historischer Ausstellungen und über das Kuratieren diskutiert, sowie über andere Aspekte von Public History, die zu den Arbeitsbereichen von Historiker:innen gehören. Anschließend lernten die Studierenden am zweiten Standort der Stiftung in Hamburg-Langenhorn das Schmidt-Archiv kennen, in dem ein wichtiger Teil des Nachlasses des ehemaligen Bundeskanzlers verwahrt wird. Franziska Zollweg und Simon-Lennard Till stellten das Archiv und seine Bestände vor, organisierten eine Rechercheübung für die Studierenden und ermöglichten ihnen sogar einen Blick ins Magazin. So lernten die Exkursionsteilnehmer:innen gleichzeitig ein interessantes historisches Archiv und die Recherchewege in Archiven kennen. 

Die Exkursionsteilnehmer:innen mit Dr. Magnus Koch und Dr. Sebastian Huhn vor dem Schmidt-Archiv in Hamburg-Langenhorn

Die Arbeit an der Sammlung Richard am Moormuseum in Groß Hesepe geht in eine neue Phase. Michael Schmidt hat in den vergangenen Wochen vor allen Dingen Dokumente aus der Sammlung Richard zu Gustav Keppeler und Wilhelm Wielandt bearbeitet. Diese beiden Männer haben mit Beginn des 20. Jahrhunderts Wege und Verfahren gesucht, aus dem Rohstoff Torf wertvollere Produkte als reines Brennmaterial zu schaffen. Gustav Keppeler war der erste Leiter der 1911 gegründeten Versuchsanstalt für technische Moorverwertung in Hannover, die mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, über die bloße Verbrennung hinaus andere Nutzungsmöglichkeiten für Torf zu erforschen. Wilhelm Wielandt war ein Chemiker, dessen Spezialgebiet die Verkokung von Torf war und der sein Wissen auch praktisch umsetzte, indem er in Elisabethfehn bei Barßel eine Torfkoksfabrik aufbaute. Weil die Belieferung mit Torf anfangs stockte, konstruierte er überdies einen Torfbagger, durch dessen vielfachen Verkauf wiederum die Brenntorfgewinnung angekurbelt wurde. Wielandt war Forscher, Konstrukteur und Geschäftsmann in einer Person. Zudem bestanden geschäftliche Beziehungen zwischen Richard und Wielandt, sodass sich hier ein Ansatzpunkt bietet, die Verflechtungen innerhalb der „Torffamilie“ genauer zu untersuchen. Dieser knappe Überblick zeigt, dass es für alle Projektbeteiligten nun zunehmend um die wissenschaftliche Themensetzung bei der Digitalisierung der Sammlung Richard gehen wird.

Im Juni hieß es sowohl “Willkommen zurück!”, aber auch Abschied nehmen:

Seit Anfang Juni ist Sebastian Musch wohlbehalten zurück im NGHM-Team. Sebastian Musch hat das Frühjahr als Harry Starr Fellow in Judaica an der  Harvard University verbracht und als Teil einer Forschungsgruppe zum Thema “Jewish Migration” unter der Leitung von Derek Penslar am dortigen Center for Jewish Studies zur Zwangsmigration deutsch-jüdischer Intellektueller in den USA während der Zeit des Nationalsozialismus geforscht. Über seine Zeit in Harvard hat Sebastian berichtet. Dazu in kürze mehr auf unseren NGHM-Blog.

Verschieden musste das Team der NGHM sich von Frank Wolff: Nach 13 Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter und zahlreichen Auslandsaufenthalten wechselt PD Dr. Frank Wolff zum 1. Juli in die Leitung der Forschungsabteilung der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Berlin. Auf dieser Stelle wird er intensiviert zur europäischen Zeitgeschichte und zur Geschichte der Sozialdemokratie forschen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Mitwirkung als Wissenschaftler an Ausstellungen sein, so zunächst die Erarbeitung der neuen Dauerausstellung im Willy-Brandt-Haus Lübeck.

Als Privatdozent bleibt er an der Universität Osnabrück verankert, wo er in Zukunft weiterhin regelmäßig Lehrveranstaltungen anbieten wird. Im letzten Jahr war er bereits an die Universität Bielefeld abgeordnet, wo er als Co-Leiter der Forschungsgruppe Internalizing Borders mit einem großen Team aus ca. 30 internationalen Forscher:innen der Frage nachging, wie der Grenzpolitik und das dazugehörige “border work” Gesellschaften verändern. Neben zahlreichen Workshops, Tagungen und regelmäßigen Formaten wie die zweiwöchentliche ZiF Border Talk Series konnte er sich in diesen Monaten auf Forschungs- und Schreibearbeit konzentrieren. Als Ergebnis erschien unter anderem der Sammelband “Academics in a Century of Displacement: The Global History and Politics of Protecting Endangered Scholars” (Springer Science 2024), Forschungsaufsätze zur Geschichte des bundesdeutschen Migrationsdiskurses (z.B. Auf Migration blicken, um sich selbst zu entdecken: Bundesdeutsche Migrationsdiskurse von 1949 bis zur Wiedervereinigung, BpB 2023), zur Normalisierung von Grenzmauern in modernen Gesellschaften (z.B. Mitten durch wessen Herz? Die ‚Berliner Mauer‘ als Sonderfall und Pionier eines Irrwegs, andererseits 11/12 2023, open access) oder zu geschichtspolitischen Allianzen zwischen rechten Akteuren und Staatsrechtlern (When Legal Language Meets Apocalypse Anxiety: Democracy, Constitutional Scholars, and the Rise of the German Far Right after 2015, in Far-Right Newspeak and the Future of Liberal Democracy, hrsg. von A. James MCAdams und Samuel Piccolo, Routledge 2024).

Ein Teil der von Frank Wolff geleiteten Forschungsgruppe ‘Internalizing Borders’ während eines Workshops am ZiF

Ein weiterer Schwerpunkt war die öffentliche Wissenschaftskommunikation, sei es in zahlreichen Buchvorstellungen und -diskussionen von Hinter Mauern (Suhrkamp 2023) quer durchs ganze Land, in Pressebeiträgen  (Das trojanische Pferd der Rechten, Jacobin 16, 2024) oder in wissenschaftsnahen Formaten, wie den Blogs der Friedrich-Ebert-Stiftung (Die Transformation Europas hinter Mauern) oder des ZiF (Walls also change those who build them).

Wir danken Frank herzlich für seine Arbeit in den letzten Jahren und freuen uns, dass er dem Team der NGHM als Privatdozent erhalten bleibt!

Blogbeiträge im Juni

Ausblick & aktuelle Termine

Am 5. Juli findet eine gemeinsame Exkursion der Didaktik der Geschichte und der Neuesten Geschichte und Historischen Migrationsforschung unter der Leitung von Christoph Rass in die Gedenkstätte Esterwegen statt. Studierende erhalten die Möglichkeit das Gelände zu begehen und die Ausstellung zu besichtigen.

Guest Lecture & Workshop “Forced Migrants, Agency and the Production of Migration”

Am 27. und 28. Juni laden Prof. Dr. Christoph Rass (Universität Osnabrück) und Prof.in Dr.in Kerstin von Lingen (Universität Wien) zu einer Guest Lecture und einem Workshop zur Konzeptionalisierung von Agency von Zwangsmigrant:innen in historischer Perspektive nach Osnabrück ein.

Mit dabei sind Historiker:innen aus Wien, Osnabrück, Graz und Nottingham, die die Bedeutung von Agency in ihren aktuellen Forschungsprojekten diskutieren.

Die Guest Lecture am 27. Juni wird von Dr. Philipp Strobl (Universität Wien) gehalten. Unter dem Titel “Navigating Through Refugee Agency. Methodological Considerations from a Historical Perspective” diskutiert er seine Überlegungen zu Refugee Agency.
Die Guest Lecture findet von 18 bis 19.30 Uhr (Raum 15/130) statt. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Am 28. Juni findet dann der Workshop “Forced Migrants, Agency, and the Production of Migration” statt, bei dem in acht Beiträgen sowohl Konzeptionalisierungsideen als auch Analysen der Agency in historischer Perspektive diskutiert werden.

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Die Zeit seit dem Ersten Weltkrieg wird oft als “ein Jahrhundert der Flüchtlinge” bezeichnet. Nicht nur gab es immer wieder unermessliches Leid von Zwangsmigrant*innen, sondern auch ständige – und oft fehlgeschlagene – Versuche, durch nationales und internationales Recht sowie durch zahllose Organisationen Hilfe zu organisieren. Die öffentlichen und politischen Diskurse sowie die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema Zwangsmigration sind daher so alt wie das Phänomen selbst.

Die reflexive Wende in der Migrationsforschung mahnt an, die Produktion und Koproduktion von Definitionen, Kategorien, Konzepten und Darstellungen von Migration durch die Wissenschaften selbst zu erkennen und kritisch zu untersuchen. Gleichzeitig – und oft im Gleichschritt mit reflexiven Ansätzen – plädiert der Ansatz der Autonomie der Migration für eine andere Perspektive in Bezug auf die Agency von Zwangsmigrant*innen bei der Aushandlung ihrer Mobilität. Diesen Impuls nimmt am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück ab April 2024 der Sonderforschungsbereich (SFB) 1604 Produktion von Migration auf.

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Programm

NGHM-Tracker (6/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Von Ella Malin Visse und Jessica Wehner

Mit Vorträgen, Exkursionen und der Veranstaltungsreihe “Um-/Deutungskämpfe. Geschichte, Gesellschaft und die rechtsextreme Bedrohung” beschäftigte sich die Arbeitsgruppe der Neuesten Geschichte und Historischen Migrationsforschung im Mai. Unsere Mai-Ausgabe berichtet zudem von Arbeitsfortschritten und Aktivitäten aus dem zweiten Monat des SFB 1604, insbesondere aus dem Projekt A3 und dem Transferprojekt “Reflexive Migrationsforschung im Museum. Potenziale und Perspektiven virtueller Realitäten”.

Einblicke

Den Mai nutzten die Mitglieder der NGHM, um zu unterschiedlichen Gelegenheiten ihre Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren:

Den Beginn machten Mirjam Adam, Lukas Hennies und Prof. Dr. Christoph Rass (Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften) beim 12. Kartengeschichtlichen Kolloquium, organisiert von Prof. Dr. Christoph Mauntel, an der Universität Osnabrück. In ihrem Beitrag ging es unter dem Titel “Believe bombing would help.” – Praktiken und Quellenwert von ‘Echtzeitkartographie’ der US-Army im Zweiten Weltkrieg um eine kritische Auseinandersetzung mit dieser historiographisch viel genutzten aber wenig reflektierten Quellengattung, um kartographische Praktiken militärischer Organisationen und die Frage, wie diese Ideen und Modelle militärische Führung spiegeln. Exemplarisch wurden dazu Overlay-Karten aus der “Schlacht im Hürtgenwald” diskutiert, die 1944/45 zwischen Verbänden der US-Armee und Einheiten der Wehrmacht in der Nordeifel zwischen Aachen und Düren tobte.

Ausschnitt aus der Präsentation zum Vortrag “Believe bombing would help.” – Praktiken und Quellenwert von ‘Echtzeitkartographie’ der US-Army im Zweiten Weltkrieg

Nach diesem Heimspiel ging es für Christoph Rass nach Köln in das NS-Dokumentationszentrum. Dort stellte er unter dem Titel “Das digitale Modell der „Osnabrücker Gestapokartei“. Erschließung, Quellenwert und Aussagekraft eines zentralen Datenverarbeitungssystems im Verfolgungsapparat des „Dritten Reiches“” Ergebnisse des DFG-Projekts Überwachung. Macht. Ordnung. Personen- und Vorgangskarteien als Herrschaftsinstrument der Gestapo vor, das von 2018 bis 2022 an der Universität Osnabrück umgesetzt worden ist.

Georeferenzierte Verteilung der “Sachverhalte” der Osnabrücker Gestapokartei [(c) Sebastian Bondzio & Christoph Rass]

Den zweiten Termin der derzeitig stattfindenden Veranstaltungsreihe “Um-/Deutungskämpfe. Geschichte, Gesellschaft und die rechtsextreme Bedrohung” an der Universität Osnabrück gestalteten dieses Mal Maik Hoops, Lukas Hennies, und Christoph Rass. In ihrem Beitrag stellen sie Befunde ihrer Forschung zur Geschichte der “SRP” vor und diskutieren die Wahlerfolge einer Gruppierung, die sich in der frühen Nachkriegszeit in Westdeutschland offen als Nachfolgeorganisation der “NSDAP” gerierte; einen Schwerpunkt des Beitrags bildet die Analyse des Sprachgebrauchs in der Publizistik, im Wahlprogramm und im öffentlichen Auftreten der Partei und ihrer Akteure.

Die Organisator:innen und Referent:innen am 21. Mai bei der Veranstaltungsreihe “Um-/Deutungskämpfe, Geschichte, Gesellschaft und die rechtsextreme Bedrohung” (v.l.n.r. Prof. Dr. Christoph Mauntel, Maik Hoops, Prof.in Dr.in Lale Yildirim, Prof. Dr. Christoph Rass und Lukas Hennies, Foto: Jessica Wehner)

Neben diesen zahlreichen Gelegenheiten, bei denen Ergebnisse aus unterschiedlichen, laufenden oder abgeschlossenen Forschungsprojekten präsentiert wurden, feierte das Team der NGHM auch den Start eines neues Projektes:
Im Mai startete Sebastian Huhn ein neues, vom Programm Pro*Niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördertes Projekt zur Erforschung internationaler Flüchtlingspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg in Niedersachsen.

Unter dem Titel „Internationale Flüchtlingspolitik und die Aushandlung von Schutz, Fürsorge und Teilhabe nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel des ‚Altersheims‘ für DPs und Flüchtlinge in Varel“ widmet sich das Projekt eines besonderen Kapitels der Nachkriegsgeschichte. Zwischen 1950 und 1960 existierte in der niedersächsischen Kleinstadt Varel das europaweit größte „Altersheim“ für Displaced Persons (DPs) und Flüchtlinge. Gegründet von der britischen Militärverwaltung und der International Refugee Organisation, bot das Heim bis zu 1.000 älteren NS-Opfern und osteuropäischen Flüchtlingen Schutz und Fürsorge.

Im Zentrum der Forschung stehen die internationale, deutsche und niedersächsische Flüchtlingspolitik sowie der gesellschaftliche Umgang mit Flüchtlingen in Niedersachsen in den 1950er Jahren. Neben der Grundlagenforschung wird das Projekt durch die Einbindung von Osnabrücker Studierenden und Vareler Schüler:innen bereichert, die durch forschendes Lernen das bislang wenig beachtete Thema der Regional- und Lokalgeschichte erkunden werden. Das Ziel: Gemeinsam eine virtuelle Ausstellung über das Vareler „Altersheim“ und den Umgang mit Flüchtlingen in Niedersachsen nach dem Zweiten Weltkrieg zu erarbeiten. Diese Ausstellung soll die historische Erinnerung bereichern und einen Beitrag zur Public History leisten.

Einen praxisorientierten Einblick in die laufenden Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe NGHM erhielten Studierende am 17. Mai bei einer Exkursion ins Emsland Moormuseum Groß Hesepe unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Rass.

Einen Einblick in die Sammlung Richard und ihre Digitalisierung gab unser Projektmitarbeiter Dr. Michael Schmidt. Dabei stand nicht so sehr die inhaltliche Vorstellung im Vordergrund, sondern die Fragestellung, welche Möglichkeiten die Digitalisierung in der Geschichtswissenschaft bietet. Der Einsatz von KI beispielsweise bei der Texterkennung ist ein neues Hilfsmittel; hier ist gerade in letzter Zeit viel im Fluss. Wichtig ist dabei, dass die Studierenden die KI zwar als Werkzeug begreifen, um neue Erkenntnisse zu bekommen, aber nicht das Denken an sich der KI überlassen. Ein weiterer Programmpunkt der Exkursion war eine begleitete Bustour zu wichtigen Stätten des Emslandplans. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Führung durch das Emsland Moormuseum, wobei zum Beispiel die Lebensumstände der Torfarbeiter erläutert wurden.

Als eine nicht unwichtige Erkenntnis konnten die Studierenden mitnehmen, dass sich im Emsland Moormuseum viele Anknüpfungspunkte für ihr weiteres Studium ergeben und auch ausreichend Material sowie ein weites Forschungsfeld für Abschlussarbeiten oder Praktika vorhanden wären. Für die folgenden Semester sind ähnliche Exkursionen geplant. Die Kooperation zwischen der Universität Osnabrück und dem Emsland Moormuseum, so waren sich Prof. Rass und Museumsleiter Michael Haverkamp einig, soll vertieft werden.

History@SFB1604

Im zweiten Monat des SFB 1604 wurde das Projekt A3 durch die Erweiterung des Korpus und die Diskussion über die Entwicklung der beiden Dissertationsprojekte vorangetrieben. Erste Schritte wurden unternommen, um die gemeinsame Arbeit mit der Software MAXQDA für die bevorstehende Kodierung und Analyse zu testen. Darüber hinaus ermöglichten regelmäßige Vortragsreihen, Diskussionen im Reflexivitätslabor und im Graduiertenkolleg-Treffen einen wertvollen Austausch aller Projektmitarbeiter:innen innerhalb des SFB 1604.

Im Transferprojekt “Reflexive Migrationsforschung im Museum. Potenziale und Perspektiven virtueller Realitäten” gab es im Mai die ersten Gespräche mit unserem externen Anwendungspartner, dem Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. (DOMiD). Am 6. Mai trafen sich die Osnabrücker Projektbeteiligten digital und in großer Runde mit ihren Partner:innen vom DOMiD, am 15. Mai folgte ein Ortsbesuch einer kleineren Osnabrücker Delegation in Köln.

Diese ersten Gespräche dienten dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Austausch über Ziele für und Anforderungen an das Projekt beider Seiten sowie Einblicken in die zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten. Insbesondere die Verwendung von VR-Technologie im Ausstellungskontext und das terrestrische Laserscanning zur digitalen Erfassung historisch aufgeladener Orte bzw. der Herstellung ihrer digitalen Zwillinge standen im Fokus der Gespräche.

Notizen

Seit gut zwei Jahren stehen unsere digitalen Ausstellungen zum ehemaligen Vernichtungsort Maly Trascjanec in Belarus online. Nun stehen sie auch in englischer Sprache zur Verfügung. Die, in einem von der Stiftung “Erinnerung Verantwortung Zukunft” (EVZ) geförderten Projekt, von Studierenden aus Deutschland, Österreich und Belarus erstellten Ausstellungen beschäftigen sich mit der Transformation einer der größten ehemaligen Vernichtungsstätten auf dem Gebiet der von den Nationalsozialisten besetzten Sowjetunion, der Erinnerungskultur an diesem Ort sowie den Opfern und Täter:innen von Maly Trascjanec. 

Nach einem Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr kehrte Janine Wasmuth Anfang Mai in die Arbeitsgruppe NGHM zurück. Sie unterbrach ihre Projektarbeit an der Universität Osnabrück, um im Rahmen einer Elternzeitvertretung als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs tätig zu sein. Dort erhielt sie Einblicke in die Aufgaben eines Archivs, beschäftigte sich mit der Erschließung von Akten, beantwortete Anfragen, unterstützte bei Bewertungen und wirkte bei der Auswertung von Beständen mit. Nun widmet sie sich wieder ihrer Arbeit im Projekt „Massendatenbasierte Langzeitmodelle migrationsinduziert wachsender Diversität im urbanen Kontext: Ausländerkarteien als Kulturgut und Grundlage reflexiver Migrationsforschung“.

Mit dem April endete auch die Laufzeit des Editionsprojekts zu den Tagebüchern Bernhard Beckmanns. Der Heimat- und Kulturverein Glandorf und Projektkoordinator Maik Hoops führen nun gemeinsam noch einige Feinarbeiten und Korrekturen vor, bevor die fertige Edition Mitte Oktober veröffentlicht wird.

Mit dem Ende des Projekts verließen uns nun auch die studentischen Hilfskräfte Julia Grewe und Vincent Jakubowski. Wir danken ihnen für ihre gute und zuverlässige Arbeit in unserem Team und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute.

Blogbeiträge im Mai

Ausblick & aktuelle Termine

Am 27. und 28. Juni begrüßt die NGHM einige internationale Kolleg:innen in Osnabrück für die Guest Lecture “Navigating Through Refugee Agency: Methodological Considerations from a Historical Perspective” von Dr. Philipp Strobl und einen Workshop zum Thema “Forced Migrants, Agency and the Production of Migration”. Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen folgen in Kürze auf unserem Blog.

NGHM-Tracker (5/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Im April hat an der Universität Osnabrück die Lehre wieder begonnen, gleichzeitig waren viele Teamkolleg:innen der Arbeitsgruppe Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung für Archivrecherchen, Konferenzreisen und Forschungsaufenthalte in Europa und der Welt unterwegs. Außerdem startete zum 1. April 2024 der Sonderforschungsbereich 1604 – Produktion von Migration -, der nun auch eine eigene Rubrik in unserem NGHM-Newsletter erhält, in der wir über die Projekte und unsere Kooperationen im SFB berichten. Über alle Aktivitäten und Neuigkeiten in diesem arbeitsreichen Monat berichtet unsere April-Ausgabe.

Einblicke

Der April bot für das Tem der NGHM zahlreiche Möglichkeiten zur Diskussion laufender Forschungsprojekte und -ergebnisse. Den Beginn machte das Team in einem Workshop am 5. April. Dr. Marcel Berlinghoff (IMIS/ FFVT), Dr. Sebastian Huhn (IMIS/ Negotiating Resettlement, DFG) und Prof. Dr. Christoph Rass (IMIS/ SFB 1604) luden zu einem interdisziplinären Workshop über die Konzeptionalisierung von Agency von Zwangsmigrant:innen ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine interdisziplinäre Diskussion über reflexive Ansätze zur Konzeptionalisierung der Agency von Zwangsmigrant:innen in Vergangenheit und Gegenwart. Der Workshop war die erste Veranstaltung des in der selben Woche gestarteten SFB 1604, gemeinsam ausgerichtet mit dem DFG-geförderten Projekt Negotiating Resettlement und dem BMBF geförderten Projekt Flucht und Flüchtlingsforschung: Vernetzung und Transfer (FFVT).

Christoph Rass eröffnete die Veranstaltung und aus dem Team der NGHM steuerten Annika Heyen, Sebastian Huhn und Jessica Wehner ihre theoretischen Überlegungen zur Konzeptionalisierung von Agency ausgehend von ihren derzeitigen Forschungsprojekten bei. Einen ausführlicheren Workshop-Bericht finden Sie auf unserem Blog.

Für einige Kolleg:innen galt: Nach Osnabrück ist vor Wien. Und so nutzte Jessica Wehner die Gelegenheit bereits früher nach Österreich zu reisen, um am 15. Zeitgeschichtetag teilzunehmen, der vom 11. bis zum 13. März an der Universität Graz zum Thema “Zeitenwende – Wendezeiten?” stattfand. Einen der Schwerpunkte in diesem Jahr bildete das Thema “Un-Gewissheiten und Un-Sicherheiten”. Für diesen Schwerpunkt gestalteten Johannes Glack (Universität Wien), René Bienert (KZ Gedenkstätte Flossenbürg) und Jessica Wehner (Universität Osnabrück) ein Panel zu “Vulnerabilität als Ungewissheitsfaktor. Marginalisierung und Agency gesundheitlich versehrter Displaced Persons im Migrationsregime der Nachkriegszeit”. Den Chair des Panels übernahm Dr. Linda Erker (Universität Wien).

Unter dem Titel ‘Isolated in a Strange World’ – Die Versorgung psychisch versehrter Displaced Persons in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück (1946-1952) diskutierte Jessica Wehner die Bedeutung der Zuschreibung von “Krankheit” und “Gesundheit” für DPs im Nachkriegseuropa. Für den Beitrag diente die Stadt Osnabrück als Fallstudie, denn dort wurden bis Juni 1945 ca. 20.000 DPs registriert und in mehreren Camps untergebracht.

Unmittelbar anschließend fand an der Universität Wien am 15. und 16. April die Tagung Negotiating Global Migrations, 1944-1959 statt. Ausgerichtet wurde diese als wichtiger Meilenstein des von DFG und FWF geförderten DACH-Projekts Norms, Regulation and Refugee Agency. Negotiating the Migration Regime von Prof. Dr. Kerstin von Lingen (Universität Wien) sowie Prof. Dr. Christoph Raß und PD Dr. Frank Wolff (IMIS @ Universität Osnabrück).
In seine Eröffnungsvortrag verortete Christoph Rass die Themenschwerpunkte der Tagung sowie die Kooperation zwischen Wien und Osnabrück im Rahmen des DACH-Projekts im weiteren Forschungsfeld der forced migration studies und im Forschungsprogramm der Osnabrücker Historischen Migrationsforschung.

In ihrem Beitrag Norms, Practices and Marginality. The Production of non-Western Others in the Postwar Refugee Regime diskutierte Jessica Wehner die Bedeutung von Whiteness in verschiedenen Aushandlungen im Migrationsregime der Nachkriegszeit, bei denen forced migrants durch Statuszuweisungen kategorisiert werden sollten. Anhand von Beispielen als “muslimisch” bzw. “asiatisch” gelesener Personen innerhalb der Großkategorie “Displaced Persons” diskutierte Jessica Wehner, welche Agency die Migrant:innen selbst in diesem Prozess entfalten konnten und wie die Ergebnisse der Aushandlung Mobilitätschancen öffneten oder verschlossen.

Frank Wolffs Vortrag blickte, vom Konferenzthema der Aushandlung des Nachkriegsmigrationsregimes ausgehend auf den Prozess der europäischen Einigung. Sein Augenmerk lag auf einer dreifachen Rolle der Kolonialität: Erstens als Abgrenzung gegen ein ausgreifendes „Sowjet-Imperium“ und zweitens zur Inklusion der Territorialinteressen aktiver westlicher Kolonialstaaten in das werdende Europa. Dazu kam drittens die Inszenierung einer „Stunde Null“ der Römischen Verträge, die den europäische Einigungsprozess gefühlt von imperialen Implikation befreite und gerade dadurch koloniales Handeln ermöglicht(e).

Einen ausführlichen Bericht zu den Beiträgen aus Osnabrück finden Sie auch auf unserem Blog.

Die Teilnehmer:innen der Tagung “Negotiating global Migrations” im April 2024 in Wien

Im Rahmen der Konferez “Kanzlerwechsel 1974” hielt Prof. Dr. Christoph Rass am 26. April einen Vortrag zum Thema Fremdwort Integration? Die sozial-liberalen Regierungen und die ‘Gastarbeiter’ in der Bundesrepublik. In diesem befasste er sich mit den – misslingenden – Weichenstellungen der Regierung Schmidt bei deren Versuch, politisch auf die offenkundig gewordene Einwanderungssituation in Westdeutschland zu reagieren.

Prof. Dr. Christoph Rass bei der Konferenz “Kanzlerwechsel 1974” am 25. und 16. April in Berlin

Sebastian Musch, zurzeit als Harry Starr Fellow in Judaica am Center for Jewish Studies tätig, hat in der Diskussionsrunde “Refugees (Not) Welcome: European Exile Scholars at Harvard in the 1930s and 1940s,” einen Vortrag über den Altphilologen Werner Jaeger gehalten.
Die Veranstaltung war Teil des Harvard Colloquium for Intellectual History. In seinem Vortrag skizzierte er den Lebensweg Werner Jaegers, der bereits in den 1920er Jahren zu den führenden Vertretern seiner Faches zählte und dessen dreibändiges opus magnum Paideia auch heute noch den großen Würfen der deutschsprachigen Altphilologie zählt. Nach einem gescheiterten Versuch sich mit dem NS-Regime zu arrangieren, ging Werner Jaeger in die USA, zuerst an die University of Chicago und dann nach Harvard, wo er Gründungsdirektor des dortigen Institute of Classical Studies, dem er bis zu seinem Tod 1961 vorstand. Im Fokus des Vortrags stand Jaeger’s Verhältnis zum Nationalsozialismus und seine Sicht auf das Judentum im Verhältnis zur griechischen Philosophie der Antike. Die Veranstaltung wurde von Peter Gordon (Amabel B. James Professor of History, Harvard University;) moderiert, es sprachen neben Sebastian noch Laurel Leff (Professor of Journalism, Northeastern University) und Iryna Mykhailova (EU Marie Skłodowska-Curie Global Fellow, Early Modern World, Harvard University). Die Harvard Gazette veröffentlichte einen Bericht zur Veranstaltung.

Am 15. April hat Sebastian Musch zudem an dem Symposium “Jewish Immigration Reconsidered. A Symposium by the 2023-2024 Harry Starr Fellows in Judaica and Alan M. Stroock Fellows for Advanced Research in Judaica” teilgenommen und zu jüdischen Flüchtlingen in British Ceylon während der Zeit des Nationalsozialismus referiert. 

Sebastian Musch beim Symposium Jewish Immigration Reconsidered. A Symposium by the 2023-2024 Harry Starr Fellows in Judaica and Alan M. Stroock Fellows for Advanced Research in Judaica am 15. April (Foto: Maura Kohl Gould)

History@SFB1604

Im April nahmen die Professuren für die Didaktik der Geschichte (GEDIOS) sowie für die Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung (NGHM) ihre Forschungsarbeit im Sonderforschungsbereich 1604 (SFB 1604) des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) auf. Die beiden Abteilungen unter der Leitung von Prof.’in Dr.’in Lale Yildirim (GEDIOS) und Prof. Dr. Christoph Rass (NGHM) sind an diesem interdisziplinären Projektverbund mit zwei Projekten beteiligt. Zum einen leiten die beiden Migrationsforscher:innen das Teilprojekt A3 „»Ihr seid Gastarbeiterkinder!« Wissenschaft, Schule und die Produktion von Figuren der Migration“. In diesem wird die Herstellung von sprachlichen Kategorien von Figuren migrantisierter Schüler:innen in historischer Perspektive erforscht, die sich in den 1970er und 1980er Jahren etwa in Begriffen wie „Gastarbeiterkinder“ oder „Ausländerkinder“ festgeschrieben haben.

Daneben betreuen Prof.’in Dr.’in Yildirim und Prof. Dr. Rass gemeinsam mit Prof.’in Dr.’in Julia Becker (Sozialpsychologie) und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (Erziehungswissenschaften) und in Kooperation mit dem „Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland“ (DOMiD) das Transferprojekt des Sonderforschungsbereichs 1604 Reflexive Migrationsforschung im Museum. Potenziale und Perspektiven virtueller Realitäten. Dieses Vorhaben zielt darauf ab, die Perspektiven der reflexiven Migrationsforschung mit Hilfe digitaler Werkzeuge und in Virtual-Reality-Formaten in den musealen Kontext zu integrieren.

Das Team des SFB-Projekts A3: Prof.’in Lale Yildirim, Prof. Christoph Rass (hinten), Ahmet Celikten, Maik Hoops (Mitte. v. l.), Bjarne Groß, Hannah Spille, Julia Lohmann, Eduard Usov (vorne v. l.) (Foto: Lukas Hennies)

Notizen

Anfang April startete die Universität Osnabrück in das Sommersemester 2024, für das die Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung drei Lehrbeauftragte gewinnen konnte. Am 5. April konnten wir Dr. Dr. Valentin Schneider und Dr. Carlo Gentile für ihre Lehrveranstaltungen in Osnabrück begrüßen. Valentin Schneider bietet eine Übung zum Thema Porsche vs. Renault: Die Konstruktion nationaler Automobil-Identitäten in Abgrenzung zum Anderen als Teil der deutsch-französischen Beziehungen (1945-1990) an, während Carlo Gentile eine Übung zu Zeugnisse der Täter: Zum Umgang mit täterbezogenen Quellen der deutschen Besatzung in Italien und der Verfolgung von Kriegsverbrechen nach 1945 anbietet.

Lukas Hennies, Valentin Schneider, Carlo Gentile und Christoph Rass (v.l.n.r., leider fehlt unser dritter Lehrbeauftragter Aliaksandr Dalhouski, Foto: Jessica Wehner)

Vom 14. bis zum 21. April kam Sebastian Huhn einer sehr spontanen Einladung nach Venezuela nach, die er in der Vorwoche erhalten hatte. Zwar stand die Einladung nicht im Zusammenhang mit seinem von der DFG geförderten Projekt Negotiating Resettlement, doch ermöglichte ihm die Anwesenheit in Caracas auch, wichtige historische Quellen aus den 1940er Jahren für dieses Projekt im Archiv des Außenministeriums, dem Ministerio del Poder Popular para Relaciones Exteriores, einzusehen. Da sich das Archiv in einem Umbauprozess befindet (und aufgrund einer allgemein schwierigen Situation in Venezuela), wartete Sebastian bereits seit zwei Jahren auf diese Gelegenheit, die sich nun mehr als spontan von einer auf die andere Woche ergab. 

Am 25. April trafen sich die Kollegen Andre Jepsen und Don Jansen der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften (IAK) mit Axel Schaffland (Institut für Kognitionwissenschaften) um über die Re-Fotoergebnisse aus dem Projekt “Tödliche Zwangsarbeit in Karya” zu diskutieren. Axel Schaffland stellte für die Karya Prospektion 2023, über die wir umfassend auf dem Blog berichteten, seine für Re-Fotos entwickelte Werkzeug zur Verfügung, mit dem wir heutige Fotoaufnahmen aus Karya über zeitgenössischen Bilder der Zwangsarbeiter:innenbaustelle 1943 referenzieren können. Darüber hinaus konnte die Arbeitsgruppe so annähernd den Fotostandort des Fotographen zum damaligen Zeitpunkt ermitteln. Axel Schaffland betreibt eine eigene Homepage, die sich mit Re-Fotos beschäftigt und ein freizugängliches Tool zu Verfügung stellt, um selber aktuelle Fotoaufnahmen über historische Bilder zu referenzieren.

Andre Jepsen, Axel Schaffland und Don Jansen beim Austausch über die Arbeitsergebnisse des Projekts “Tödliche Zwangsarbeit in Karya” (Foto: Jessica Wehner)

Im Projekt „Digitalisierung der Sammlung Richard“ hat Michael Schmidt im Moormuseum in Groß Hesepe die ersten Ordner digitalisiert. Die bislang eingescannten und mit OCR-Kennung versehenen Ordner der Sammlung Richard drehen sich um so unterschiedliche Themen wie Torfkraftwerke, Torfklo, (Moor-)Kultivierung oder Torfbagger. Im Ordner über Torfkraftwerke findet sich Material z. B. zum Torfkraftwerk Wiesmoor in Ostfriesland, aber auch zu Anlagen in anderen europäischen Ländern. In der Sammlung zu den Torfbaggern sind neben Patentanmeldungen auch Werbeprospekte längst liquidierter Firmen enthalten, was einen spannenden Einblick in die technische Entwicklung der damaligen Zeit und auch die Schwerpunkte der Werbung Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglicht. Auch die Person Karl-Hinrich Richard tritt durch die Digitalisierung seiner Sammlung allmählich in den Vordergrund. Es wird ersichtlich, wie er seine Sammlung aufgebaut hat und aus welchen Beweggründen sie entstanden ist.

Im April erschien der 27. Band der Archiv-Nachrichten Niedersachsen, in dem Christoph Rass und Janine Wasmuth das Entstehen von “Ausländermeldekarteien” im Deutschland der Zwischenkriegszeit als Teil einer umfassenden Verwaltungsmodernisierung diskutieren, bei der in vielen Arbeitsbereichen Großkarteien eingeführt wurden – die ebenfalls vom NGHM-Team digitalisierte und beforschte Osnabrücker “Gestapokartei” (gefördert von der DFG 2018-2022) hat, noch als Kartei der Politischen Polizei Preußens, etwa zeitgleich Ende der 1920er Jahre ihren Betrieb aufgenommen. Ausgehend von dieser “Kartei-Revolution” verfolgen Wasmuth und Rass Betrieb und Wachstum der “Ausländermeldekartei” bis zur Stilllegung der analogen Kartei Anfang der 1980er Jahre und stellen dar, wie im Rahmen des Forschungsprojekts zur “Ausländermeldekartei” der Stadt Osnabrück, das in diesem Jahr an der Universität abgeschlossen wird, aus einer analogen Großkartei ein digitaler Forschungsdatensatz hergestellt werden konnte.

Etwas verspätet fanden sich die studentischen Hilfskräfte und die Doktorand:innen am 25. April zu ihrem halbjährlichen Arbeitsgruppentreffen ein. Seit eineinhalb Jahren versammeln sich die NGHM-Mitglieder dieser Gruppen, um sich projektübergreifend über ihre Arbeit und das soziale Miteinander auszutauschen. Bei diesen Treffen wählen die studentischen Hilfskräfte und Doktorand:innen außerdem Sprecher:innen aus ihren Reihen, die als Ansprechpartner:innen und Vermittler:innen bei Sorgen und Problemen fungieren. Im Wintersemester 2023/24 bekleidete Annika Heyen dieses Amt für die Gruppe der Doktorand:innen. Sie gibt den Staffelstab weiter an Maik Hoops. Gero Leege bleibt auch im Sommersemester 2024 Ansprechpartner der studentischen Hilfskräfte der Professur.

Zum 30. April verabschieden wir uns von unseren studentischen bzw. wissenschaftlichen Hilfskräften Don Jansen und Björn Pust, die in den vergangenen Monaten mit vollem Einsatz im Projekt “Tödliche Zwangsarbeit in Karya” tätig waren. In ihrer Arbeit unterstützten sie beiden sowohl die im letzten Jahr durchgeführte Prospektion als auch die Auswertung.
Wir wünschen für die neuen Lebensabschnitte alles Gute!

Blogbeiträge im April

Ausblick & aktuelle Termine

Im Mai startet die von den Professuren für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung (Prof. Dr. Christoph Raß)Didaktik der Geschichte (Prof.in Dr.in Lale Yildirim) und Geschichte des Mittelalters (Prof. Dr. Christoph Mauntel) des Historischen Seminars der Universität Osnabrück geplante Veranstaltungsreihe mit dem Titel Um-/Deutungskämpfe. Geschichte, Gesellschaft und die rechtsextreme Bedrohung.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Panel “Vulnerabilität als Ungewissheitsfaktor. Marginalisierung und Agency gesundheitlich versehrter Displaced Persons im Migrationsregime der Nachkriegszeit” beim 15. Zeitgeschichtetag in Graz

Vom 11. bis zum 13. März findet an der Universität Graz der 15. Zeitgeschichtetag zum Thema “Zeitenwende – Wendezeiten?” statt.

Einen der Schwerpunkte in diesem Jahr bildete das Thema “Un-Gewissheiten und Un-Sicherheiten”. Für diesen Schwerpunkt gestalteten Johannes Glack (Universität Wien), René Bienert (KZ Gedenkstätte Flossenbürg) und Jessica Wehner (Universität Osnabrück) ein Panel zu “Vulnerabilität als Ungewissheitsfaktor. Marginalisierung und Agency gesundheitlich versehrter Displaced Persons im Migrationsregime der Nachkriegszeit”. Den Chair des Panels übernahm Dr. Linda Erker (Universität Wien).

1945 wurden Millionen Menschen aus Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern befreit. Anders als von den Alliierten geplant, wollten viele dieser sogenannten „Displaced Persons“ (DPs) nicht in die
frühere Heimat zurück, wodurch sie – ausgerechnet in Deutschland und Österreich – mit ungewisser Zukunft strandeten. 1947 übernahm die International Refugee Organization (IRO) die Versorgung der DPs und führte das Resettlement in aufnahmebereite Drittstaaten ein. Präferiert wurden junge, gesunde und somit voll arbeitsfähige Menschen, weswegen die Auswahl nicht allein einem humanitären, sondern auch einem Produktivitäts- und Nützlichkeitsparadigma folgte. Die für das Resettlement, aber auch für diverse Aushandlungsprozesse, ausschlaggebende Frage nach der physischen und psychischen Gesundheit der DPs wurde bisher kaum erforscht.

Hier setzt das Panel an und blickt auf die bisher kaum beleuchteten Schicksale, aber auch auf Herausforderungen und Un-Gewissheiten. Zunächst wird das Potenzial von DP-Krankenakten als eine zentrale Quelle zur Erforschung des Themas aufgezeigt. Anschließend werden anhand einer regionalgeschichtlichen Perspektive die Versorgung psychisch versehrter DPs und ihre Schicksale thematisiert. Der dritte Beitrag zeigt am Beispiel jüdischer DPs auf, dass und welche Handlungsspielräume es dennoch gab.

Im ersten Beitrag “Weiterleben danach. Krankenakten zu Displaced Persons in den Arolsen Archives” stellte René Bienert den Krankenakten-Bestand der Arolsen Archives vor. Hinsichtlich der Auswirkungen der Verfolgung bieten Krankenunterlagen ein bisher kaum genutztes Potenzial, enthalten sie doch weit mehr als bloße medizinische Dokumentation: Neben Mosaiksteinen zu Verfolgungswegen und zum Leben danach finden sich beispielsweise Briefe, Lebensläufe oder ganze „social histories“ über die Betroffenen und deren Angehörige. Sie belegen nicht nur die physischen und psychischen Verheerungen, welche Zwangsarbeit, Verfolgung, Inhaftierung und Gewalterfahrung, aber auch Entwurzelung und Ungewissheit hinterließen, sondern auch deren Auswirkungen, beispielsweise auf Auswanderungschancen oder Entschädigungsansprüche. Sie spiegeln zudem die teils langwierige medizinische und soziale Versorgung derjenigen, die als DPs, unterstützt von alliierten Hilfsorganisationen, im Land der Täter strandeten, aber ebenso deren Agency und Spielräume und erhellen die unbekannten Schicksale derjenigen, die bisher im Schatten so vieler DPs standen, die bald woanders ein neues Leben aufbauen konnten. Nach einem Überblick und Zugängen zum Bestand skizzierte der Beitrag an Beispielen die Potenziale und Grenzen für die Forschung und Bildung.

Siehe dazu auch:

  • René Bienert / Jörn Hendrik Kischlat, Krankenunterlagen zu Displaced Persons. Potential eines bisher für die Forschung ungenutzten Bestands im ITS, in: Rebecca L. Boehling (Hg.), Freilegungen. Displaced persons. Leben im Transit: Überlebende zwischen Repatriierung, Rehabilitation und Neuanfang, Göttingen 2014, S. 90–104.

Unter dem Titel “‘Isolated in a Strange World’ – Die Versorgung psychisch versehrter Displaced Persons in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück (1946-1952)” diskutierte Jessica Wehner die Bedeutung der Zuschreibung von “Krankheit” und “Gesundheit” für DPs im Nachkriegseuropa. Für den Beitrag dient die Stadt Osnabrück als Fallstudie, denn dort wurden bis Juni 1945 ca. 20.000 DPs registriert und in mehreren Camps untergebracht. Das Camp „Eversburg“ diente als Rehabilitation Center für versehrte Personen. Die damalige Landes-Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück versorgte in den Nachkriegsjahren ehemalige Zwangsarbeiter:innen und Häftlinge aus Osnabrück und dem Umland.
Im Niedersächsischen Landesarchiv Osnabrück sind 34 Krankenakten erhalten, welche die Behandlung von DPs dokumentieren und damit Aufschluss über Einweisungskontexte, Diagnosen und den Umgang mit den Patient:innen geben. Ausgehend von den Krankenakten der Anstalt und den Unterlagen der International Refugee Organization (IRO) blickte der Beitrag auf die medizinische Versorgung psychisch versehrter DPs einerseits und den Umgang mit Un-Gewissheiten andererseits. Der Beitrag thematisierte damit nicht nur die spezifischen Erfahrungen traumatisierter DPs in Osnabrück, sondern zugleich einen wichtigen Meilenstein der generellen Anerkennung von psychischen – durch Gewalterfahrungen, Verlust und Heimatlosigkeit induzierten – Erkrankungen.

Siehe dazu auch:

  • Jessica Wehner & Christoph Rass: “Schläft, tobt, schreit” – Psychisch versehrte “Displaced Persons” in der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Osnabrück 1945 bis 1952, in: Osnabrücker Mitteilungen, 128. 2023, S. 235-260.
  • Jessica Wehner & Lukas Hennies: Krieg – Psyche – Trauma. Displaced Persons zwischen Elektroschock und Vermittlung ins Resettlement, in: nghm-hypotheses, 26.04.2021, URL: https://nghm.hypotheses.org/2916

Der dritte Beitrag – “Auf der Suche nach Selbstbestimmung. Kollektive Organisierung als Ausdruck von Agency jüdischer DPs mit gesundheitlichen Herausforderungen nach 1945” – von Johannes Glack thematisierte konkret Erfahrungen jüdischer Überlebender.
Unter den aus Konzentrationslagern und Zwangsarbeit befreiten Jüdinnen und Juden waren Tausende, die aufgrund von gewaltinduzierter körperlicher Versehrtheit intensive medizinische Betreuung benötigten. Ihre spezifische Situation schloss sie bis zum Beginn der 1950er- Jahre vom Resettlement – zunächst auch nach Israel
– aus. Ihnen standen weitere Jahre, in manchen Fällen sogar Jahrzehnte, in Camps bevor. Doch jüdische DPs mit gesundheitlichen Problemen wehrten sich gegen die Stigmatisierung chronisch Kranker als hilflos und handlungsunfähig und versuchten, ihre Migrationsmöglichkeiten und Lebensbedingungen durch politische Selbstorganisation durchzusetzen. 1949 traten mehrere tuberkulosekranke DPs im Rehabilitationszentrum Ebelsberg bei Linz in den Hungerstreik, um gegen die Lebensbedingungen im Camp zu protestieren. Ein halbes Jahr später, im Mai 1950, hielten DPs aus dem gleichen Rehabilitationszentrum einen Kongress aller kranken DPs in der US-Zone ab und versuchten, sich länderübergreifend zu organisieren, um ihre Migrationsmöglichkeiten zu verbessern. Diese und andere Beispiele zeigen deutlich, wie gesundheitlich eingeschränkte jüdische DPs nach Selbstbestimmung über ihr Leben strebten. Ein Aspekt, der in der Forschung bisher wenig Beachtung gefunden hat und deshalb Thema dieses Vortrags war.

In der anschließenden Diskussion wurden Fragen nach der Besonderheit der Quellengattung “Krankenakte” sowie der Umgang mit Personendaten und Anonymisierung diskutiert. Aber auch Aspekte der Kontinuität des Pflege- und Ärzt:innenpersonals und der zeitgenössischen Interpretation von Versehrtheit wurden angesprochen. Zuletzt bildete ein Schwerpunkt in der Diskussion auch die vielfältigen Selbst- und Fremdkategorisierungen versehrter DPs.

Das Panel zeigte damit das enorme Erkenntnispotential das die Beschäftigung mit den verschiedenen Krankenakten bietet. Neben Einblicken in individuelle Biographien und Auswirkungen von Versehrtheit bietet die Rückbindung an die Organisation der Versorgung und Rehabilitierung der Personen Einblicke in die Wahrnehmung und Deutung von als versehrt kategorisierte Personen durch Organisationen wie die International Refugee Organization. Am Beispiel versehrter Displaced Persons zeigt sich deutlich die Ambivalenz humanitärer Abwägungen einerseits und Nützlichkeitsüberlegungen durch die Aufnahmeländer andererseits.

Johannes Glack, Jessica Wehner, René Bienert und Linda Erker (Foto: Lena Christoph)

NGHM-Tracker (4/2024)

Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppen der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück

Die vorlesungsfreie Zeit nutzte das NGHM-Team für einen einwöchigen Workshop mit Wissenschaftler:innen, Studierenden und zivilgesellschaftlichen Akteuren aus Belarus im Rahmen des Projekts “Mapping the Co-Presence of Violence and Memory in Belarus”. Aber wie immer wurde nicht nur in Osnabrück fleißig weitergearbeitet, viele Kolleg:innen nutzten den März auch für Feld- und Forschungsaufenthalte im In- und Ausland. Über die Aktivitäten der Arbeitsgruppe Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung in den vergangenen Wochen berichtet unsere März-Ausgabe.

Von Ella Malin Visse & Jessica Wehner

Einblicke

Vom 11. bis zum 16. März war die Professur NGHM Gastgeberin für 20 belarusische Wissenschaftler:innen, die sich kritisch und reflexiv mit Geschichts- und Erinnerungskultur befassen. In der von Prof. Dr. Christoph Rass, Mirjam Adam und Lukas Hennies in Zusammenarbeit mit Aliaksandr Dalhouski ausgerichteten Workshopwoche Mapping the Co-Presence of Violence and Memory in Belarus (gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft) kamen Forschende und Studierende verschiedener Disziplinen in Osnabrück zusammen, um gemeinsam digital public history Formate zu entwickeln, die von Initiativen für eine reflektierte Erinnerungsarbeit selbstbestimmt eingesetzt werden können. Am Ende der fünftägigen, intensiven Arbeitsphase standen Prototypen für Websites, digitale Stadtrundgänge für mobile Endgeräte und 360°-Panorama-Touren zu den Gewalt- und Erinnerungsorten in Mogilev, Azaryčy und Minsk, die die Projektbeteiligten nun selbständig weiterentwickeln und für ihre Arbeit nutzbar machen können.

Mit der Workshopwoche verband sich eine ganze Reihe auch öffentlicher Veranstaltungen: Am 13. März 2024 wurde die Fotoausstellung “Orte und Erinnerung” des inzwischen in Israel lebenden belarusischen Fotografen und Historikers Alexander Litin im Studierendenzentrum der Universität Osnabrück (Gebäude 53) eröffnet. Die 20 ausgestellten Fotografien von Alexander Litin werden in Osnabrück erstmals überhaupt öffentlichen gezeigt und dokumentieren, ergänzt durch Texte von Ida Schenderowitsch, die Transformation und Überlagerung von Erinnerungskulturen in Belarus. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. April im Studierendenzentrum zu sehen.

Den 80. Jahrestag der Deportationen von Azaryčy nahmen Aliaksandr Dalhouski und Christoph Rass zum Anlass, mit dem öffentlichen Vortrag “Osaritschi 1944. Ereignis und Erinnerung” im Ratssitzungssaal der Stadt Osnabrück an die Opfer dieses Kriegsverbrechens zu erinnern und sich zugleich mit den Tätern in ihren gesellschaftlichen Kontexten und mit der Erinnerung an dieses Kriegsverbrechen in Deutschland und Belarus zu befassen. Vom 12. bis zum 19. März 1944 deportierten Truppen der 9. Armee der Wehrmacht etwa 50.000 Menschen, die sie als „unnütze Esser“ einstuften – vor allem Alte, Kranke, Personen mit Behinderungen und Frauen mit kleinen Kindern – in Lager nahe der Frontlinie beim Dorf Azaryčy und ließen sie dort als „menschliche Schutzschilde“ bei einer eigenen “Frontbegradigung” zurück. Etwa 9.000 Menschen starben während der Deportationen oder an ihren Folgen. Rass und Dalhouski thematisierten die Hintergründe, die Planung und die Umsetzung dieses Kriegsverbrechens der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und diskutiert die Aufarbeitung sowie die Erinnerungskultur in diesem Kontext in Belarus und Deutschland.

Detaillierte Berichte zu allen Veranstaltungen finden sich auf dem NGHM-Wissenschaftsblog.

Am 12. März war das Team der Professur Neueste Geschichte und Historische Migrationsoforschung der Universität Osnabrück gemeinsam mit seinen Projektpartner:innen aus Göttingen, Riga und Minsk mit der Abschlussveranstaltung des vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanzierten trinationalen, digitalen Projekts “In Stein gemeißelt? – Digital erfahrbare Erinnerungsdiskurse im Stadtraum von Niedersachsen und Osteuropa” zu Gast in der Universitätsbibliothek auf dem Campus Westerberg. Ein Jahr lang haben mehr als 40 Studierende und geschichtswissenschaftlich Forschende Gedenkorte an den insgesamt fünf Projektstandorten dreidimensionalen Modelle von Denkmälern digitalisiert, deren Umgebung über 360°-Panoramafotografien eingefangen, die Hintergründe dieser Orte und ihrer Bedeutung recherchiert und ihre Ergebnisse mit Unterstützung des Kulturerbes Niedersachsen auf einer gemeinsamen Website zusammengetragen, die materielle Erinnerungskultur an vier Standorten in drei Ländern kontextualisiert und in Beziehung setzt. Beteiligt an “In Stein gemeißelt” waren neben der NGHM das Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen, die Geschichtswerkstatt Minsk, die Fakultät für Geschichte und Philosophie der Universität Lettlands in Riga und das Museum Friedland.

Am 12. März brach die Arbeitsgruppe des Projektes “Die Emslandlager als Konfliktlandschaften in Transformation: Forschendes Lernen am Schnittpunkt von universitärer Lehrer:innenbildung, Gedenkstättenpädagogik und partizipativer digital public history” – Imke Selle, Lea Horstmann und Lina-Sofie Winkler – ein erstes Mal für eine Digitalisierungskampagne ins Emsland auf. 

Mitarbeiter:innen der Arbeitsgruppe nach der Digitalisierung des ehemaligen Lagerstandortes Walchum (v.l.n.r.: Imke Selle, Lea Horstmann, Lina-Sofie Winkler)

In dem von Pro*Niedersachsen geförderten Projekt erforscht die Professur für die Didaktik der Geschichte in Kooperation mit der Gedenkstätte Esterwegen sowie in enger Zusammenarbeit mit der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung die Transformation der Standorte der ehemaligen ‘Emslandlager’. Ziel des Projektes ist es, die Überformung der Standorte der Emslandlager von ihrer Nutzung als Lager bis heute digital zu dokumentieren und analysieren. Dies geschieht im Rahmen des Forschenden Lernens mit dem Ziel, das Ineinandergreifen sich wandelnder diskursiver Konstruktionen und materieller Repräsentationen – mit dem Ergebnis der Produktion von Sicht- oder Unsichtbarkeit – aus gegenwärtigen pluralen Perspektiven zu erschließen. 
In den vergangenen Wochen stand die Digitalisierung der ehemaligen Lagerstandorte im Fokus der Arbeitsgruppe. Abgestimmt auf den landwirtschaftlichen Kalender fand die Kampagne in zwei Abschnitten statt. Unterstützung leistete dabei der Landkreis Emsland: Für das Projekt beflog der Drohnenpilot des Landkreises Emsland mit einer Drohne den ehemaligen Lagerstandort in Fullen und die Kriegsgräberstätte Fullen. Ein ausführlicher Bericht zum Verlauf der Arbeiten und ersten Ergebnissen folgt in Kürze auf dem NGHM-Blog.
Ein herzlicher Dank gilt allen Eigentümer:innen der Grundstücke sowie dem Landkreis Emsland bei der Unterstützung der Digitalisierungskampagne!

Parallel zu Workshop und Feldforschung zog es andere Kolleg:innen wieder ins Archiv. Am 13. März brach Jessica Wehner zu einer Archivrecherche nach Paris auf, um dort letzte Recherchen für ihr Projekt “Normen, Praktiken & Marginalität. Aushandlungen an den Rändern des Displacement-Managements der International Refugee Organization (1946-1952)” im Nationalarchiv durchzuführen. Dort wird der Bestand der International Refugee Organization aufbewahrt, in dem sich für die Fragestellung hochrelevante Dokumente finden.
Ebenfalls in Paris fand am 25. und 26 März ein Workshop, ausgerichtet von Marianne Amar, Célia Keren und Laure Humbert, im Musée de l’Histoire de l’immigration statt, der sich einem ersten Entwurf für ein Publikationsprojekt (Special Issue) mit neuesten Forschungsergebnissen zur Geschichte der Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg widmete.

Gemeinsam mit bekannten Kolleg:innen macht die Arbeit und die Diskussion von Texten am meisten Spaß (vlnr: Jessica Wehner, Kasia Nowak, Samantha Knapton, Johannes Glack und Lena Christoph)
Eines der von Michael Schmidt digitalisierten Dokumente aus der Sammlung Richard

Ebenfalls ad fontes ging es ab dem 1. März für Michael Schmidt im Emsland Moormuseum. Dort bearbeitet er das von Pro*Niedersachsen geförderte Projekt “Erforschung der Sammlung Richard als Quelle zu Torfabbau und Produktentwicklung in Deutschland von 1950 bis 1980”, das in Kooperation zwischen dem Museum und der Professur Neueste Geschichte und historische Migrationsforschung durchgeführt wird. Im ersten Projektabschnitt geht es darum, einen Überblick über das Quellenmaterial zu erarbeiten. Es handelt sich vor allem um Geschäftsaufzeichnungen Richards, Sammlungen zu speziellen Aspekten des Themas Torf, geschäftliche Kontakte, Reiseunterlagen und -berichte sowie eine Sammlung von Vorträgen Richards. Vorbereitet wird damit die Digitalisierung der Dokumente, um diese für Erschließung und Auswertung aufzubereiten. Schon die ersten Einblicke in das Material bestätigen, dass die Sammlung Richard eine bedeutende Quelle zum Thema Torfproduktion und -verarbeitung ist. Aktuell hat Michael Schmidt Unterlagen zur DGMT, der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde, in Bearbeitung. Dieser Teilbestand zeit vor allem, dass es innerhalb dieser Interessenvereinigung zu Richards Zeiten durchaus widerstreitende Ansichten gab. Für Mitte Mai ist eine weitere gemeinsame Arbeitsphase mit Prof. Dr. Christoph Rass im Moormuseum geplant. Auch eine Exkursion ins Moormuseum ist in Planung, um die Sammlung Richard und das Museum den Osnabrücker Studierenden vorzustellen.

Dr. Michael Haverkamp, Dr. Michael Schmidt, Prof. Dr. Christoph Rass, Markus Jähnchen (vlnr; Foto: Moormuseum)

Notizen

Im März erschien im Journal American Historial Review der Aufsatz Migrating Concepts. The Transatlantic Origins of the Bracero Program, 1919-42 von Christoph Rass und Julie M. Weise (University of Oregon). In diesem Beitrag widmen die Autor:innen sich unter anderem Fragen wie: Wie verbreiten sich migrationspolitische Ideen und Konzepte transnational? Wie beobachten unterschiedliche Akteure Diskussionen und Entwicklungen und transportieren ihr Wissen in andere Diskursräume? Wie verändert sich über solche Translationen die Produktion der Bedeutung von Migration?

Blogbeiträge im März

Ausblick & aktuelle Termine

Am 1. April startet an der Universität Osnabrück der SFB 1604 “Produktion von Migration”. Ganz im Zeichen dieses richtungsweisenden Forschungsprogramms weisen wir auf zwei Veranstaltungen des NGHM-Teams im April hin:

Am 5. April richten Prof. Dr. Christoph Rass, Dr. Sebastian Huhn und Dr. Marcel Berlinghoff einem interdisziplinären Workshop über die Konzeptionalisierung der Agency von Zwangsmigrant:innen aus. Genauere Hinweise und ein ausführliches Programm finden Sie auf unserem Blog.

Außerdem findet am 15. und 16 April die Tagung “Negotiating Global Migrations, 1944-1959”, ausgerichtet von der Universität Wien (Kerstin von Lingen) und der Universität Osnabrück/IMIS (Christoph Rass und Frank Wolff) im Rahmen des DACH-Projekts Norms, Regulation and Refugee Agency. Negotiating the Regime, statt. Die Anmeldung zur Tagung sowie ein ausführliches Programm finden Sie auf der Projekt-Homepage.