Das Projekt „Die ‚Emslandlager‘ als Konfliktlandschaft in Transformation. Forschendes Lernen am Schnittpunkt von universitärer Lehrer:innenbildung, Gedenkstättenpädagogik und partizipativer digital public history“ beschäftigt sich mit der digitalen Dokumentation und Analyse der historischen Standorte der Emslandlager und ihrer Transformation von Orten der nationalsozialistischen Lagergeschichte bis heute. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich die räumlich weit verteilten ehemaligen Lagerstandorte, ihre materiellen Überreste und ihre unterschiedlichen Grade von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit digital dokumentieren, repräsentieren und vermitteln lassen.
Die Abschlusstagung nimmt diese Fragen zum Ausgangspunkt und stellt die im Projekt entstandenen digitalen Angebote sowie weitere Forschungsergebnisse vor. Dabei werden sowohl die historischen Orte selbst als auch Prozesse ihrer Deutung und Vermittlung in den Blick genommen. Die Tagung verbindet Perspektiven aus Geschichtswissenschaft, Geschichtsdidaktik und Gedenkstättenarbeit und fragt danach, welche Möglichkeiten digitale Formate für die Auseinandersetzung mit historischen Orten eröffnen und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Den Auftakt bildet ein Panel zur Frage, wie die “Emslandlager” als Konfliktlandschaft gelesen werden können. Anschließend wird die im Rahmen des Projekts entstehende Dissertation „Praktiken der digitalen Produktion von Geschichtskultur am Beispiel der ‚Emslandlager‘“ vorgestellt. Das zweite Panel widmet sich unter dem Titel „Digitalität & Partizipation“ den Möglichkeiten digitaler Formate für partizipative Zugänge zu historischen Orten sowie deren Bedeutung für Forschung, Vermittlung und Gedenkstättenarbeit.
Einblicke in die Projektarbeit bei einer Exkursion zur Gedenkstätte Esterwegen im Rahmen des Projektseminars (Fotos: Lina-Sofie Winkler)
Im Rahmen einer öffentlichen Abendveranstaltung werden zudem die im Projekt entwickelten digitalen Angebote vorgestellt. Ein Gespräch mit Studierenden des Projektseminars sowie ein anschließender Posterwalk geben Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche des Projekts und die dort entstandenen Ergebnisse.
Der zweite Tag führt im Rahmen einer Exkursion zum Erinnerungsort Lager Dalum. Neben der Besichtigung des Erinnerungsortes und des Friedhofs stehen dort auch praktische Fragen der digitalen Dokumentation im Mittelpunkt. Ein anschließender Workshop widmet sich der Weiterverarbeitung von Digitalisaten zu digitalen 360°-Rundgängen.
Die Kriegsgräberstätte Dalum und der Erinnerungsort Lager Dalum (Fotos: Marlene Schurig / Lina-Sofie Winkler)
Die Tagung möchte damit nicht nur die Ergebnisse des Projekts präsentieren, sondern zugleich Raum für einen fachlichen Austausch über Erinnerungskultur, Digitalität, Partizipation und historische Bildungsarbeit schaffen.
Bei Interesse melden Sie sich gerne bis zum 13. September 2026 per Mail unter imke.selle@uni-osnabrueck.de an.
13:00–13:15 Ankunft 13:15–13:30 Begrüßung & Projektvorstellung | Prof. Dr. Lale Yildirim (CAU Kiel) und Prof. Dr. Christoph Rass (Universität Osnabrück)
13:30–14:30 Panel 1: Die Emslandlager als Konfliktlandschaft lesen | Moderation: Lea Horstmann (Universität Osnabrück/Gedenkstätte Esterwegen); Podium: Prof. Dr. Christoph Rass (Universität Osnabrück), Dr. Sebastian Weitkamp (Gedenkstätte Esterwegen), Dr. David Reinicke (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), Prof. i.R. Dr. Dietmar von Reeken (Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg)
14:30–15:00 Pause
15:00–15:45 Vorstellung der im Projekt entstandenen Dissertation »Praktiken der digitalen Produktion von Geschichtskultur am Beispiel der ‚Emslandlager‘« | Imke Selle, M.Ed. (Universität Osnabrück)
15:45–16:15 Pause
16:15–17:15 Panel 2: Digitalität & Partizipation | Moderation: Imke Selle, M.Ed. (Universität Osnabrück); Podium: Prof. Dr. Lale Yildirim (CAU Kiel), Jacqueline Meurisch, M.A. (Gedenkstätte Esterwegen), Dr. Andreas Hübner (CAU Kiel), Dr. Henning Wellmann (Arolsen Archives)
17:15–18:00 Pause
18:00–20:00 Öffentliche Abendveranstaltung | Einführende Worte / Begrüßung / Dank (Raum 15/128); Gespräch mit Studierende(n) aus dem Projektseminar; Empfang und Posterwalk im Foyer des Erweiterungsgebäudes
Tag 2 | 25. September 2026
Exkursion zum Erinnerungsort Lager Dalum | Am Wasserwerk 8, 49744 Geeste
08:30 Treffpunkt am Bus
08:45–10:15 Fahrt nach Dalum
10:15–11:45 Exkursion zum Lager Dalum | Besichtigung des Erinnerungsortes & des Friedhofs, Digitalisierung auf dem Friedhof; Imke Selle, M.Ed. (Universität Osnabrück), Dr. Martin Koers (Gedenkstätte Esterwegen)
11:45–13:15 Rückfahrt nach Osnabrück
13:15–13:45 Mittagspause
13:45–15:15 Workshop: Von den Digitalisaten zur 360°-Tour
„[G]ender is a constitutive element of social relationships based on perceived differences between the sexes, and gender is a primary way of signifying relationships of power.“ Der Satz stammt aus dem Aufsatz Gender: A Useful Category of Historical Analysis von Joan Wallach Scott, erschienen im Jahr 1986, der als zweites Kapitel in Gender and the Politics of History steht. Damit kommen wir zum dreizehnten Titel der NGHM-Leseliste. Mit diesem Buch verschob sich in den 1980er Jahren die Frage, was Geschichtsschreibung eigentlich tut. Gender steht in diesem Beitrag unübersetzt, weil ›Geschlecht‹ die körperliche Differenz und ihre gesellschaftliche Deutung in einem Wort mitführt und die Unterscheidung, an der Scotts Frage ansetzt, verschwinden lässt. Gender ist bei Scott keine weitere Kategorie neben Klasse und ›Rasse‹, denn die Kategorie schreibt um, wie historische Analyse Macht sichtbar macht und koproduziert. Der poststrukturalistisch verortete Band, der die Verfahren der Sozialgeschichte gegen ihre eigenen Voraussetzungen wendet, spaltete die Disziplin sofort.
Joan Wallach Scott, 1941 in Brooklyn, NY, geboren, wuchs als Tochter einer Geschichtslehrerin und eines Geschichtslehrers auf, in einem Haushalt, in dem, wie sie später erzählte, bei Tisch über Geschichte und Politik gesprochen wurde. Ihr Vater, Sam Wallach, von 1945 bis 1948 Präsident der New Yorker Teachers Union, wurde Anfang der 1950er Jahre vom New Yorker Board of Education entlassen, weil er die Zusammenarbeit mit den Gremien verweigerte, die nach ›Kommunisten‹ im Schuldienst fahndeten. Nach dem Studium an der Brandeis University (B.A. 1962) promovierte sie 1969 an der University of Wisconsin–Madison, und ihre frühen Arbeiten bewegten sich im Feld der französischen Sozial- und Arbeitergeschichte, deren Leitkategorie ›Arbeiter‹ sie in diesem Band selbst zum Gegenstand machen sollte. Nach Stationen an der University of Illinois at Chicago (1970 bis 1972), der Northwestern University (1972 bis 1974) und der University of North Carolina at Chapel Hill (1974 bis 1980) ging sie an die Brown University, wo sie das Pembroke Center for Teaching and Research on Women als Gründungsdirektorin aufbaute. 1985 wechselte sie an das Institute for Advanced Study in Princeton, an dessen School of Social Science sie bis 2014 forschte. Ihre wissenschaftlichen Papiere aus den Jahren 1954 bis 2019 liegen heute in der John Hay Library der Brown University; die Sammlung gehört dort zum Feminist Theory Archive des Pembroke Center.
Joan Wallach Scott (geb. 1941), US-amerikanische Historikerin und Autorin von Gender and the Politics of History (Foto: B. Sutherton, 21. März 2007, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0).
Die Erstausgabe von Gender and the Politics of History gliedert sich in vier Teile und umfasst neun Aufsätze. Teil I, Toward a Feminist History, prüft die bisherige Frauengeschichtsschreibung (women’s history) und entwickelt jene Definition von Gender, die den Kern des Buches ausmacht. Teil II, Gender and Class, wendet den Rahmen auf Sprache und Klassenanalyse an und setzt sich in einem eigenen Kapitel mit E. P. Thompsons The Making of the English Working Class auseinander. Teil III, Gender in History, erprobt die Argumentation am Pariser Konfektionsgewerbe von 1848, an der Gewerbestatistik von 1847/48 und am Diskurs der politischen Ökonomie zwischen 1840 und 1860. Teil IV, Equality and Difference, verbindet den Sears-Prozess mit einer Bilanz der amerikanischen Frauengeschichtsschreibung von 1884 bis 1984. Kategorien wie ›Arbeiter‹, ›Klasse‹ oder ›Gleichheit‹ sind, so die Pointe des Buches, bereits vergeschlechtlicht, bevor Historiker:innen sie überhaupt in die Hand nehmen.
Positive und negative Reaktionen erfolgten unmittelbar. Als Scott den Aufsatz Gender: A Useful Category of Historical Analysis im Herbst 1985 in einem Seminar am Institute for Advanced Study vorstellte, waren die eigens erschienenen Princetoner Historiker, wie sie 2008 rückblickend schrieb, „to a man, appalled“. Der Aufsatz wurde gleichwohl rasch zum Bezugspunkt. William H. Sewell Jr. nannte ihn in seiner Rezension des Bandes einen „instant classic“, und laut Zahlen, die die American Historical Association Ende 2007 zusammenstellen ließ, war er damals schon seit fünf Jahren der meistabgerufene Aufsatz der AHR auf JSTOR. Der Widerspruch aber hielt an. Joan Hoff hielt 1994 der poststrukturalistischen Geschlechtergeschichte, und Scott im Besonderen, Nihilismus, Präsentismus, Ahistorizität, Verschleierung, Elitismus, Unterwerfung unter das Patriarchat, Ethnozentrismus, Irrelevanz und möglicherweise Rassismus vor, so referiert Joanne Meyerowitz später die Kritik. Angegriffen war damit der Ansatz selbst, Kategorien zum Gegenstand der Analyse zu machen; Hoff sah gar ›Frau‹ als Analysekategorie ausgelöscht.
Die zweite Kontroverse entfaltete sich vor Gericht. Im Diskriminierungsverfahren der Equal Employment Opportunity Commission gegen Sears, Roebuck and Company traten 1985 Rosalind Rosenberg für das Unternehmen und Alice Kessler-Harris für die Kommission als Sachverständige auf. Die Debatte darüber, die Thomas Haskell und Sanford Levinson 1988 in der Texas Law Review aufnahmen und auf die Kessler-Harris dort antwortete, machte sichtbar, was Scotts Grundfrage sowohl theoretisch als auch praktisch bedeutet: Wenn Historiker:innen vor Gericht aussagen sollen, ob ein Diskriminierungsmuster ›historisch‹ ist, entscheidet schon die Kategorienwahl das Ergebnis mit.
Die Revised Edition von 1999 im Bestand der UB Osnabrück.
Kritisch angemerkt wurde von Anfang an die Abstraktheit der frühen Kapitel, die Leser:innen bis heute mehr abverlangen als die späteren, fallbezogenen Essays, in denen die Argumentation an konkretem Material arbeitet. Der Joan Kelly Memorial Prize der American Historical Association ging gleichwohl bereits 1989 an das Buch, gemeinsam mit Mary Blewetts Men, Women, and Work; die Disziplin zeichnete es also aus, während sie noch heftig über das Buch stritt. 2018 legte Columbia University Press eine Jubiläumsausgabe vor, mit einem eigens für diese Ausgabe geschriebenen Vorwort und dem erstmals in einem Buch abgedruckten Essay The Conundrum of Equality, den Scott 1998 am Institute for Advanced Study vorgetragen und 1999 als Occasional Paper der School of Social Science publiziert hatte.
Scotts Argument berührt Fragen, die in der Reihe wiederkehren werden. E. P. Thompsons The Making of the English Working Class steht ebenfalls auf der Leseliste, und Scotts viertes Kapitel wird dort als Gegenlektüre produktiv sein.
Wer den Text heute liest, findet weniger eine Ergänzung der Sozialgeschichte als vielmehr eine Reflexion ihrer Voraussetzungen. Die Kategorien, mit denen Historiker:innen arbeiten, gehören selbst zu dem, was historische Analyse zu erklären hat. Dieser Befund schließt unmittelbar an unsere Arbeit im Sonderforschungsbereich 1604 an.
Osnabrücker Studierende finden im B-Freihand-Magazin der UB unter der Signatur 6187-725 6 die Revised Edition von 1999 (New York: Columbia University Press 1999, XVI, 267 S.), die gegenüber der Erstausgabe ein Vorwort zur Revised Edition sowie das zusätzliche Kapitel Some More Reflections on Gender and Politics enthält, das in der Jubiläumsausgabe von 2018 nicht mehr enthalten ist (OPAC).
Joan Wallach Scott (geb. 1941), Gender and the Politics of History, New York: Columbia University Press 1988; Revised Edition 1999; Jubiläumsausgabe 2018.
Nachweise: Joan W. Scott, Gender: A Useful Category of Historical Analysis, in: The American Historical Review 91 (1986), H. 5, S. 1053–1075, hier S. 1067. Dies., Unanswered Questions, in: The American Historical Review 113 (2008), H. 5, S. 1422–1429, hier S. 1422. Joanne Meyerowitz, A History of „Gender“, in: ebd., S. 1346–1356, hier S. 1346 f. Joan Hoff, Gender as a Postmodern Category of Paralysis, in: Women’s History Review 3 (1994), H. 2, S. 149–168, hier S. 149. William H. Sewell Jr., Rezension zu Joan Wallach Scott, Gender and the Politics of History, in: History and Theory 29 (1990), H. 1, S. 71–82, hier S. 71. Thomas Haskell / Sanford Levinson, Academic Freedom and Expert Witnessing: Historians and the Sears Case, in: Texas Law Review 66 (1988), S. 1629–1659. Alice Kessler-Harris, Academic Freedom and Expert Witnessing: A Response to Haskell and Levinson, in: Texas Law Review 67 (1988), S. 429–440.
Dieser Beitrag gehört zur Reihe NGHM liest, in der die 65 Titel der NGHM-Leseliste vorgestellt werden. Die Liste kann als Wissensgraph erkundet werden.
Die dritte Woche meiner Archivreise führte mich von Salem über Woodburn nach Portland: zwei Archive und zwei Gespräche. Auf die Frage dieser Reise, wer Arbeitsmigration wie, wann, warum und mit welchen Folgen benennt und so die ›Figuren der Migration‹ produziert, hat die Woche drei Antworten gebracht. In Salem werden die Menschen als Rechtsfigur und als Kostengröße benannt: ›alien workers‹. In Woodburn erklärt sich, warum es überhaupt Quellenbestände gibt, in denen die so Bezeichneten selbst sprechen. Und in Portland liegt ein staatlicher Bericht von 1957, der festhält, mit welchen Wörtern die unterschiedlichen Gruppen von Landarbeiter:innen der Latino/Latina-Community einander in den 1950er Jahren belegten.
Die Arbeit im Staatsarchiv von Oregon beginnt (cr).
Die zweite Depesche endete in Corvallis, in den Akten des Extension Service, jenes landwirtschaftlichen Beratungsdienstes der Oregon State University, der in Oregon das Bracero-Programm administrativ organisiert hat, die von 1942 bis 1964 laufende Anwerbung mexikanischer Landarbeiter über ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Von der ausführenden Behörde geht es nun auf die politische Ebene, auf der über solche Programme entschieden wurde, von der Frage also, wie eine Kategorie im Vollzug aussieht, zu der Frage, wer darüber entscheidet, welche Kategorien prozessrelevant werden sollen. Für den Sonderforschungsbereich 1604 ›Produktion von Migration‹, einen Osnabrücker Forschungsverbund zur Entstehung und Wirkung von Migrationskategorien, verfolge ich dabei die Figuren, unter denen Arbeitsmigration verwaltet, bestritten und erinnert wird, also Zuschreibungen wie ›bracero‹, ›guest worker‹ oder ›alien worker‹.
Salem: ›Alien Workers‹
Der Montagvormittag gehörte dem Staatsarchiv von Oregon in Salem, einer Abteilung im Amt des Secretary of State, das trotz des Titels natürlich kein Außenressort ist: Der Amtsinhaber wird in Oregon direkt gewählt und verantwortet neben Wahlen und Rechnungsprüfung auch das Archivwesen. Bestellt hatte ich zahlreiche Archivkartons aus den Akten der Gouverneure Atiyeh und Goldschmidt; den zweiten Bestand konnten mir die Archivarinnen vor Ort gleich vollständig digital zum Download zur Verfügung stellen!
Einen ersten spannenden Befund bietet das Frühjahr 1979. Das Büro des Gouverneurs verhandelt damals eine Gesetzesinitiative, die den Gouverneuren die Feststellung übertragen soll, ob einheimische Arbeitskräfte verfügbar sind, jene Feststellung also, von der die Zulassung ausländischer Arbeitskräfte in die Landwirtschaft abhängig gemacht werden soll. Die Akte bezeichnet die Menschen, um die es geht (vor allem Zuwandernde aus Mexiko), durchgehend als ›temporary alien workers‹. Bob Oliver, der Rechtsberater des Gouverneurs, stellt am 30. April 1979 in einem Memo mit dem Betreff ›Alien Workers‹ zwei Dinge gegeneinander, den Ärger mit den Gewerkschaften und den Zugewinn an Zuständigkeit für den Bundesstaat:
»On the one hand, you as Governor would be accepting a hot potato — a responsibility which might cause you to take actions displeasing to organized labor. On the other hand, my philosophy is that we should seize every opportunity to exercise authority at the state or local level.«
Atiyeh schreibt drei Tage später an Mark O. Hatfield, den Senator Oregons im Kongress, er selbst billige das Konzept, und ergänzt eine Verfahrensbitte: Es fehle eine Regelung, nach welcher Methode ein Gouverneur die Verfügbarkeit einheimischer Kräfte festzustellen habe, wünschenswert wären »uniform methods among the states«. Das Thema des Vorgangs ist nicht, wer kommt und unter welchen Bedingungen, sondern wer den Bedarf für die Rekrutierung feststellt und nach welchem Verfahren.
Der zweite Befund liegt drei Jahre später. 1982 verhandelt der Kongress über den Entwurf von Senator Alan Simpson und dem Abgeordneten Romano Mazzoli, der neben Arbeitgebersanktionen bei Beschäftigung illegalisierter Arbeitskräfte und einer Legalisierung von deren Aufenthalt auch neue Regeln für befristete ausländische Landarbeit vorsah; die Initiative scheitert in diesem Anlauf, die Reform der Migrationsgesetzgebung der USA sollte erst 1986 als Immigration Reform and Control Act zum Gesetz werden. Am 4. November 1982 schreibt derselbe Bob Oliver in diesem Zusammenhang ein Memo an Gerry Thompson im Büro des Gouverneurs:
»Estimates of the number of illegal aliens in the United States vary from 3 to 12 million, and in Oregon from 6,000 to 50,000. Up to now, this issue has directly impacted the Governor’s office primarily on occasions when the Immigration and Naturalization Service attempts to round them up, and we are contacted by ranchers and farmers, and other employers, who express concern about ›harrassment‹ of their workers who are legal residents. …«
Die Hauptsorge benennt das Memo selbst: »I believe our main concern ought to be fiscal impact on state government«. Unter der Annahme von 20.000 im Bundesstaat lebenden ›illegal aliens‹ rechnet die Sozialverwaltung im Fall einer Legalisierung für den Zweijahreshaushalt 1983 bis 1985 mit 3,2 Millionen Dollar an Sozialhilfe- und Bildungskosten im General Fund, dem allgemeinen Landeshaushalt. Ihre für die Sozialhilfe zuständige Abteilung, die Adult and Family Services Division, empfiehlt im beiliegenden Briefing Paper die Ablehnung, »because of the substantial financial burden that it will present to the state and local governments«. In der Zuarbeit an den Gouverneur läuft die Linie 1982 damit auf ein Nein zu Simpson-Mazzoli hinaus, begründet allein mit den Kosten für die Inklusion legalisierter Eingewanderter in die Sozialsysteme.
Ein drittes Schlaglicht zeigt, wie die Verwaltung ihre Grenzen definierte. 1979 rät die Employment Division, die Arbeitsverwaltung des Bundesstaates, davon ab, dass dieser das CETA-303-Programm in eigener Regie übernimmt, mit dem der Bund die Arbeitsförderung für Wander- und Saisonarbeitskräfte finanzierte. Der Vermerk begründet das damit, dass viele der Betroffenen spanischsprachig seien und solche Programme traditionell Organisationen getragen hätten, deren Mitarbeiter:innen einen ähnlichen sprachlichen und kulturellen Hintergrund hätten wie die Menschen, um die es gehe: »The Employment Division has no such identification«. Die Behörde hält damit selbst aktenkundig fest, dass sie die spanischsprachige Bevölkerung nicht erreicht, während in Woodburn seit 1977 eine Organisation dieses Typs arbeitet, das Willamette Valley Immigration Project.
Woodburn: die Risberg Hall
Am Nachmittag desselben Montags habe ich in Woodburn mit Larry Kleinman und Ramón Ramírez gesprochen, zwei der Gründer von PCUN, Pineros y Campesinos Unidos del Noroeste, der Gewerkschaft der Landarbeiter:innen in Oregon. Wir saßen in der Risberg Hall, einem Saal der Gewerkschaft, und schon der Ort erzählt Organisationsgeschichte: Er trägt den Namen von Kleinmans Großeltern Edward und Sonia Risberg. Beide waren Mitglieder des International Workers Order, einer linken Selbsthilfe- und Versicherungsorganisation von Einwanderer:innen.
PCUN ging aus ebenjenem Willamette Valley Immigration Project von 1977 hervor und wurde 1985 als Gewerkschaft gegründet. Die Entscheidung, mit der Rechtshilfe zu beginnen und erst danach gewerkschaftlich zu organisieren, fiel am Colegio César Chávez in Mount Angel, dem ersten akkreditierten, von Chicanos getragenen vierjährigen College in den Vereinigten Staaten, das die zweite Depesche kurz thematisiert hat.
Der Besuch im PCUN-Hauptquartier in Woodburn, OR, ein Höhepunkt der Archivreise (cr).
Larry Kleinman hat den Rahmen der Gewerkschaftsarbeit der PCUN im Gespräch so beschrieben: Landarbeiter:innen seien (nach wie vor) vom nationalen Tarifrecht ausgenommen, und Oregon kenne kein Verfahren, das Agrarbetriebe zur kollektiven Tarifverhandlung verpflichte. Eine Organisation, die unter diesen Bedingungen arbeite, erzeuge Druck über Boykotte, Öffentlichkeit, Prozesse und Gesetzgebung; für ihre Stellung gebe es inzwischen einen eigenen Ausdruck, ›labor adjacent‹, eine Organisation also, die wie eine Gewerkschaft arbeitet, ohne deren Verfahrensrechte zu haben. In der Phase, die für meine Fragestellung vorrangig relevant ist, von den 1980er bis zu den frühen 2000er Jahren, trugen erst das Immigration Project und dann PCUN den regionalen Widerstand gegen die Anläufe, ein Anwerbeprogramm für die Landwirtschaft neu einzurichten. Seit 2011 liegen die Akten der Bewegung an der University of Oregon in Eugene, wo ich meine erste Archivwoche verbracht habe. Dass es diesen Bestand gibt, führen Ramírez und Kleinman auf ihren Mitstreiter Cipriano Ferrel zurück, der früh darauf bestanden habe, dass die Gruppe Geschichte mache und sich entsprechend verhalten müsse; das erfordere die Bildung eines eigenen Archivs. Das ist der Befund der Woche für die zweite Frage dieser Reise: Neben den Wörtern verfolge ich, wie Bestände zu Migration und marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen überhaupt entstehen, in Archive gelangen und zugänglich werden.
Auch auf die Frage der ersten beiden Depeschen, mit welchen Wörtern diese Arbeitsmigration bezeichnet wurde und wer die Wörter setzte, haben meine beiden Gesprächspartner eine spannende Antwort: Dass die Bewegung in den 1980er Jahren ›bracero‹ auf die Schilder schrieb und nicht ›guest worker‹, erklärte Kleinman aus der gelebten Erfahrung: ›Bracero‹, das Wort für die so angeworbenen Vertragsarbeiter, sei greifbar gewesen und habe in der Community einen Widerhall gehabt. Ramírez ergänzte, die Erinnerung an das Programm sei in den Familien geblieben, denn die Betroffenen seien die Väter und Großväter derer gewesen, die in Oregon geboren wurden und den Kampf gegen Diskriminierung in den 80er und 90er Jahren weiter trugen. Die Parole einer Kundgebung von 1997, ein ›guest worker program‹ sei legalisierte Sklaverei, erscheint von hier aus weniger als Zuspitzung denn als der entlarvende Verweis darauf, dass ein reines Relabeling rassistische Praktiken und Zuschreibungen nicht beseitigt, sondern nur tarnt.
Portland: die Oregon Historical Society
Das letzte Archiv im Arbeitsplan gehört der Oregon Historical Society (cr).
Von Dienstag bis Freitag habe ich in der Research Library der Oregon Historical Society (OHS) gearbeitet, der Bibliothek eines privaten, gemeinnützigen Geschichtsvereins von 1898, der zugleich die größte Sammlung zur Geschichte des Bundesstaates verwahrt (Engeman 2026). Für die Archivstudie interessiert mich an diesem Haus vor allem, wie es mit seiner eigenen Sammlungsgeschichte umgeht. Auf der Bestandsseite der Bibliothek steht dazu das Wesentliche: Die frühen Erwerbungen hätten »the pioneer, settler-colonial experience« in den Mittelpunkt gestellt, und »the biases and omissions of our early collecting continue to remain evident across the library’s collections«.
Dagegen setzt die Bibliothek zweierlei: eine Erwerbungspolitik, die künftig eine größere Vielfalt von Erfahrungen und Perspektiven abbilden soll, und die Überarbeitung der Verzeichnung, also der Beschreibungen, über die ein Bestand auffindbar wird. Für diese Überarbeitung gilt der Ausdruck ›reparative cataloging‹, und sie verlangt, mit den Communities zu klären, wie sie sich selbst bezeichnen, und den Zugang zur Überlieferung gegen mögliche Verletzungen abzuwägen.
Eindrucksvolles Zeugnis des Kurswechsels der OHS ist die aktuelle Ausstellung über die Familie Yasui (cr).
Wie weit die Historical Society die eigene Position reflektiert, zeigt exemplarisch eine zweite Entscheidung. Zwei Wochen nach dem rassistischen Doppelmord in einer Portlander Stadtbahn im Mai 2017 beschloss der Beirat der Oregon Historical Quarterly, mit den Mitteln der Zeitschrift auf das zu antworten, was die Zeitschrift selbst als Zunahme öffentlich auftretender Ansprüche auf Weiße Vorherrschaft beschrieb. 2019 erschien das Themenheft White Supremacy & Resistance, herausgegeben von Darrell Millner und Carmen Thompson. Dem Beirat, der den Band begleitete, gehörte neben anderen Natalia Fernández an, die Kuratorin der Oregon Multicultural Archives, mit der ich in der Vorwoche in Corvallis gesprochen habe. »The OHQ special issue is not neutral on the subject of White supremacy«, heißt es dazu in einem Blogbeitrag des Hauses ausdrücklich, und seit Februar 2021 stehen die zwölf Aufsätze des Bandes frei im Netz.
Am Freitag habe ich mit Brian Stauffer, dem Library Director, über Sammlungspolitik, Öffnung und diese besondere Trägerschaft gesprochen. Die Auswertung dieses Gesprächs gehört in meine Archivstudie und wird in mein Buch über Archive in Migrationsgesellschaften einfließen.
Die Akten des Stella Maris House
Der stärkste Portland-Befund liegt in der Sammlung des Stella Maris House, einer katholischen Laienorganisation für soziale Arbeit in Portland (Mss 1585), die am Donnerstag auf den Tisch kam, nachdem ich einen zweiten Tag in Salem gestrichen hatte. Ihre Mappen vermittelten mir Einblicke in die Situation der 1950er und 1960er Jahre.
Die Akten des Oregon AFL-CIO liegen ebenfalls bei der OHS, blieben aber für meine Studie weitgehend befundlos (cr).
Die älteste Schicht ist ein Bericht des Oregon Bureau of Labor, der Arbeitsbehörde des Bundesstaates, aus dem Jahr 1957: ›Vamonos pal Norte (Let’s Go North). A Social Profile of the Spanish Speaking Migratory Farm Laborer‹. Er dankt namentlich Landarbeiter:innen, die Auskunft gegeben haben, darunter »Susana R. Luckenbough, Portland University student, who has been a migrant farm worker for the past 20 years«. Für 1957 zählt er eine spanischsprachige Wanderarbeiterschaft von 11.000 bis 12.000 Personen in Oregon, dazu für das zurückliegende Jahr 800 über ein internationales Abkommen angeworbene ›Mexican Nationals‹. Er unterscheidet durchgehend zwischen ›imported laborer‹, den über das Abkommen Angeworbenen, und ›domestic laborer‹, den im Land ansässigen spanischsprachigen Landarbeiter:innen, und er hält fest, mit welchen Wörtern die beiden Gruppen einander belegten:
»The imported laborer and the Spanish-speaking laborer working in the same area frequently create a general feeling of antagonism and jealousy. This is essentially based in the following contributing factors: (1) imported laborer appears to have better living and working conditions (2) imported laborers develop or inspire more community interest and acceptance (3) domestic laborer calls imported labor ›surumatos‹ which is a derogatory term to describe the people from interior Mexico. And, imported laborer calls domestic labor ›pochos‹ which is also derogatory term for natives or residents of Spanish-speaking background …«
Die zweite Depesche hat gezeigt, wie eine Behörde die Menschen nach Herkunft und Rechtsstatus sortiert. Hier stehen die Wörter, mit denen die Bezeichneten einander bezeichnen: ›surumatos‹ für die aus dem Inneren Mexikos Angeworbenen, ›pochos‹ für die schon in den USA Ansässigen, Sortierungen nach Herkunftsregion und Zugehörigkeit, die neben den staatlichen Kategorien herlaufen und eigene Kriterien haben. Und die Rangfolge, die der Bericht festhält, verläuft umgekehrt zu der, die später gegen Anwerbeprogramme ins Feld geführt wird, wonach gerade die Vertragsarbeiter die Rechtlosesten auf dem Feld sind: Den Vertragsarbeitern werden hier die besseren Unterkünfte und die größere Aufmerksamkeit der Gemeinden zugeschrieben, während die Einheimischen das Nachsehen haben.
Fünf Jahre jünger ist ein Rundbrief des National Advisory Committee on Farm Labor vom Februar 1962. Das Komitee, eine nationale Reformkoalition mit Sitz in New York, erklärt darin, warum es im Nordwesten kaum noch Vertragsarbeiter unter Public Law 78 gibt, dem Gesetz, das seit 1951 die Grundlage des Bracero-Programms bildete:
»Ten years ago the employment of Mexican workers under Public Law 78 in the Pacific Northwest was widespread. Wages were very low and living conditions in many places were intolerable. This changed as state and federal employment officers began making concerted efforts to ensure that farm employers were actually trying to attract domestic workers. … As wages rose, the ›shortage‹ of domestic labor disappeared and bracero labor in the Northwest became rare.«
Das ist, rund drei Jahrzehnte früher, das ökonomische Argument der Kampagnen, mit denen die Bewegung in den 1990er Jahren gegen neue Anwerbepläne stritt: Der behauptete Mangel an einheimischen Arbeitskräften verschwindet, sobald der Lohn steigt. Auf der einen Seite steht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, auf der anderen die Beschaffung ausbeutbarer Arbeitskräfte.
Warum Oregon in diesem System eine Sonderstellung hatte, erklärt ein Mitarbeiterblatt des Oregon Employment Service, der staatlichen Arbeitsvermittlung, von 1964. Roscoe West, in der Behörde für die Vermittlung von Landarbeit zuständig, referiert darin eine nationale Farm-Labor-Konferenz vom Februar 1964, auf der das Auslaufen von Public Law 78 angekündigt wurde; 1963 waren noch »almost 187,000 Mexican nationals, or braceros« ins Land gekommen. West wendet sich an die Erzeuger des eigenen Bundesstaates: Oregon habe zuletzt nur etwa 350 Vertragsarbeiter im Jahr beschäftigt, sei aber Jahr für Jahr auf fast 20.000 einheimische Wanderarbeiter:innen angewiesen. Sie kämen aus genau den Staaten, die am stärksten Braceros beschäftigt hätten, und diese Staaten würden künftig stärker um ihre eigenen Arbeitskräfte werben, also mit Oregon konkurrieren. »Oregon may be at the end of the chain, but the chain reaction will still affect the last link.«
Eine weitere Schicht von Befunden verbindet Portland mit Salem. In einer Sammlung von Pressemeldungen liegen drei Artikel des Oregonian, der Portlander Tageszeitung, vom 2. Mai 1967 nebeneinander: zum Mindestlohnentwurf, zur Inspektionspflicht für Wanderarbeiterlager und zu Arbeitsminister Willard Wirtz, der die Ausnahme der Landarbeiter:innen vom Tarifrecht »an affront to the American principle of equal justice under the law« nennt. Den Mindestlohnentwurf bringt in der ersten Meldung ein Staatssenator namens Victor Atiyeh durch den Ausschuss, derselbe Atiyeh, dessen Gouverneursakten zwölf Jahre später in Salem über ›alien workers‹ verhandeln.
Atiyeh, 1923 in Portland geboren, war selbst das Kind von Eingewanderten aus dem Osmanischen Reich, aus dem heutigen Syrien und dem Libanon, und mit ihm bekleidete zum ersten Mal ein ›Arab American‹ ein Gouverneursamt in den Vereinigten Staaten (Moore 2025). In den Salemer Vorgängen, die ich gesehen habe, kommt davon nichts vor; Herkunft ist dort eine Kategorie für die Verwalteten.
Jobs with Justice, 2006
Ein Sprung um vier Jahrzehnte, und in einen anderen Bestand der Oregon Historical Society: die Akten von Portland Jobs with Justice, einem Bündnis von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die dessen Zusammenarbeit mit Einwandererorganisationen für die Jahre 2006 bis 2014 dokumentieren. Hier hat der Ausdruck ›guest worker‹, dem diese Reise gilt, seine Bedeutung verändert. Eine undatierte Zusammenstellung von Themen, Zielen und Prioritäten für den Dialog mit Community Organizations nennt »Overcoming divisions around guest worker programs« und, unter den bundespolitischen Vorhaben, »Creating guest worker programs where undocumented workers are treated fairly«. Eine E-Mail vom Juni 2006 sammelt Einwände für Workshops mit Gewerkschaftsmitgliedern, darunter den Satz, ein solches Programm setze nur die Strategie der Reagan-Jahre fort, den Arbeitsmarkt mit Arbeitskräften zu fluten und die Gewerkschaften zu brechen. Was ein Jahrzehnt zuvor als Anklage auf den Schildern der PCUN stand, wird hier als eine Position unter mehreren geführt, die in moderierten Gesprächen zu bearbeiten ist.
Ein erster Eindruck
Der Ertrag der Woche verweist auf die Strukturierung der Überlieferung. Der Staat verhandelt die Sache als Verfahrens- und Kostenfrage und führt die Menschen als ›alien workers‹, als Rechtsfigur und Haushaltsposten. Die Bewegung bewahrt ihre Unterlagen auf und schafft sich damit ihre eigene Überlieferung und eine Stimme in der Produktion von Geschichte; den Anstoß gab Cipriano Ferrels Beharren darauf, dass die eigenen Quellen wichtig sind. Der Geschichtsverein hält, was zwischen diesen beiden Akteuren liegt, von der katholischen Sozialarbeit bis zur Gewerkschaftskoalition, und arbeitet öffentlich an den Lücken und Biases, die seine eigenen Anfänge im Archiv festgeschrieben haben.
Der Bericht von 1957 fügt dem die Erweiterung hinzu, die für die Frage nach der ›Produktion von Migration‹ die wichtigste dieser Woche ist: Die Kategorienarbeit endet nicht an der Grenze der Community. ›Surumatos‹ und ›pochos‹ sortieren dieselben Felder, die der Staat mit ›Mexican Nationals‹ und ›alien workers‹ ordnet, nur nach eigenen Kriterien, nach Herkunftsregion und Zugehörigkeit statt nach Rechtsstatus. Wer die Figuren der Migration untersucht, hat es deshalb nicht nur mit einer Verwaltung zu tun, die kategorisiert, und einer Bevölkerung, die kategorisiert wird, sondern mit einem Feld, auf dem viele Akteure ›Figuren der Migration‹ produzieren.
Abschied von Oregon
Mein letztes Bild dieser Reise zeigt den Scanner, mit dem ich drei Wochen gearbeitet habe, auf einem leeren Tisch. Alle Akten gelesen? Kaum. Drei Wochen bin ich dem Ausdruck ›guest worker‹ nachgegangen, und am wenigsten stand er dort, wo das Anwerbeprogramm verwaltet wurde: In den Mappentiteln des Extension Service in Corvallis fehlt er, und ›bracero‹ fehlt dort ebenfalls, obwohl derselbe Dienst das Programm ausgeführt hat; im Büro des Gouverneurs in Salem heißen die Menschen ›alien workers‹. Die Bewegung, die in den 1980er Jahren gegen die Pläne für ein neues Anwerbeprogramm kämpfte, identifizierte indes ›guest worker‹ schon früh als eine Übersetzung aus Europa, die einem Relabeling der Zuwanderung aus Mexiko dienen sollte. PCUN selbst gebrauchte die Kategorie nie für die Bezeichnung von Arbeitsmigrant:innen; die Gewerkschaft verweigerte genau jene sprachliche Finte, deren sich die Politik im politisch-medialen Diskurs rund um die Reform der Migrationsgesetze bedienen wollte. ›Guest worker‹ wird 1997 mit voller Wucht zur Vokabel im politischen Kampf, als Anklage auf einer Kundgebung gegen ein neues Reformpaket: ein solches Programm sei legalisierte Sklaverei. Ein knappes Jahrzehnt darauf führt ein Bündnis von Gewerkschaften und Einwandererorganisationen in Portland denselben Ausdruck in seinen Arbeitspapieren, und zwar zweifach: als Ziel, ein solches Programm fair einzurichten, und als Einwand, es setze nur die Lohndrückerei der Reagan-Jahre fort. Ob sich dieser Weg des Ausdrucks in den Beständen so nachzeichnen lässt, wie es die ersten Schlaglichter aus drei Wochen hektischer Archivarbeit nahelegen, entscheidet die Lektüre der Akten in Osnabrück.
Eine Woche im Archiv der OHS geht zu Ende (cr).
Die Vielstimmigkeit, um die die Bibliothek in ihrer Verzeichnung ringt, ist übrigens im Museum des Hauses schon zu besichtigen. Die Dauerausstellung ›Experience Oregon‹, eröffnet im Februar 2019, hat die Oregon Historical Society gemeinsam mit neun indigenen Nationen des Bundesstaates erarbeitet. Deren Vertreter:innen stellten dabei eine Bedingung, die den Rundgang prägt: Am Anfang der Ausstellung zu stehen, weil sie zuerst da gewesen seien, genüge nicht, denn sie seien immer noch da. Seither kehrt die Erzählung immer wieder zu ihren Stimmen zurück. Die Ausstellung zeigt auch, was schmerzt, eine Kapuze des Ku-Klux-Klan etwa, hinter Glas. »Our job is to tell the truth. We’re not the tourism bureau«, hat Direktor Kerry Tymchuk diese Haltung gegenüber der Presse zusammengefasst.
Der Sockel des Theodore-Roosevelt-Denkmals ist seit 2020 leer. Die öffentliche Repräsentation von Geschichte kann verändert werden (cr).
Vor dem Haus, auf den South Park Blocks, ist auch etwas Bemerkenswertes zu sehen. Dort stand seit 1922 ein Reiterstandbild Theodore Roosevelts; im Oktober 2020 haben Demonstrierende es bei einer Protestaktion zum Indigenous Peoples Day niedergerissen, ebenso wie ein Standbild Abraham Lincolns wenige Schritte weiter. Roosevelt ist seither eingelagert; das Lincoln-Standbild wurde 2025 restauriert und wartet auf die Wiederaufstellung. Die Stadt hat entschieden, beide an ihre alten Standorte zurückkehren zu lassen, aber mit neuen Tafeln zur Einordnung. Über deren Inhalt wird 2026 noch öffentlich beraten.
Ich habe die Leerstelle fotografiert, denn sie führt vor, was der Sonderforschungsbereich in seinem Transferprojekt mit DOMiD, dem Kölner Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland, digital erprobt: In einer Anwendung dieses Projekts, dem ›Place Changer‹, gestalten Nutzer:innen reale Orte am Bildschirm um, um auszuprobieren, wie Erinnerungslandschaften anders aussehen könnten und wer über sie bestimmt. In Portland ist dieses ›place changing‹ keine Simulation. Eine Stadtgesellschaft verhandelt am Ort selbst, wen sie im öffentlichen Raum erinnert, und die Leerstelle ist der Stand der Verhandlung.
Literatur
Engeman, Richard: Oregon Historical Society, in: The Oregon Encyclopedia, Stand 6. Februar 2026 (dort die Rechtsform des Hauses).
Knutson, Ana / Hyatt-Evenson, Tania: Colegio César Chávez, in: The Oregon Encyclopedia, Stand 12. Dezember 2024 (dort die Einordnung des College).
Moore, Jim: Victor Atiyeh (1923–2014), in: The Oregon Encyclopedia, Stand 7. März 2025.
Millner, Darrell / Thompson, Carmen (Hg.): White Supremacy & Resistance, Themenheft der Oregon Historical Quarterly, Winter 2019 (seit Februar 2021 frei zugänglich).
The Oregon Historical Society Refuses to Gloss Over the Ugly Parts of the State’s Past, in: Willamette Week, 10. Februar 2021 (dort die Angaben zur Entstehung von ›Experience Oregon‹ und das Zitat von Kerry Tymchuk).
City of Portland: What’s happening with the City’s monuments?, portland.gov, Stand August 2026 (dort der Stand zu den Standbildern Roosevelts und Lincolns).
Rass, Christoph: Willamette Depesche #1 | Die Ankunft einer Figur. ›Guest worker‹ und ›bracero‹ in den PCUN Records, 1981 bis 1997, in: NGHM@UOS, 7. August 2026, DOI 10.58079/16nn9.
Rass, Christoph: Willamette Depesche #2 | Zweite Woche in den Extension Service Records, Corvallis, in: NGHM@UOS, 15. August 2026, DOI 10.58079/16ny4.
Die zweite Woche meiner Reise führte nach Corvallis. Im Special Collections and Archives Research Center der Oregon State University liegen die Akten des Extension Service, jenes landwirtschaftlichen Beratungsdienstes, der das Bracero-Programm in Oregon verantwortet hat. Zwischen 1942 und 1947 kamen über dieses Programm 15.136 Männer aus Mexiko in den Bundesstaat, während die Anwerbung bundesweit bis Ende 1964 lief. Der amerikanische ›guest worker‹ ist eine Übersetzung des deutschen ›Gastarbeiter‹, und geläufig wurde der Ausdruck in den Vereinigten Staaten erst um 1980, als er gebraucht wurde, um zugewanderte Menschen aus Mexiko neu zu kategorisieren, nämlich als Arbeitskräfte auf Zeit, die keine Einwanderer sein sollten. Diese neue Figur der Migration wurde dabei in zwei Richtungen in Stellung gebracht: für die Programme, über die in den 1980er Jahren gestritten wurde, und zugleich rückwirkend als Projektion auf das Bracero-Programm, das nun ›guest worker program‹ heißen sollte. Für den Sonderforschungsbereich 1604 in Osnabrück arbeite ich an diesem Verhältnis zwischen der Sache und ihren Benennungen, die die soziale Wirklichkeit der Migration stets koproduzieren, und in Corvallis liegen die Akten aus der Zeit, in der um ebendiese Wirklichkeit schon gerungen wurde, nur unter anderen Namen.
Der Bestand
Wichtigster Bestand, die Akten des Extension Service (cr)
Meinen Besuch an der OSU hat Natalia Fernández vorbereitet, die am Special Collections and Archives Research Center die Oregon Multicultural Archives kuratiert. Am 24. Juni schrieb sie mir den Satz, mit dem die Arbeitshypothese für die Woche gesetzt war: In Oregon habe der Extension Service das Programm verwaltet, »however, Bracero Program related materials were not labeled as such, and this collection is quite large (137 cubic feet)«. Das sind, einen Archivkarton je Kubikfuß gerechnet, gut vierzig laufende Meter Regal, in denen der Gegenstand nicht ausgewiesen ist. Wer ihn sucht, muss also lesen, was die Behörde stattdessen geschrieben hat.
Vor der Anreise konnten mir die Archivar:innen schon zwei Bände des Hop Press digital zugänglich machen, eines Newsletters für Hopfenfarmer, den der Extension Service »for the convenience of County Agents« zusammenstellte, also für die Beratungsstellen in den Counties, über die er die Betriebe erreichte.
1951: Mexican nationals
Die Ausgabe vom 3. Juli 1951 warnt unter der Überschrift »FOOLING WITH FIRE« davor, sich auf Arbeitskräfte ohne Vertrag einzulassen, und erinnert an die geregelte Anwerbung der Kriegsjahre:
»Mexican nationals, some years ago, rendered admirable assistance to hop growers in Oregon and elsewhere. It should be remembered, however, that they were recruited under inter-governmental pacts insuring ›prevailing wage,‹ housing, insurance, and other emoluments.«
Für die Menschen, die auf diese Weise ins Land kamen, hat dieser Artikel eine einzige Bezeichnung: Mexican nationals, also ihre Staatsangehörigkeit. Der Artikel stellt dieser Bezeichnung die ungeregelte Anwerbung seiner Gegenwart gegenüber, nachdem die staatlich organisierte Vermittlung nach Oregon 1947 zunächst ausgelaufen war (Garcia 2023):
»Proponents of the peons say they do not argue, agitate, or complain and labor long for as low as 20 cents an hour.«
Peons heißen hier die Landarbeiter:innen aus Mexiko, die ohne Vertrag eingereist sind, und die Stelle lässt sich so lesen, dass die versprochene Fügsamkeit durch ihren unsicheren, oft illegalisierten Rechtsstatus bedingt ist. Ein weiterer Beitrag desselben Jahrgangs zitiert die Corvallis Gazette-Times vom 22. Juni 1951: »300 ›Wetbacks‹ Get Boot From Northwest.« ›Wetback‹ ist in dieser Zeit das gängige, rassistisch konnotierte Schimpfwort für illegalisierte Arbeitskräfte aus Mexiko. Herkunft und Arbeit sind dieselben wie bei den zuvor Angeworbenen; der veränderte Rechtsstatus ermöglicht Ausbeutung und rassistisches Labeling.
Wieder ist der Dokumentenscanner wichtigster Ausrüstungsgegenstand (cr)
Fünf Merkmale liegen damit 1951 beisammen, die drei Jahrzehnte später den ›guest worker‹ ausmachen werden: zwischenstaatliche Anwerbung, garantierter Lohn, gesicherte Unterkunft, Versicherung, dazu die Trennung der Vertragsarbeit von der illegalisierten Arbeit. Ein Wort dafür gibt es im amerikanischen Sprachgebrauch zu diesem Zeitpunkt nicht. Auf die Arbeitsmigration ins eigene Land wird ›guest worker‹ erst seit den späten 1970er Jahren angewendet, und in die amtliche Sprache kommt der Ausdruck 1980, als ein Regierungsbericht ihn als »a literal translation of the German word Gastarbeiter« einführt (Rass 2023: 18 und 39). 1951 ist die Sache präsent, nicht aber schon die Bezeichnung; die Figur hat noch andere Benennungen.
1953: Mexican help
Die Ausgabe vom 20. Mai 1953 allerdings gibt eine Meldung des Hermiston Herald weiter, aus dem Osten des Bundesstaates, denn das Rundschreiben bediente die Hopfenbetriebe in ganz Oregon. Fünfunddreißig Männer sind mit dem Bus in Hermiston angekommen, abgeholt am 1. April in Mexicali, angeworben für die Hopfengärten; die Zeitung nennt sie »swarthy«, dunkelhäutig. Das Verfahren wird wieder in allen Einzelheiten beschrieben: ein Vertrag zwischen der amerikanischen und der mexikanischen Regierung, ein Stundenlohn von etwa neunzig Cent einschließlich aller Leistungen, eine staatlich vorgeschriebene Versicherung, dazu die Begründung, kurzfristig seien keine Arbeitskräfte zu bekommen gewesen. Für die Männer selbst hält die Meldung drei Ausdrücke bereit, Mexican Nationals in der Schlagzeile, dazu Mexican laborers und Mexican help, und ein Verb: Die Farm habe »imported Mexican help«. Benannt werden die Neuankömmlinge über Herkunft, sozialen Stand und, erneut rassifizierend, über die Hautfarbe.
Das Findbuch
Das vorläufige Findbuch der Extension Service Records, das rund 2.500 Mappentitel für die Jahre 1903 bis 2011 verzeichnet, führt die Nomenklatur dieser Verwaltung vor. Die Arbeit benennt sie über Jahrzehnte hinweg: ›Farm Labor‹ für 1943, ›Farm labor emergency: General‹ für die Jahre 1943 bis 1947, ›Annual Report, Extension Farm Labor‹ für 1944, ›Agricultural labor‹ für 1966 bis 1973. In keinem dieser Titel steht, woher die Menschen kamen, die diese Arbeit verrichtet haben, denn Mexican, bracero, Hispanic, Latino und immigrant kommen unter den Mappentiteln des Findbuchs überhaupt nicht vor.
Die Arbeitenden erscheinen als Gruppe in genau sechs Titeln, die alle zwischen 1965 und 1975 liegen: ›Rural Areas Poverty Programs: Migrant Programs‹ von 1965, ›Valley Migrant League‹ für 1965 bis 1968, ›Chicano-Indian Study Center of Oregon‹ für 1971 und 1972, ›Migrant labor (housing)‹ von 1972, dazu ›Migrant programs‹ und ›Minorities‹, beide von 1975. Drei davon nennen ein Programm oder eine Einrichtung beim Namen, die Armutsprogramme für ländliche Räume, die Valley Migrant League und das Chicano-Indian Study Center. Eine eigene Mappe bekommen diese Menschen also dann, wenn ein Bundesprogramm sich an sie richtet und Rechenschaft verlangt. Ohne einen solchen Anlass führt der Dienst sie nicht als eigene Größe. Nach 1975 kommt kein solcher Titel mehr.
Einschlägige Sachakten laufen weiter, bis 1998, unter ›Civil Rights Act of 1964, Counties‹ und unter einem ›Cooperative Extension System National Center for Diversity‹. Im Inneren der Mappen kommen die Menschen weiterhin vor, in Berichten und in Statistiken, als Betreff verschwinden sie. Ein ›Civil Rights and Equal Employment Opportunity Data Form‹ vom August 1974 zeigt, in welcher Gestalt dabei Rechte erscheinen: als Nachweispflicht gegenüber einer vorgesetzten Stelle, als auszufüllende Erhebung und nicht als Anspruch, den jemand erhebt. Das ist zunächst ein Befund über die Ablage einer Behörde und nicht über das Archiv, denn die Titel eines Behördenbestands stammen in der Regel aus dessen eigener Registratur. Wie viel davon in Corvallis später hinzugesetzt wurde, gehört zu den Fragen, die ich mitnehme.
Eine Fotosammlung
Bilder dieser Männer gibt es dennoch, und sie stammen aus dem Extension Service selbst. Wer heute nach Aufnahmen von ›braceros‹ in Oregon sucht, findet eine Online-Sammlung der Universität, seit Oktober 2002 im Netz. Lawrence Landis, der die Digitalisierung vorgeschlagen hat, und Natalia Fernández beschreiben sie zehn Jahre später so: »The Braceros in Oregon Photograph Collection is an artificial collection«, damals mindestens 102 identifizierte Aufnahmen, für die Digitalisierung aus fünf Fotobeständen herausgesucht (Landis/Fernández 2012: 22 f.). Als Bestand hat es diese Sammlung nie gegeben.
Derselbe Aufsatz nennt die Herkunft der Bilder. Um das Programm durchzusetzen und Befürchtungen in der Bevölkerung zu zerstreuen, habe der Extension Service Werbematerial und sogar Radiosendungen produziert, woran Landis und Fernández den Satz knüpfen: »It was in part due to these efforts that we now have a printed and photographic record of Braceros in Oregon« (ebd.: 22).
Damit ist diese Überlieferung zweimal hergestellt worden, in den 1940er Jahren als Werbung für das Programm und sechs Jahrzehnte später als digitale Sammlung. Was von diesen Männern heute am leichtesten zu sehen ist, verdankt sich zum Teil der Kampagne für das Programm, das sie geholt hat.
Natalia Fernández
Am Nachmittag des 12. August habe ich mit Natalia Fernández über diese Sammlung gesprochen. Sie betreut die Oregon Multicultural Archives seit Ende 2010, ein Archiv, das 2005 eingerichtet wurde und nach seiner Selbstbeschreibung die Geschichten der »African American, Asian American, Latino/a, and Native American communities« Oregons dokumentieren soll.
Sie nennt die Fotosammlung eine kuratorische Entscheidung und verweist darauf, dass im Findmittel vermerkt werde, wenn eine Sammlung künstlich zusammengestellt worden ist. Zwischen passivem und aktivem Sammeln unterscheide sie ausdrücklich, denn ein Archiv wie die Oregon Multicultural Archives einzurichten heiße, künftig Überlieferung herzustellen. Sie bezieht die eigene Position ein: Archivar:innen verfügten über erhebliche Macht, und wäre die Stelle anders besetzt, sähen die Bestände anders aus.
Was sie über das Sammeln sagt, reicht bis in die Verzeichnung: Auch die Betreffe, unter denen die Behörde ihre Akten ablegte, hat jemand vergeben, und nach welchen Kriterien, ist nirgends vermerkt. Zuletzt trifft es meine eigene Arbeit. Bestellt habe ich die Kartons mit den Suchwörtern meines Fachs, ›bracero‹, ›Mexican‹, ›immigrant‹; gefunden habe ich das Material erst, als ich stattdessen mit den Wörtern der Behörde gesucht habe, mit ›farm labor‹ und seinen Verwandten. Dass die Begriffe der Migrationsforschung an diesem Bestand ins Leere laufen, ist deshalb kein Rechercheproblem, sondern ein Ergebnis: Die Sprache, in der wir heute nach diesen Menschen fragen, ist nicht die Sprache, in der die Verwaltung sie geführt hat, und eben dieser Abstand ist auch ein Gegenstand meines Projekts.
Fehlanzeigen
Auf 632 Seiten Hop Press steht weder ›bracero‹ noch ›guest worker‹. Bei ›guest worker‹ ist das erwartbar, bei ›bracero‹ nicht, denn mit diesem Wort, das vom spanischen brazo für Arm kommt, wurden die angeworbenen Arbeiter schon während des Programms bezeichnet (Garcia 2023), und bis heute ist es der Schlüsselbegriff der Erinnerung an sie; die digitale Sammlung der Universität trägt es im Namen. Die Erinnerung führt also ein Wort, das die Registratur nicht kennt. Wer von der Sammlung zu den Akten wechselt, muss das Vokabular wechseln, und diese Lücke gehört zum Befund über eine Behörde, die das Wort für die Menschen nicht führte, deren Arbeit sie organisierte. Die Auszählung folgt demselben Verfahren, mit dem wir im Sonderforschungsbereich die zwischen 1960 und 2010 erschienene deutschsprachige Fachliteratur zu Migration, Diversität und Bildung erschließen: Texterkennung, eine Matrix der einschlägigen Begriffe, Konkordanzen.
Dem Colegio hat die OSU vor einigen Jahren eine eigene Ausstellung gewidmet (cr)
Zwei weitere Bestellungen haben wenig erbracht. RG 128, die Akten des Departments für Agrar- und Ressourcenökonomie, hatte ich wegen der Berichte zum ländlichen Strukturwandel ausgehoben, und zur Fragestellung enthalten sie bislang nichts. Die Sammlung des Colegio César Chávez, der ersten akkreditierten vierjährigen Hochschule unter Leitung von Chicanos in den Vereinigten Staaten, die von 1973 bis 1983 in Mount Angel bestand (Knutson/Hyatt-Evenson 2024), lieferte ein einziges einschlägiges Stück, einen Zeitungsartikel über eine Champignonfabrik, in dem viermal ›illegal alien‹ steht. Auch dort, wo die Presse spricht, sortiert also der Rechtsstatus.
Die Gegenprobe
Die Gegenprobe lag in der Woche davor auf dem Tisch, denn in den Akten der Landarbeiter:innen-Gewerkschaft PCUN in Eugene geht es um dieselbe Arbeit in der gleichen Region, nur stehen dort die Wörter, die im Rundschreiben der Hopfenberatung fehlen. Ein Analysepapier der Oregon Coalition Against the Reagan Immigration and Refugee Plan überträgt 1981 den Ausdruck ›guest worker‹ rückwirkend auf das Bracero-Programm, und sechzehn Jahre später stehen auf Pappschildern in Medford »NO BRACERO Program HR 2377 IS RACIST« und »GUEST Worker IS Legalized Slavery«. Rassismus und Ausbeutung werden in diesen Quellen klar benannt, und das ist kein Zufall der Überlieferung: Die Begriffe stehen dort, wo gestritten wird, denn der Streit um Benennungen setzt voraus, dass die Bezeichneten und ihre Verbündeten widersprechen können, und genau dafür ist eine Gewerkschaft da. Das Verfahren des Beratungsdienstes hält für einen Interessengegensatz dagegen keine Form bereit; wo Rechte bei ihm erscheinen, erscheinen sie als Formular, wie in jenem Data Form von 1974.
Dass die eine Seite Konfliktakten hinterlässt und die andere Jahresberichte, ist deshalb keine Störgröße. Die Aufzeichnungspraxis der Institution ist ausschlaggebend: Eine Gewerkschaft, die Ansprüche durchsetzen will, sammelt Verstöße, ein Dienst, der Betriebe berät, dokumentiert Fortschritte. Vergleichen lässt sich die Konstruktion des Gegenstands gerade deshalb, etwa am Beispiel der Unterkünfte für Landarbeiter:innen, über die der eine Bestand ebenso häufig schreibt wie der andere. In den Gewerkschaftsakten ist dieselbe elende Baracke ein Zustand, der eine Norm verletzt und deshalb einklagbar ist, beim Beratungsdienst eine Praxis, die sich verbessern lässt und deshalb beratungsfähig ist. Entsprechend stehen nach einem ersten Durchgang in den Akten in Eugene Mangel und Beschwerde um ein Mehrfaches häufiger neben der Baracke, während in den Dokumenten in Corvallis Hilfe und Schulung überwiegen.
Die Valley Library der OSU beherbergt auch das Archiv (cr)
Auch die Grammatik der Bestände unterscheidet sich. In Eugene stehen farmworkers, wirkliche Personen, häufiger als der abstraktere Begriff farm labor, in Corvallis liegt das Verhältnis andersherum. Auch dieser Unterschied passt zu den Institutionen: Wer die ländliche Welt als Feld erziehbarer Praxis führt, rechnet in Betrieben, und Arbeit ist darin ein Faktor, der knapp werden, aber nicht streiken kann; wer sie als Feld durchsetzbarer Ansprüche führt, rechnet in Personen, weil Ansprüche einzeln zustehen und Individuen Missbrauch und Diskriminierung erfahren. Welche Wirkung solche Kategorien entfalten, sobald sie in Umlauf sind, gehört zu den Fragen, an denen wir im SFB 1604 auch theoretisch arbeiten (Rass/Holst, in Vorbereitung).
Mein erster Eindruck
Corvallis zeigt eine Verwaltung, die das Verfahren benennt und die Menschen nicht, denn die Arbeit hat über drei Jahrzehnte hinweg einen Betreff. Damit aber werden die zugewanderten Menschen und ihre Lebensverhältnisse geradezu unsichtbar, und Missstände, wie die Gewerkschaftsüberlieferung sie später dokumentiert, bleiben in diesen Akten weitgehend außer Sicht.
Auf der deutschen Seite verläuft die Geschichte auf verblüffende Weise parallel, nur mit einem schon vorhandenen Wort. ›Gastarbeiter‹ ist seit Max Weber belegt (Weber 1921: 12 und 126 f.), die NS-Propaganda macht es ab 1941 groß (dazu der Long Essay vom 24. März 2025), und nach 1945 verliert es für gut anderthalb Jahrzehnte seine Konjunktur, ohne ganz zu verschwinden. Dann regelt das Abkommen, das die Bundesregierung im Dezember 1955 mit Italien schließt, die Anwerbung und Vermittlung italienischer ›Arbeitskräfte‹, ohne ein Kompositum mit ›Gast‹ zu verwenden. Aber wenige Jahre darauf überschreitet die Figur wieder die Wirksamkeitsschwelle und wird populär, als im Juni 1961 Ludwig Kroeber-Keneth in der Frankfurter Allgemeinen und Werner Höfer in der Neuen Illustrierten den ›Gastarbeiter‹ wieder aufrufen und in Umlauf bringen, und den Zugewanderten damit einen temporären, segregierten und prinzipiell ausgeschlossenen Ort in der sozialen Wirklichkeit zuweisen (Rass 2023: 18–20 und die Fundstücke vom 1. März 2025).
Beide Verwaltungen leisten damit dasselbe: In Oregon fehlt das Wort 1951 noch, in Bonn wird es 1955 nicht gebraucht, und in beiden Fällen ist die Produktion der Figur schon angelegt, bevor sie ihre Benennung erfährt. Die Figur entsteht jeweils außerhalb der Verwaltung, in der Bundesrepublik in der Publizistik, in den Vereinigten Staaten im politischen Streit, in dem auch die Bezeichneten sprechen, und sobald sie in der Welt ist, gehört sie zur Sache selbst, denn Regeln, Kritisieren und Erinnern laufen fortan in ihren Begriffen. Genau in diesem Sinn sprechen wir im Sonderforschungsbereich von der ›Produktion von Migration‹: Kategorien bilden Migration nicht einfach ab, sie stellen sie mit her.
Salem und Portland
In der kommenden Woche folgt nun Archivarbeit in Salem und Portland, im Staatsarchiv von Oregon und in der Oregon Historical Society, und damit der Übergang von der ausführenden Behörde zu denen, die über ihre Aufträge entschieden haben, von der Frage also, wie eine Kategorie entsteht, zu der Frage, was sie bewirkt.
Literatur
Gamboa, Erasmo: Mexican Labor and World War II. Braceros in the Pacific Northwest, 1942–1947, Austin 1990 (Neuausgabe Seattle 2000; die Standarddarstellung zum Programm im Nordwesten).
Garcia, Jerry: Bracero Program, in: The Oregon Encyclopedia, Stand 8. November 2023 (dort die Zahl der nach Oregon angeworbenen Männer und das Ende der Anwerbung im Bundesstaat 1947).
Knutson, Ana / Hyatt-Evenson, Tania: Colegio César Chávez, in: The Oregon Encyclopedia, Stand 12. Dezember 2024.
Landis, Lawrence A. / Fernández, Natalia: Documenting Oregon’s Latino Heritage. The Braceros in Oregon Photograph Collection, in: OLA Quarterly 18 (2012), H. 3, S. 21–27.
Rass, Christoph / Holst, Hajo: When Categories Come Alive. Theorizing Generative Dynamics in ›Figures of Migration‹, Manuskript, in Vorbereitung.
Rass, Christoph: ›Gastarbeiter‹ – ›Guest Worker‹. Translating a Keyword in Migration Politics, IMIS Working Paper 17, Osnabrück 2023.
Rass, Christoph: Fundstücke | ›Gastarbeiter‹ – ›Gastarbeitnehmer‹. Ein Moment der Kopräsenz, in: NGHM@UOS, 1. März 2025, DOI 10.58079/13emy.
Rass, Christoph: Long Essay | ›Gastarbeiter‹ in der NS-Presse. Formative Jahre eines migrationspolitischen Schlüsselbegriffs, in: NGHM@UOS, 24. März 2025, DOI 10.58079/13k66.
Rass, Christoph: Willamette Depesche #1 | Die Ankunft einer Figur. ›Guest worker‹ und ›bracero‹ in den PCUN Records, 1981 bis 1997, in: NGHM@UOS, 7. August 2026, DOI 10.58079/16nn9.
Weber, Max: Hinduismus und Buddhismus (= Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie 2), Tübingen 1921.
Even supposedly well-researched objects of history can generate new knowledge if considered from a new perspective. But how far can a researcher go in this regard while still valueing the established historiography? The following essay is an experiment of thought that explores two questions: First, how far can I go in my analysis of the 1943 Bermuda Conference from the perspective of historical migration studies, and how far can I deviate from established research in the field of Holocaust studies without telling a counter-history of the events? And second, what implications does this new perspective have for our understanding of the Bermuda Conference?
In April 1943, three delegates each from the United Kingdom and the United States of America met in Bermuda to discuss what they framed as the “refugee problem,” a problem at the heart of which were the persecuted Jews of Europe. However, in the midst of war, neither government was willing to change its existing restrictive refugee policies or divert resources from the war effort to the rescue of strangers, least of all Jews. Therefore, the Bermuda Conference concluded without any groundbreaking decisions being made; another failure after the 1938 Évian Conference, now in the face of systematic murder by the millions. At least, that is the narrative presented by the existing historiography covering the events of April 1943, a narrative that has been very much shaped by the perspective of Holocaust research.
Left to right: George Hall (UK), Harold Dodds (US), Richard K. Law (UK), Sol Bloom (US) and Osbert Peake (UK). Photo: USHMM.
The first written accounts of the subject appeared as early as the final phase of the Second World War and the immediate postwar period, within the sphere of Jewish organizations that had worked to save the Jews of Europe and therefore took a keen interest in the Bermuda Conference.1 In the late 1960s, historians first gained access to the previously unpublished documents from the conference and began a more in-depth examination of the conference, which continued from the 1970s into the 1980s.2 Since then, the Bermuda Conference has repeatedly been cited as an example of the Allies’ failure to rescue the Jews. Although the Bermuda Conference bears the title “on the refugee problem,” migration scholars have so far neglected the topic. If at all mentioned, the only references to the conference are to the findings of the aforementioned research in Holocaust Studies, but there are no thorough examinations from the perspective of Historical Migration Research.3 How can an approach situated in this field produce new insights into a topic that historians have already engaged with for decades?
Cover of Arieh Tartakower and Kurt Grossmann’s “The Jewish Refugee”, one of the earliest writings that mention the 1943 Bermuda Conference. Photo: Biblio.
First of all, considering the Bermuda Conference through the lens of Migration History allows us to shift the analytical focus from the ever-pending question in existing literature of “why were the Jews not rescued?” to “how did states manage, restrict, classify, and govern mobility a) under wartime conditions and b) in view of humanitarian catastrophe?” By doing so, we widen our perspective in two ways. On the one hand, we are able to see beyond the image of the “failed conference” to consider the individual and collective agency of a broadened variety of actors – governmental as well as non-governmental – involved. On the other hand, by considering the Bermuda Conference as part of the development of a refugee and migration regime over the span of the 20th century, not just the Holocaust and the events of the Second World War, longer path dependencies become visible, some of which continue to shape our present. Consequently, the Bermuda Conference shifts from a one-dimensional event of humanitarian failure to a nexus of multiple historical streams spanning the 20th and into the 21st century.
To take these approaches seriously means to read the Bermuda Conference against the grain. While still paying attention to the existing research, this demands an emancipation from established knowledge on the topic in question. To consider the Bermuda Conference as part of a Migration Regime4 in perpetual development, rather than a short-handed response to catastrophe, sheds a different light on one of its main aspects: its purpose. From their experiences gained throughout the First World War and its aftermath, the US and UK were well aware that the “refugee problem” would only increase once the fighting was over. While in 1918 the necessary structures to address the mounting crisis were only in their infancy and – due to member states’ adherence to state sovereignty and rising interwar nationalism, which led to a lack of robust enforcement powers – never developed into a fully functioning system.5 Reinterpreting the 1943 Bermuda Conference as an attempt to preempt chaos already looming on the horizon – in the spring of 1943, the question was not if the Allies would win the war but when – shifts its focus from the problem of the conference’s present to laying the foundation for future action.
“a great place in the post-war picture”? United States Delegation: Bermuda Conference Minutes Morning Conference, April 23, 1943. Source: National Archives and Records Administration (NARA), RG 59, Lot File no. 52 D 408, Box 3.
This reinterpretation allows us to recontextualize the conference’s outcome not as “meager results” and “failure” but as the starting point for long-term developments and institutional as well as conceptual path dependencies that only became visible years after the conference ended. The re-establishment and revision of the Intergovernmental Committee on Refugees in the context of the Bermuda Conference, its care and maintenance for refugees together with the United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) from this perspective appear as strategic rather than accidental and of long-term consequence with the transfer of responsibility first to the International Refugee Organization (IRO) in 1947 and ultimately to the office of the United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) in 1951.6
i.e., World Jewish Congress officials Arieh Tartakower and Kurt Grossmann: A. Tartakower and K. Grossmann, The Jewish Refugee (New York, NY 1944); K. Grossmann, ‘The Final Solution,’ The Antioch Review 15, 1 (1955), 55–72. ↩︎
A.D. Morse, While Six Million Died (New York, NY 1968), 37–64; H.L. Feingold, Politics of Rescue: The Roosevelt Administration and the Holocaust 1938–1945 (New York, NY 1970), 167–207; S.S. Friedman, No Haven for the Oppressed: United States Policy Toward Jewish Refugees, 1938–1945 (Chicago, IL 2017), 155–80; Y. Bauer, The Holocaust in Historical Perspective (Seattle, WA 1978), 26–28, 84, 131–132, 151; M.N. Penkower: The Jews were expendable. Free World Diplomacy and the Holocaust (Urbana, IL 1983), 98–21; M.N. Penkower, ‘The Bermuda Conference and Its Aftermath: An Allied Quest for ‘Refuge’ during the Holocaust’, in M. Marrus (ed) The Nazi Holocaust. Part 8. Bystanders to the Holocaust, Vol. 1 (Berlin 1989), 413–32; H. Druks, The Failure to Rescue (New York, NY 1977), 39–47; D.S. Wyman, The Abandonment of the Jews: America and the Holocaust, 1941–1945 (New York, NY 2007), 104–23; D.S. Wyman, America and the Holocaust. A Thirteen Volume Set Documenting the Editor’s Book The Abandonment of the Jews. Volume 3: The Mock Rescue Conference: Bermuda (New York, NY 1990). ↩︎
A sample in alphabetical order: I. Abella and H. Troper, None Is Too Many: Canada and the Jews of Europe, 1933–1948 (Toronto 1991); Y. Bauer, Jüdische Reaktionen auf den Holocaust (Berlin 2012); R. Breitman and A.M. Kraut, American Refugee Policy and European Jewry, 1933–1943 (Bloomington, IN 1987), 139; D. Dwork and R.J. van Pelt, Flight from the Reich: Refugee Jews, 1933–1946 (New York, NY 2009); R. Erbelding, Rescue Board: The Untold Story of America’s Efforts to Save the Jews of Europe (New York, NY 2018); T. Kushner, Refugees in an Age of Genocide: Global, National and Local Perspectives during the Twentieth Century (London 1999); T. Kushner, ‘The Western Allies and the Holocaust’, Holocaust and Genocide Studies, 5, 4 (1990), 381–402; P.A. Levine, ‘Attitudes and Action: Comparing the Responses of Mid-Level Bureaucrats to the Holocaust’, in D. Cesarini and P.A. Levine (eds) Bystanders to the Holocaust. A Re-Evaluation (Hoboken, NJ 2014), 212–36; L. London, Whitehall and the Jews, 1933–1948: British Immigration Policy, Jewish Refugees and the Holocaust (Cambridge 2003); M. Marrus, Die Unerwünschten. Europäische Flüchtlinge im 20. Jahrhundert (Berlin 1999); M. Marrus, The Holocaust in History (Hanover, NH 1987); R. Medoff, The Jews Should Keep Quiet (Lincoln, NE 2019); S. Musch, ‘Zwischen Bermuda und Palästina: Arieh Tartakowers und Kurt R. Grossmanns Suche nach Rettung für jüdische Flüchtlinge 1944’, Zeithistorische Forschung/Studies in Contemporary History, 15 (2018), 576–582; J. Newman, Nearly the New World: The British West Indies and the Flight from Nazism, 1933–1945 (New York, NY 2019); A. Patt, ‘No Place for the Displaced: The Jewish Refugee Crisis before, during and after the Second World War’, in S.T. Katz and J. Wetzel (eds) Refugee Policies from 1933 until Today. Challenges and Responsibilities (Berlin 2018), 97–121; G. Schubert, Der Fleck auf Uncle Sams Weißer Weste: Amerika und die jüdischen Flüchtlinge 1938–1945 (Frankfurt am Main 2003); M. Sompolinsky, Britain and the Holocaust: The Failure of Anglo-Jewish Leadership? (Brighton 1999); B. Taylor, Refugees in Twentieth-Century Britain: A History (Cambridge 2021); G. Wallance, ‘The World Jewish Congress during World War II’, in M. Rosensaft (ed) The World Jewish Congress, 1936–2016 (New York, NY 2017); B. Wasserstein, Britain and the Jews of Europe, 1939–1945 (London 1999). Recently, the present author, together with Sebastian Musch, tried to break up this narrative; see S. Musch and A. Heyen, ‘The Bermuda Conference in April 1943: Allied Politics, Jewish Organizations, and the Emergence of the International Migration Regime’, Holocaust Studies, 30, 2 (2024) 290–307. ↩︎
C. Rass und F. Wolff, ‘What is in a Migration Regime? Genealogical Approach and Methodological Proposal,’ A. Pott et al. (eds.), Was ist ein Migrationsregime?/What is a Migration Regime? (Wiesbaden 2018), 19–64. ↩︎
M. Mazower, Governing the World. The History of an Idea (London 2012), 199. ↩︎
Musch and Heyen, ‘The Bermuda Conference’, 2024. ↩︎
Lässt sich das nationalsozialistische Konzentrationslager als eigenständige soziale Ordnung beschreiben – und was ändert sich, wenn man es nicht als Bruch mit der Moderne liest, sondern als eines ihrer Ergebnisse? Wolfgang Sofskys Die Ordnung des Terrors, der zwölfte Titel der NGHM-Leseliste, stellt genau diese Frage an eine Gewaltgeschichte, die sich lange gegen soziologische Zugriffe gesperrt hatte.
Sofskys Buch erscheint 1993 bei S. Fischer und wird im selben Jahr mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Es ist die Arbeit eines Soziologen, der sich einem Gegenstand nähert, den die Geschichtswissenschaft längst als ihren beansprucht hatte – und der genau dadurch eine Debatte auslöst, die weit über die eigene Disziplin hinausreicht. Die Jury würdigt das Buch in ausdrücklicher Anknüpfung an Eugen Kogons SS-Staat von 1946: Seither, so die Begründung, habe die Forschung zum NS-Lagersystem nicht aufgehört, doch Versuche zu einer umfassenden Erklärung seines Funktionierens seien selten geblieben. Sofskys Studie schließt genau diese Lücke – und provoziert zugleich einen scharfen, aber produktiven akademischen Streit.
Der argumentative Zugriff des Buches ist strukturanalytisch, nicht chronologisch. Sofsky rekonstruiert das Lager nicht als Institutionengeschichte, sondern als soziales Machtsystem, dessen Ordnungsprinzip er ›absolute Macht‹ nennt. Dabei stützt er sich vor allem auf Häftlingsberichte – eine Quellenwahl, die selbst schon eine Setzung ist. Nicht die Perspektive der Täter organisiert das Buch, sondern das, was sich aus den Aufzeichnungen der Überlebenden über die Funktionsweise des Systems rekonstruieren lässt. Aus diesen Berichten arbeitet Sofsky die Dimensionen heraus, entlang derer sich absolute Macht organisiert: Raum und Zeit, soziale Strukturen – sowohl die des SS-Personals als auch die der Häftlingshierarchien -, Arbeit, schließlich Gewalt und Tod.
Was er beschreibt, ist die systematische Zerstörung einer sozialen Welt. Zugleich zeigt er, dass diese Destruktion nicht chaotisch verläuft, sondern rational organisiert ist: als Verstümmelung der persönlichen Identität, als Veränderung des Raum- und Zeitsinns, als allmähliche Auflösung des Grundvertrauens in den Fortbestand einer sozialen Welt. Erniedrigung und psychische Nötigung sind keine Nebenprodukte, sondern Instrumente. Die Destruktionsmacht der NS-Politik wirkt bis in die verästelte Häftlingsgesellschaft hinein und macht die Opfer selbst zu Trägern eines Systems, das ihre Vernichtung betreibt.
Hier liegt die schmerzliche Pointe des Buches.
Für Sofsky fällt das Konzentrationslager keineswegs aus dem Rahmen moderner Zivilisation heraus, es ist vielmehr ein Bestandteil der Moderne, ein Ergebnis des Vernichtungswillens absoluter Macht und technischer Großorganisation. Diese These ist es, die den Streit auslöst. Sie verschiebt das Lager aus dem Bereich der Anomalie, des Zivilisationsbruchs, des Ausnahmezustands in den Bereich dessen, was moderne Organisationsrationalität hervorbringen kann. Wolfgang Benz nennt das Buch im Spiegel eine Bereicherung der Kenntnis vom Wesen menschlicher Natur, der Organisation von Herrschaft, der Ausübung von Gewalt; Jan Philipp Reemtsma spricht in der Zeit von einem ›unverzichtbaren Standardwerk‹.
Zu finden in der UB UOS. Signatur: 4565-865 3.
Zugleich stößt das Buch früh auf scharfe Kritik. Der Sozialpsychologe Harald Welzer gehört zu den ersten, die Sofskys Zugriff angreifen. Seine Kritik trägt die Debatte über Jahre und wird in einer späteren Relektüre von Maja Suderland in Medaon wieder aufgenommen. Der Streit dreht sich, kurz gesagt, um die Frage, was ein strukturanalytischer Zugriff auf das Lager leisten kann und wo er an seine Grenzen stößt: Reicht die soziologische Perspektive, um das Handeln der Häftlinge und der Täter zu erfassen, oder überschreibt sie es? Es ist eine Frage, die bis heute in der Forschung nachwirkt.
Ein Bezug zwischen Sofsky und unserer Arbeit im Bereich der Konfliktlandschaftsforschung in Osnabrück lässt sich produktiv diskutieren: Wo Sofsky das Lager als soziale Ordnung rekonstruiert, arbeiten archäologische und historische Zugänge an denselben Orten mit ihren materiellen Spuren. Beide Zugänge treffen sich an dem Punkt, an dem Gewalt als organisierter Vollzug lesbar wird – und nicht als Ausnahme dessen, was moderne Institutionen können. Wer Sofsky liest, wird später in dieser Reihe an Snyders Bloodlands denken, das dieselbe Frage nach der Ordnung nationalsozialistischer Gewalt anders, geographisch und komparativ, stellt.
Sofskys Buch zwingt seine Leser:innen dazu, die begriffliche Selbstverständlichkeit aufzugeben, mit der ›das Lager‹ oft als Anderes der Moderne behandelt wird. Was bleibt, ist eine Analyse, die den Preis dieser Verschiebung nicht verschweigt: dass sich absolute Macht als Struktur beschreiben lässt, ohne dass sie dadurch weniger unbegreiflich wird.
Osnabrücker Studierende finden Sofskys Die Ordnung des Terrors im B-Freihand-Magazin unter der Signatur 4565-865 3 (OPAC).
Wolfgang Sofsky, Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager, Frankfurt am Main: S. Fischer 1993.
Dieser Beitrag gehört zur Reihe NGHM liest, in der die 65 Titel der NGHM-Leseliste vorgestellt werden. Die Liste kann als Wissensgraph erkundet werden.
Seit dem 3. August bin ich für drei Wochen in Oregon, mit einem Dokumentenscanner im Gepäck. Die Reise gehört zum Teilprojekt A3 des SFB 1604 ›Produktion von Migration‹ und führt über Eugene und Corvallis nach Salem und Portland. Sie ist Teil meiner Arbeit über die Figur des ›guest worker‹ und ihre Herkunft aus dem deutschen ›Gastarbeiter‹. Wie diese Figur im amerikanischen Einwanderungsdiskurs hergestellt wurde, steht in ›Inventing the Guestworker‹, dem Buch, das Julie Weise und ich derzeit in den Druck begleiten. Hier suche ich, was aus dieser Figur im Willamette Valley geworden ist.
Vorgeschichten
Die Wurzeln meiner Forschungsfrage reichen weit zurück. Ein Teil der Forschung datiert ›Gastarbeiter‹ auf die NS-Zeit, ein anderer auf die Anwerbeabkommen der Bundesrepublik. Beides ist zu spät. Geprägt hat den Begriff Max Weber, in der ›Wirtschaftsethik der Weltreligionen‹, geschrieben im Ersten Weltkrieg und 1916 erschienen. Weber spricht dort von ›Gasthandwerkern‹, von ›Gastvölkern‹ und schließlich von ›Gastarbeitern‹, und er bezeichnete damit Gruppen in Randstellungen im alten Indien und in Palästina. Zwanzig Jahre zuvor, in seiner Untersuchung über die Landarbeit im östlichen Deutschland, hatte er von ›Wanderarbeitern‹ gesprochen. Warum er die Figur wechselte, ist offen (Rass 2023: 11).
Warum ›Gast‹ und nicht ›Fremd‹? Im juristischen Deutsch des 19. Jahrhunderts standen beide Wörter oft nebeneinander. In den Schriften zum Fremdenrecht trug ›Gast‹ jedoch zweierlei zugleich: die Befristung des Aufenthalts und die Pflicht der ›Gastgeber‹, die Ankommenden schonend zu behandeln. Diese Doppelung hat der Begriff nie verloren, und sie erklärt einen Teil seiner Anziehungskraft (Jordans 1838: 291; Rass 2023: 12).
Benannt wird damit von Anfang an keine Herkunft, sondern eine Stellung: von außen gekommen, auf Zeit geduldet, für gering geachtete Arbeit vorgesehen, ohne Aussicht auf Zugehörigkeit (Rass 2023: 12). Deshalb lässt sich das Wort verschieben. Die NS-Propaganda zum ›Ausländereinsatz‹ macht es zum Standardvokabular, die Bundesrepublik nimmt es zwei Jahrzehnte später auf, seit den 1960er Jahren wandert es als Lehnwort in rund dreißig Sprachen. Ein Ausdruck, der eine exkludierende soziale Ordnung produziert, lässt sich überallhin mitnehmen. Auch die 50.000 Menschen aus Mexiko, die nach dem Reagan-Plan von 1981 jährlich in die USA kommen sollten, waren für eine solche Kategorisierung vorgesehen: der gerade aus Deutschland importierte Begriff ›Gastarbeiter‹ sollte als eine neue Bezeichnung dienen, um zu signalisieren, dass es für diese Immigranten keine Bleibe- oder Zugehörigkeitsperspektive geben sollte.
Diese transnationale Genealogie und ihre historische Semantik zu rekonstruieren, ist seit Jahren ein wichtiger Teil meiner Forschung; wie aus ›Gastarbeiter‹ im amerikanischen Einwanderungsdiskurs ›guest worker‹ wurde, steht in meinem Working Paper von 2023.
Daneben läuft eine zweite Linie, die nicht das Wort betrifft, sondern ein Instrument. In ›Institutionalisierungsprozesse auf einem internationalen Arbeitsmarkt‹ (2010) ging es nicht um eine Figur der Migration, sondern um einen Vertragstyp, der solche Figuren sie den ›Gastarbeiter‹ brauchte und koproduzierte – ohne das je selbst in den Vertragstexten klar zu benennen: die bilateralen Wanderungsverträge, mit denen europäische Staaten zwischen 1919 und 1974 die internationale Mobilisierung von Arbeitskraft regelten. Die Frage war, wie eine solche Institution mit eigener Logik entsteht, und wie wie über lange Zeiträume hinweg wirkt. Gemeinsam mit Julie Weise habe ich diese Linie über den Atlantik verlängert. ›Migrating Concepts‹ führt die transatlantischen Ursprünge des Bracero-Programms bis in die zwischenstaatliche Vertragspraxis der Zwischenkriegszeit zurück (Weise/Rass 2024). Es wandert also nicht nur der Name, sondern auch das Instrument. Beide bewegen sich aber nicht im selben Takt und erfahren eine eigene Translation.
Diese Linien lassen sich zunächst aus Akten von Regierungen, Ministerien und Kommissionen rekonstruieren. Solche Akten zeigen, wie eine Figur von oben hergestellt wird. Was mit der Figur geschieht, sobald sie in einer Agrarregion ankommt und dort in Gewerkschaftsbüros, Beratungsstellen und Redaktionen aufgegriffen wird, steht in diesen Akten nicht. Nach diesen Prozessen suche ich auf dieser Archivreise.
Die PCUN Records in Eugene
Die Special Collections and University Archives der University of Oregon verwahren die Überlieferung von PCUN, Pineros y Campesinos Unidos del Noroeste, der Gewerkschaft der Landarbeiter:innen aus Woodburn. ‘Coll 335’ umfasst 79,5 laufende Fuß in 58 Containern, Laufzeit 1952 bis 2012.
Diese 79,5 Fuß Aktenmaterial sind ein Ergebnis und kein Ausgangspunkt. 1999 ordnen PCUN-Beschäftigte, Studierende der University of Oregon und die Anthropologin Lynn Stephen das Archiv der Gewerkschaft in Woodburn. Anlass war damals ein Buchprojekt, für das auch vierzehn Interviews entstehen. Elf Jahre später, im Dezember 2010, fährt eine Delegation der SCUA nach Woodburn und nimmt auf, was dort an Dokumenten liegt: rund 240 laufende Fuß, Aktenordner, Audiokassetten, Videobänder, Fotografien und Negative, Plakate, Ephemera. Am 6. Juni 2011 unterzeichneten der Präsident der Universität, Richard Lariviere, und der Präsident von PCUN, Ramón Ramírez, in der Knight Library einen Deed of Gift.
Das Archiv der PCUN in den Special Collections des Universitätsarchivs (cr)
Wie werden aus 240 Fuß Material rund 80 Fuß Archivalien? Die Erwerbungsgeschichte, die zwei der Beteiligten 2014 publiziert haben, macht den Prozess transparent. Die Gewerkschaft hatte Gründe, Unterlagen zurückzuhalten: Notizen aus Tarifverhandlungen, Strategiesitzungen, alles, was den Aufenthaltsstatus von Mitgliedern berührt. Bis der Bestand benutzbar wurde, dauert es noch einmal drei Jahre. Anfang 2013 existiert dann ein unveröffentlichtes Inventar. Im September 2013 begann Sonia de la Cruz ein neunmonatiges Fellowship und erstellte ein zweisprachiges Findmittel. Am 7. Mai 2014 öffnet der Bestand mit einem Open House, im selben Lesesaal, in dem ich diese Woche sitze.
Was ich heute lese, ist kein ungefiltertes Abbild der Gewerkschaftsgeschichte. Es ist das Ergebnis einer Kette von Entscheidungen: was 1999 geordnet wurde, was 2010 aufgenommen, was 2011 übergeben, was zurückbehalten, was 2014 erschlossen wurde. Für ein Projekt über die Produktion von Kategorien ist das selbst schon Teil des Befundes.
Das Material
Dreizehn Kartons konnte ich in den ersten Tagen durcharbeiten. Der eine Teil sind Sachakten: Immigration und Farm Labor in Box 1 und 2, H-2A-Unterlagen von 1980 bis 1998, eine Mappe zum Bracero-Programm, die Kampagnenakten gegen den Smith-Wyden-Entwurf von 1998. In Box 54 liegen die Akten zur Gegnerschaft gegen H-2A von 1980 bis 2002, in Box 55 die Mappe gegen den Smith-Graham-Entwurf von 1999, in Box 8 ein Zeitungsartikel von 2004 über ein ›nuevo programa bracero‹.
Der Dokumentscanner macht die Arbeit im Archiv erst effizient (cr)
Der andere Teil ist ergiebiger. Box 3 der PCUN Sammlung enthält die Korrespondenz von 1977 bis 2002, Box 10 Plakate und Flugblätter, Box 13 die Bewegungspresse. Die Kartons 16, 18 und 41 sind Fotoserien von Demonstrationen zwischen 1977 und 1998. Dazu ein Karton aus den John Little Papers mit Unterlagen des Colegio César Chávez und Akten der Valley Migrant League. Kampagnensprache steht selten in Sachakten. Sie steht in Newslettern, auf Flugblättern und auf Schildern.
Ein Fundstück aus 1981: Die Gleichsetzung im Typoskript
In Box 54 liegt eine Mappe mit Unterlagen der Oregon Coalition Against the Reagan Immigration and Refugee Plan, Laufzeit 1981 bis 1982. Darin ein zweiseitiges Typoskript ohne Tagesdatum, „Summary and Analysis of the Reagan Plan”, mit einem Postfach in Portland und einer Telefonnummer in Woodburn. Das Papier geht Punkt für Punkt das Einwanderungsprogramm durch, das die Regierung Reagan am 30. Juli 1981 vorgestellt hatte. Begründet hatte sie es mit dem Satz „we have lost control of our borders”. Hinter jedem Punkt des Papiers steht ein Absatz „Analysis”.
Punkt eins lautet:
„Creation of an ″experimental guest worker program″ to bring 50,000 Mexicans to the U.S. each year. Workers could not bring their families and would be ineligible for social services.”
Die Analyse dazu:
„Reagan seeks to revive the ″Bracero″ program which had been terminated in 1964. During its twenty-two year existence, the Bracero Program created slave-like conditions for ″guest workers″, depressed farmworker wages and was used to break strikes.”
Auffällig ist der Umgang mit dem Wort. „Experimental guest worker program” wird in Anführungszeichen aus der Regierungssprache übernommen, nicht übersetzt und nicht erläutert. Im Analyseabsatz kommt der Ausdruck wieder, immer noch in Anführungszeichen, jetzt als Bezeichnung für die Braceros der Jahre 1942 bis 1964. Die Gleichsetzung wird nicht behauptet. Sie wird über die Zeichensetzung vollzogen: ein fremdes Wort, gesetzt von der Gegenseite, das die Koalition mitführt, um es zu entkräften.
Was das Papier zurückweist, ist aus demselben Jahr in einem Anhörungsprotokoll nachzulesen. In den gemeinsamen Anhörungen der Einwanderungsunterausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus im Mai 1981 hält Senator Alan K. Simpson aus Wyoming der Vertretung der AFL-CIO entgegen, er komme
„from an area of the Nation where the bracero program was used and the very term is offensive to the Hispanic people, the term ›bracero‹. That is why we use terms like guest workers” (Committee on the Judiciary 1981a: 91; Rass 2023: 43).
Simpson bringt im Jahr darauf gemeinsam mit dem Abgeordneten Romano Mazzoli den Gesetzentwurf ein, gegen den die PCUN bis 1986 kämpfen wird. Hier begründet er die Wortwahl als Rücksichtnahme: ›guest worker‹ ist der Ausdruck, der niemanden kränkt. Genau diese scheinbare Rücksichtnahme, die tatsächlich einer rassifizierenden und exkuldierenden Figur nur einen neuen Figurenbegriff mit gleicher Funktionalität verschaffen soll, verweigert das Papier aus Box 54. Es nimmt das neue Wort und legt es auf das alte Programm zurück.
Ein Fundstück aus 1997: Die Gleichsetzung auf dem Plakat
Sechzehn Jahre später steht dieselbe Gleichung auf Pappschildern. Box 41, Folder 37 enthält Aufnahmen einer Demonstration vor dem Jackson County Justice Building in Medford. Das Datum, der 20. September 1997, steht im Findmittel und als Aufdruck der Kamera auf den Bildern. Anlass war H.R. 2377, der Temporary Agricultural Worker Act of 1997, eingebracht von Bob Smith.
Auf den Schildern steht, englisch und spanisch nebeneinander:
„GUEST Worker IS Legalized Slavery” „NO BRACERO Program HR 2377 IS RACIST” „ABAJO CON HR 2377″ „SOMOS MEXICANOS EXIGIMOS RESPET[O]”
Zwei Nationalflaggen sind nebeneinander aufgespannt, die mexikanische und die US-amerikanische, eine Person hält ein Bild der Virgen de Guadalupe hoch, in der ersten Reihe stehen Kinder und ältere Frauen. Medford liegt im Rogue Valley, weit im Süden des Bundesstaates. Auch das gehört zum Befund, denn die Auseinandersetzung ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf die Anbauregion um Woodburn beschränkt. 1981 stand die Gleichsetzung in einem Typoskript. 1997 machen die Betroffenen den Kategorisierungsversuch der Politik auf ihren Picketing-Signs öffentlich!
Das Korpus
Die Aufnahmen aus dem Lesesaal werden Teil eines größeren Korpus: Texterkennung, Begriffsmatrix, Auszählung nach Bild, danach Konkordanzen und, soweit das Material trägt, Kollokationen. Das Verfahren stammt aus Teilprojekt A3, wo knapp sechstausend deutschsprachige Fachtexte zu Migration, Diversität und Bildung aus den Jahren 1960 bis 2010 auf drei Ebenen gelesen werden, nach Struktur, nach Inhalt und nach Bedeutung (Celikten u. a. 2026, forthcoming). Der Grundsatz gilt für die Kartons in Eugene wie für die Bibliographien in Osnabrück: Kategorien in prozessgenerierten Daten spiegeln die Verhältnisse nicht, sie bringen sie hervor. Gezählt wird deshalb, welche Kategorie in welcher Dichte und mit welchen Bedeutungszuschreibungen im Umlauf war. Dass ich die Kartons nach genau diesen Kategorien bestellt habe, gehört zu diesem Befund und arbeitet nicht gegen ihn – dies zu reflektieren gehört zu unserer Arbeit im SFB 1604.
Ein Befund zeichnet sich bereits ab. ›Bracero‹ steht in 166 Aufnahmen, ›guest worker‹ in 142, ›campesino‹ in 138. ›Trabajadores huéspedes‹ steht in vier. In der spanischsprachigen Teilmenge verhält sich die Selbstbezeichnung zur Übersetzung wie 66 zu 4. Diese Funde zu interpretieren wird der nächste Schritt des Projekts nach meiner Rückkehr nach Osnabrück.
El Foro, Mai 1980: die Herkunft wird mitgeliefert
Der Fund, der die beiden Fundstücke zusammenführt, ist eine Zeitung. In Serie 5 liegt El Foro vom Mai 1980, darin ein Artikel von John Alvarez über das ›guest worker‹-Programm und die Frage, wem es dient. Der Text nennt den spanischen Ausdruck beim Namen:
„El término trabajador huesped es netamente un eufemismo para ‘trabajador temporal’, puesto que estos trabajadores son destinados a la larga, a regresar a su país de origen.”
Die Herkunft liefert er gleich mit, in der englischen Parallelfassung:
„The term ‘guest worker’ comes from immigrant labor programs in Western Europe where the governments of West Germany, France, Switzerland, Holland, England, Sweden and several other countries in the post-World War II period, organized programs to import millions of workers…”
Das ist im Mai 1980 gedruckt. Dieselbe Herkunft wird zur selben Zeit in Washington, D.C. benannt, nur ohne Kritik. In einem Bericht des Justizausschusses von 1980 heißt es, ›guestworker‹ sei „a literal translation of the German word Gastarbeiter”, und der Ausdruck betone, dass ausländische Arbeitskräfte „temporary ›guests‹” seien (Committee on the Judiciary 1980a: 84; Rass 2023: 39). Im April desselben Jahres schlägt der neue amerikanische Botschafter in Mexiko, Julian Nava, ein Programm vor, ausdrücklich „similar to those currently operating in Europe” (Del Olmo 1980: 21; Rass 2023: 40). Neu ist die Gegenrede aus den Akten der PCUN.
Die Figur trifft auf Organisierende, die wissen, woher sie kommt und welche social facts sie etablieren soll.
Wie ein Archiv entsteht
Heute treffe ich Dr. Lynn Stephen. Sie ist Philip H. Knight Chair und Professorin für Anthropologie an der University of Oregon und hat 2012 gemeinsam mit PCUN die Geschichte der Organisation erarbeitet. Die Transkripte der Interviews gingen vor der Niederschrift an die Interviewten zurück, und die Gewerkschaft hat den Text geprüft und mehrfach überarbeitet. In ihrer Darstellung läuft die Kampagne der frühen 1980er Jahre nicht unter ›guest worker‹, sondern unter der Losung „Stop Reagan’s Bracero Program”.
Das ist kein Detail. Es spricht dafür, dass die Bewegung den Begriff nie übernommen, sondern durchgehend durch einen anderen ersetzt hat, der eine Erinnerung aufruft, statt eine Kategorie zu setzen. Sollte hier ein eupemistisches Überschreiben verhindert werden? Ob das eine bewusste Entscheidung war, wer sie traf und ob sie je in Frage stand, steht nicht in den Akten.
Das Universitätsarchiv ist wichtiger Akteur bei der Sicherung der Überlieferung marginalisierter gesellschaftlicher Gruppen (cr)
Was 1999 in Woodburn geordnet wurde, hat mitbestimmt, was 2010 erfassbar war und 2011 übergeben werden konnte, was sich heute im Archiv findet – die Überlieferungsbildung war in diesem Fall ein komplexer und sensibler Prozess. Die Bewertung fand nicht erst im Magazin statt, sondern elf Jahre davor, in den Räumen einer Gewerkschaft, mit denjenigen, die die übergebenen Akten betreffen und unter Beteiligung einer Forscherin. Eine wichtige Frage ist, die mich im Rahmen eines aktuellen Beuchprojekts beschäftigt ist, wie in den USA solche Sammlungen erschlossen, gesichert und archiviert werden, und wie dabei die Interessen und Rechte der Depositgebenden respektiert werden.
Weiter nach Corvallis
Am Dienstag und Mittwoch geht es für zwei Tage nach Corvallis, an die Oregon State University, in das Special Collections and Archives Research Center. Dort liegen die Akten des Extension Service mit den Unterlagen zur Valley Migrant League und zu den Migrant Programs der 1960er und 1970er Jahre, dazu Jahresberichte einzelner Landkreise aus den 1940er Jahren zum Emergency Farm Labor Program. Der Katalog in Corvallis kennt weder ›guest worker‹ noch ›H-2A‹, kein einziger Treffer. Genau deshalb fahre ich hin. Dort liegt die Erfahrungsschicht, auf die sich die Auseinandersetzungen der 1980er und 1990er Jahre berufen konnten.
Literatur
Celikten, Ahmet/Hoops, Maik/Rass, Christoph/Yildirim, Lale (2026): Reflecting on Process-Generated Data and Categories of Practice. Migration Research as Its Own Object [im Erscheinen; Verfassende in alphabetischer Reihenfolge].
Committee on the Judiciary (1980a): Temporary Worker Programs, Background and Issues. A Report. Washington: U.S. Government Printing Office.
Committee on the Judiciary (1981a): Final Report of the Select Commission on Immigration and Refugee Policy. Joint Hearings before the Subcommittee on Immigration and Refugee Policy of the Senate Committee on the Judiciary and Subcommittee on Immigration, Refugees, and International Law of the House Committee on the Judiciary, Ninety-Seventh Congress. Washington: U.S. Government Printing Office.
Del Olmo, Frank (1980): Nava Foresees Mexican ›Guest Worker‹ Program. In: Los Angeles Times, 4. April.
Jordans, Sylvester (1838): Gastrecht (Fremdenrecht). In: von Rotteck, Carl/Welcker, Karl Theodor (Hg.): Das Staats-Lexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände. Leipzig: Brockhaus.
Rass, Christoph (2010): Institutionalisierungsprozesse auf einem internationalen Arbeitsmarkt. Bilaterale Wanderungsverträge in Europa zwischen 1919 und 1974. Paderborn: Schöningh.
Rass, Christoph (2023): ›Gastarbeiter‹ – ›Guest Worker‹. Translating a Keyword in Migration Politics. IMIS Working Paper 17. Osnabrück: IMIS.
Stephen, Lynn (2012): The Story of PCUN and the Farmworker Movement in Oregon. Eugene: CLLAS, University of Oregon.
Weise, Julie/Rass, Christoph (2024): Migrating Concepts. The Transatlantic Origins of the Bracero Program, 1919–42. In: American Historical Review, 129.
Woken, David/de la Cruz, Sonia/Kays, Stephanie (2014): Latino History Is Oregon History. Preserving Oregon’s Latino Heritage through the Pineros y Campesinos Unidos del Noroeste Archive. In: Who Are We Really? Papers of the Fifty-Ninth Annual Meeting of SALALM, S. 58–70.
Es gibt Orte, an denen sich die Frage, was Migration eigentlich ist, nicht theoretisch stellt, sondern jeden Tag praktisch beantwortet werden muss. Die Kalk-Mülheimer Straße in Köln ist so ein Ort. Am 28. Juli haben Christoph Rass und Leonie Stoll dort Aufnahmen für den Podcast des SFB 1604, »Production Site«, gemacht, gemeinsam mit dem Verein 180 Grad Wende, dessen Beraterinnen und Berater in Kalk und Mülheim seit dreizehn Jahren mit jungen Menschen arbeiten.
Die Folge trägt den Arbeitstitel »Die Place Changer«, und der Titel ist wörtlich gemeint. ›Place‹ bezeichnet zweierlei: den Ort und die Stelle, die jemand in einer Gesellschaft einnimmt. Wer beides verändert, verändert es meist in einer Bewegung. Genau das macht der Verein, und genau deshalb kehrt die Folge die gewohnte Richtung um: Nicht die Forschung erklärt hier die Praxis, sondern die Praxis wird gefragt, was sie über Migration weiß, das ein Forschungsverbund nicht weiß.
Ein Verein, der aus dem Stadtteil kommt
Unter dem Motto »Niemanden zurücklassen: Gemeinsam Chancen schaffen« setzt sich 180 Grad Wende seit 2012 für die Chancengleichheit junger Menschen aus, wie es in der Sprache der Förderprogramme heißt, ›marginalisierten Communities‹ ein. Die Initiative arbeitet inzwischen auch international; ihr Schwerpunkt liegt gleichwohl dort, wo alles angefangen hat. In Kalk bietet der »Wendepunkt« eine Anlaufstelle, an der junge Menschen nicht nur zu Bildungsweg, Berufseinstieg und anderen Zukunftsfragen beraten werden, sondern auch an Empowerment- und Präventionsworkshops teilnehmen können.
Logo des Vereins 180 Grad Wende. Seit 2012 setzt sich die Initiative für Chancengleichheit junger Menschen ein und berät Jugendliche und junge Erwachsene in Kalk und Mülheim (Logo: 180 Grad Wende).
Der Kontext dieser Arbeit lässt sich beziffern: Im Stadtbezirk Kalk wächst rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Armut auf, der höchste Wert der neun Kölner Stadtbezirke (Kölner Kommunalstatistik). Wer über Perspektiven junger Menschen in diesem Quartier spricht, spricht immer auch über Verteilung.
Wer aufgenommen hat, und wofür
Die Folge entsteht im Transferprojekt »Reflexive Migrationsforschung im Museum« in Kooperation mit 180 Grad Wende. Leonie Stoll ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt A2 »Die Produktion der Diskriminierten in antirassistischen Bewegungen«; sie bringt die Frage mit, wie zivilgesellschaftliche Akteure Kategorien der Diskriminierung nicht nur erleiden, sondern selbst hervorbringen und verschieben. Christoph Rass leitet gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen das Teilprojekt A3 »Ihr seid Gastarbeiterkinder« sowie das Transferprojekt.
Matthias Milberg von der Podcastfabrik und Kim Aaliyah Gerlach vom VirtuOS beim Rundgang durch das Quartier (Foto: Annika Heyen).
Matthias Milberg von der Bielefelder Podcastfabrik begleitete die Aufnahmen, insbesondere im Freien: An der belebten Kalk-Mülheimer Straße war einiger Aufwand nötig, damit die Stimmen der Sprechenden deutlich hörbar blieben. Das Interview mit Mimoun Berrissoun entstand anschließend im Kölner Studio Sounds Fresh, das uns für die Aufnahme seine Räume und seine Technik zur Verfügung stellte. Kim Aaliyah Gerlach vom VirtuOS der Universität Osnabrück hielt den Tag filmisch fest; das Material soll in einen kurzen Dokumentarfilm über die Arbeit des Transferprojekts einfließen, Arbeitstitel: »Migration wird gemacht. Ein Reallabor in virtuellen Räumen«.
Erster Teil: ein Stadtteil in Gegensätzen
Im ersten Teil ließ sich Leonie Stoll von Alparslan Korkmaz, Projektkoordinator des Programms »Azubi Buddy«, und von Samir Abrar, Projektmitarbeiter und Berater, durch das Quartier führen. Was dabei hängen blieb, war ein Eindruck von Gegensätzen.
v.l.n.r.: Leonie Stoll, Matthias Milberg und Samir Abrar beim letzten Mikro-Check vor der Aufnahme an der Kalk-Mühlheimer Straße (Foto: Annika Heyen).
Korkmaz und Abrar beschreiben Kalk als lebenswerten und offenen Stadtteil, in dem die Menschen Freud und Leid miteinander teilen; zugleich erzeugen Überwachungskameras auf der Hauptstraße ein Gefühl der Unsicherheit. Auf den ersten Blick ist infrastrukturell alles vorhanden, was es zum Leben braucht, von Kindergärten über Schulen bis zum Krankenhaus. Auf den zweiten Blick fehlt es an Ausbildungsplätzen und Arbeit für junge Menschen. Dass Heranwachsende sich unter diesen Bedingungen abgehängt fühlen und mangels Alternativen abrutschen, ist dann keine Frage individueller Neigung, sondern eine Frage der Gelegenheiten.
Leonie Stoll, Alparslan Korkmaz und Samir Abrar bei der Begehung des Quartiers, u.a. einer spontan von Nachbarinnen und Nachbarn eingerichteten Gedenkstätte für die in der Türkei verunglückten Mitglieder einer in Kalk ansässigen Familie (Fotos: Annika Heyen).
Die Beraterinnen und Berater setzen dem eine Arbeitsweise entgegen, die sich leicht sagt und schwer durchhalten lässt: bedürfnisorientierte Hilfe ohne Zwang, auf Augenhöhe, ob bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, beim Ausfüllen behördlicher Formulare oder bei anderen alltäglichen Hürden. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigt sich an unscheinbaren Zeichen: Klientinnen und Klienten empfehlen den Verein weiter, werden teilweise selbst aktiv, oder kommen mit ihren Familien und einem kleinen Dankeschön vorbei, um Erfolge mitzuteilen.
Zurück im “Wendepunkt” sprechen Alparslan Korkmaz, Samir Abrar und Leonie Stoll über die Beratungsarbeit der 180 Grad Wende (Foto: Annika Heyen).
Zweiter Teil: Vertrauen, das man nicht beantragen kann
Im zweiten Teil sprach Christoph Rass bei Sounds Fresh mit Mimoun Berrissoun, Gründer und Geschäftsführer des Vereins, über die Anfänge und über die Widerstände der vergangenen dreizehn Jahre.
v.l.n.r.: Mimoun Berrissoun, Christoph Rass und Annika Heyen im Studio “Sounds Fresh” in Köln (Foto: Matthias Milberg).
Was 180 Grad Wende von anderen Präventionsangeboten unterscheide, die in Kalk und in anderen als ›Problemviertel‹ wahrgenommenen Quartieren verfügbar sind, sei das Vertrauen, das die Aktiven des Vereins genießen. Berrissoun und seine Kolleginnen und Kollegen kennen den Stadtteil und seine Bewohnerinnen und Bewohner, und sie sind dort bekannt. Vertrauen dieser Art lässt sich nicht ausschreiben und nicht beantragen: Es entsteht über Jahre, an einem Ort, durch Personen.
Christoph Rass und Mimoun Berrissoun bei der Aufnahme im Studio “Sounds Fresh” (Fotos: Annika Heyen).
Genau darin liegt allerdings ein struktureller Widerspruch. Der Verein arbeitet daran, dauerhafte Strukturen zu schaffen, ist dabei aber selbst auf befristete Fördermittel angewiesen. Die meisten Mitarbeitenden sind projektförmig angestellt, sodass Zeit und Personal immer wieder in die Beantragung der nächsten Finanzierung fließen, statt in die Arbeit selbst. Beziehungsarbeit braucht Dauer, Projektförderung gewährt sie nicht. Ein Umdenken im Fördersystem, so Berrissoun, wäre die Voraussetzung dafür, dass eingespielte Akteure wirksamer arbeiten können. Das Ziel des Vereins formuliert er als Aussicht auf die eigene Entbehrlichkeit: so viele junge Menschen »mit Gutem anzustecken«, dass er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sich allmählich zurückziehen können.
Was die Folge fragt
Für den SFB 1604 ist dieser Besuch mehr als eine Reportage. Der Verbund untersucht, wie Migration hergestellt wird: nicht die Wanderung selbst, sondern ihre Bedeutung, also die Frage, wer als Migrantin oder Migrant gilt, wessen Schwierigkeiten auf Herkunft zurückgeführt werden und wer sich erklären muss. Solche Zuschreibungen entstehen in Statistiken, in Debatten, in Förderprogrammen. Sie entstehen auch in Quartieren wie Kalk.
Die Arbeit von 180 Grad Wende setzt an denselben Zuschreibungen an, meist allerdings in umgekehrter Richtung: Sie versucht, jungen Menschen Etiketten wieder abzunehmen. Was solche Etiketten anrichten, sehen die Beraterinnen und Berater früher als die Forschung, nämlich an denjenigen, die damit nicht weiterkommen. Tatsächlich stellt der Verein damit eine Kategorie in Frage, mit der die Migrationsforschung selbst arbeitet: Wenn junge Menschen der dritten Generation, hier geboren und aufgewachsen, an dieselben Wände stoßen wie neu Zugewanderte, erklärt ›Migration‹ wenig. Es stellt sich dann eher die Frage, warum bestimmte Zuschreibungen so hartnäckig überleben.
Diese Umkehrung ist der Kern der Folge, und sie trifft die Beteiligten auf beiden Seiten. Auch Forschung arbeitet befristet und förderabhängig; die Logik, über die der Verein spricht, ist der Wissenschaft nicht fremd. Im abschließenden Gespräch werden Leonie Stoll und Christoph Rass genau darüber sprechen: über das, was sie in Kalk gehört haben, und über das, was es mit den eigenen Begriffen macht.
Ausblick
»Die Place Changer« ist für die zweite Staffel von »Production Site« geplant. Ein Veröffentlichungsdatum steht noch nicht fest. Die Folgen der ersten Staffel, darunter »Die Vorreiterin« mit der Migrationsforscherin der ersten Stunde Czarina Wilpert und »Der Grenzgänger« mit dem Journalisten Gerhard Kromschröder, sind hier online zu hören: https://www.uni-osnabrueck.de/sfb1604/production-insights/podcast
Der Podcast des Sonderforschungsbereichs 1604 “Produktion von Migration” soll in eine zweite Staffel gehen. Die erste Staffel umfasst sechs Folgen und steht bereits online (Foto: SFB 1604).
Der monatliche Newsletter der Arbeitsgruppe Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück
Von Eduard Usov & Jessica Wehner
Der Juli brachte auf dem NGHM-Blog eine bemerkenswerte Dichte an Themen zusammen, die bei aller Verschiedenheit immer wieder auf dieselbe Grundfrage stießen – wie Kategorien, Narrative und Zuschreibungen in der Geschichte produziert werden und was es bedeutet, sie kritisch zu lesen. Daneben öffnete der Monat Fenster nach außen: nach Paris, wo digitale Methoden und Migrationsgeschichte zusammengedacht wurden, und nach Tutzing, wo eine internationale Konferenz die Geschichte des europäischen Flüchtlingsregimes von Genf bis Schengen auslotete. Und wer genau hinsah, entdeckte auch Unerwartetes – eine animierte Kartei, die Migration nicht bloß abbildet, und eine Zeitungsnotiz aus dem ländlichen Georgia von 1943, die ein NS-Propagandawort auf verblüffende Weise spiegelte.
Über die vielseitigen Aktivitäten des Teams berichtet unsere Juliausgabe des Newsletters.
Einblicke
Im Juli neigten sich die Lehrveranstaltungen des Sommersemesters dem Ende zu: Im Proseminar “Aushandlung von Flucht und Migration nach dem Zweiten Weltkrieg”, geleitet von Jessica Wehner, fand am 9. Juli eine Posterpräsentation der Studierenden statt. Gemeinsam mit Mitgliedern von Team NGHM diskutierten die Studierenden ihre Forschungsvorhaben. Das Proseminar thematisierte die Migration in den Nachkriegsjahren: Nachdem die Alliierten im Mai 1945 den Zweiten Weltkrieg in Europa mit dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland beendet hatten, offenbarten sich Herausforderungen eines bis dahin kaum bekannten Ausmaßes. Millionen Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft und im Zuge des Zweiten Weltkriegs deportiert, inhaftiert, geflohen und teils auch freiwillig migriert waren, befanden sich in Europa außerhalb ihrer Herkunftsländer. Diese Flüchtlinge und Displaced Persons (DPs) bildeten dabei eine sehr heterogene Gruppe aus verschiedenen Opfergruppen des Nationalsozialismus, Osteuropäern, die in den letzten Kriegsjahren und nach Kriegsende vor der Roten Armee geflohen waren, und zum Teil auch Kollaborateuren und Kriegsverbrechern, die sich als DPs ausgaben, um einer Strafverfolgung durch die Alliierten zu entgehen.
Vier Poster zeigen bereits die thematisch vielfältigen Forschungsvorhaben der Studierenden
Am 1. Juli brachte eine von Sebastian Musch geleitete Exkursion Studierende der UOS nach Neuenhaus (Grafschaft Bentheim) zum dortigen Günter-Frank-Haus. Das Günter-Frank-Haus ist aus einer 2012 entstandenen Initiative zum Gedenken an die Deportation der letzten Neuenhauser Jüdinnen und Juden hervorgegangen. Es erhielt seinen Namen im Andenken an Günter, das einzige jüdische Kind, das in der NS-Zeit in Neuenhaus aufwuchs und 1944 im Alter von 16 Jahren in Auschwitz ermordet wurde. In einer Ausstellung wird die Geschichte der Verfolgung und Vernichtung der Neuenhauser Juden und Jüdinnen erzählt. Christa Pfeiffer, eine der Mitinitiator:innen des Günter-Frank-Hauses, begleitete uns durch die Ausstellung und im Anschluss zum jüdischen Friedhof Neuenhaus. Für die Studierenden stand natürlich die jüdische Geschichte im Vordergrund, zugleich wurden aber auch die langen und widrigen gesellschaftlichen Aushandlungen und Widerstände diskutiert, die dieser erinnerungskulturellen Initiative lange im Weg standen, und wie daraus letztendlich ein Erfolg werden konnte.
Im Rahmen der Exkursion wurde auch der jüdische Friedhof in Neuenhaus besucht (Foto: Sebastian Musch)
Der wissenschaftliche Austausch nahm im Juli ebenfalls einen hohen Stellenwert ein: Das sechste Tiny-Desk-Kolloquium der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung brachte fünf Beiträge zusammen, die trotz ihrer thematischen Vielfalt eine gemeinsame Frage verfolgten: Wie werden historische Kategorien, Narrative und Zuschreibungen eigentlich hergestellt? Unter der Moderation von Dr. Sebastian Musch reichte das Spektrum von der westdeutschen Nachkriegsjustiz über digitale Public History bis zur Geschichtspolitik internationaler Organisationen. Den Auftakt machte Lennart Blömer mit Befunden aus seiner Bachelorarbeit zur prozessualen Konstruktion von Glaubwürdigkeit in NS-Verfahren. Lea Horstmann und Jannik Singer stellten stellvertretend für eine Studierendengruppe die im April eröffnete digitale Ausstellung vor – ein Projekt aus dem Seminar von Dr. Sebastian Huhn, das das größte europäische „Altersheim” für Displaced Persons in Varel dokumentierte. Dr. David Templin vom SFB 1604, Teilprojekt C1, beleuchtete das 1989 gegründete Frankfurter Amt für multikulturelle Angelegenheiten und zeigte, wie kommunale Migrationspolitik zwischen Anerkennungsanspruch und begrenzten Kompetenzen operierte. Dr. Maria Rhode (Universität Göttingen) rekonstruierte anhand von Universitätsquellen rund 460 Displaced Persons, die ab 1945 in Göttingen studierten, und plädierte dafür, Überlieferungslücken explizit sichtbar zu machen. Den vielleicht überraschendsten Befund präsentierte Dr. Sebastian Huhn: Eine bereits bei Oxford University Press zugesagte dreibändige Geschichte der IRO wurde 1953 auf Einspruch der USA gestoppt – das Team entlassen, die Aufgabe neu vergeben. Mit Michel-Rolph Trouillots Konzept des „Silencing of the Past” deutete Huhn diesen Vorgang als gezieltes Verstummen-Machen einer unbequemen Gegenerzählung, die das Gründungsnarrativ des modernen Flüchtlingsregimes bis heute prägt.
Am 8. Juli hat Sebastian Musch im Kolloquium des Cluster A des Sonderforschungsbereichs 1604 „Die Produktion von Migration“ theoretische Überlegungen zur biografischen Verknüpfung von Fluchterfahrung und der Produktion von Migrationskategorien zur Diskussion gestellt, die ursprünglich in seinem im The Historical Journal veröffentlichten Aufsatz Statelessness as a Political-Existential Predicament in the Lives and Writings of Three German-Jewish Intellectuals erschienen sind. Im Mittelpunkt stand dabei das Leben und Denken Hannah Arendts, die mit ihren philosophischen Schriften zu Flucht und Staatenlosigkeit maßgeblich den philosophischen Diskurs zu diesen Themen geprägt hat. Für den SFB sind diese Fragen nicht nur wichtig, weil hier aktuelle Diskussionen historisiert werden können, sondern auch, weil die Möglichkeiten und Chancen einer Genealogie der Produktion von Migration deutlich werden. Ganz konkret lässt sich am Beispiel Arendt darüber diskutieren, wie die Produktion von Figuren der Migration an der Schnittstelle von Erfahrungswissen, politischer Praxis und wissenschaftlicher Reflexion funktioniert, welche Ein- und Ausschlüsse sie erzeugt und was es für die reflexive Forschungspraxis bedeutet, dass die wirkmächtigsten Migrationsfiguren des 20. Jahrhunderts von Autorinnen mithervorgebracht wurden, die sich selbst nicht aus den Kategorisierungsprozessen herauslösen konnten, die sie analysierten.
Am 9. Juli hat Sebastian Musch dann einen Vortrag auf der Konferenz Muslim, Jewish, and Christian Thinkers in 19th- to 21st-Century North Africa an der Katholischen Akademie Berlin gehalten. Der Vortrag „Essi mi appaiono come ebrei del tempio“: Italian-Jewish Philosophical Debates on the Origins of Ethiopian and North African Jewry under Fascist Colonialism von Sebastian Musch thematisierte die Ausweitung des faschistischen Zeitregimes auf die äthiopischen Juden und Jüdinnen (die sogenannten Falaschas), die nach der Kolonialisierung durch Mussolinis Italien unter faschistische Herrschaft gerieten.
Foto: Sebastian Musch
Am 28. Juli waren Christoph Rass und Annika Heyen gemeinsam mit ihrer SFB-Kollegin Leonie Stoll (Projekt A2: Die Produktion der Diskriminierten in antirassistischen Bewegungen) zu Gast bei der 180 Grad Wende sowie im Podcaststudio Sounds Fresh in Köln. Zweck dieses Besuchs waren Aufnahmen mit Gründer und Geschäftsführer des Vereins Mimoun Berrissoun, Projektleiter für das Programm “Azubi Buddy” Alparslan Korkmaz und Berater Samir Abrar für eine gemeinsame Folge für den SFB 1604-Podcast “Production Site” unter dem Titel “Die Place Changer”. Begleitet wurden sie bei den Aufnahmen von Matthias Milberg von der Bielefelder Podcastfabrik. Mit dabei war auch Kim Aaliyah Gerlach vom VirtuOS, die den Tag filmisch begleitete. Die Filmaufnahmen sollen Teil des Dokumentarfilms über die Arbeit des Transferprojekts “Reflexive Migrationsforschung im Museum” unter dem Arbeitstitel „Migration wird gemacht. Ein Reallabor in virtuellen Räumen“ werden.
Links: Alparslan Korkmaz, Samir Abrar und Leonie beim Gespräch in der Beratungsstelle “Wendepunkt” der 180 Grad Wende (Foto: Annika Heyen)/ rechts: Mimoun Berrissoun, Christoph Rass und Annika Heyen im Studio “Sounds Fresh” in Köln (Foto: Matthias Milberg)
Am 22./23. Juli hielt Sebastian Musch auf dem Workshop „Refugees, Returnees, Tourists. Migration and Entanglements in Spain and Germany in the Long Postwar Period“ – organisiert von Jenny Augustin (Universität Osnabrück), Ursula Hennigfeld (HHU Düsseldorf) und dem Kooperationspartner Inbal Ofer (Open University of Israel) – einen Vortrag mit dem Titel „Returning to the ‘Land of the Perpetrators’: Reassessing the Consolidation of Jewish Communities in Postwar-Germany“.
Foto: Christoph Rass
In dem Vortrag diskutierte Sebastian Musch, warum das nach 1945 allgemein erwartete Verschwinden der jüdischen Gemeinden in Deutschland – sei es durch Auswanderung oder Überalterung – nicht eintrat. Tatsächlich stabilisierte sich die Mitgliederzahl stattdessen bei rund 17.000 bis 20.000. Die Forschung nennt dies „Konsolidierung“ und übernimmt auf der Suche nach einer Erklärung oft die Selbstdeutung der Zeitzeugen. Sebastian Musch stellte verschiedene theoretische Ansätze vor, die gerade diese Nicht-Migration fassbar machen. Die in der Forschung gängige Konsolidierungsthese kann so als Produktion von Nicht-Migration gelesen werden. Der Vortrag schloss mit dem Blick auf die 1990er-Jahre: Die Zuwanderung jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion wurde politisch als Vertrauensbeweis in die deutsche Demokratie gedeutet und jüdisches Leben rhetorisch als „Geschenk“ adressiert. Der Vortrag zeigt, wie eine Minderheit hier über ihre Funktion für die Mehrheitsgesellschaft definiert wird – und wirft die Frage auf, ob die Forschung zur jüdischen Migration nicht genau dieses Muster reproduziert.
Notizen
(Foto: Gero Leege)
Gute Nachrichten erhielt Annika Heyen in diesem Monat: Sie wurde mit ihrem Dissertationsprojekt “Die Bermuda-Konferenz 1943: Verhandlungen zur Rettung jüdischer Flüchtlinge und ihr Scheitern?” als Stipendiatin der Stiftung Zeitlehren angenommen. Neben dem Allgemeinen Förderbetrag ermöglicht das Stipendium den Zugang zu den Netzwerktreffen der Stiftung und dem fachlichen Austausch mit anderen Stipendiat:innen.
(Foto: Bjarne Groß/ Gero Leege)
Ebenfalls gute Nachrichten erhielt Imke Selle: Sie erhält für die Abschlussphase ihres Dissertationsprojekts “Praktiken der digitalen Produktion von Geschichtskultur am Beispiel der Emslandlager” ein Abschlussstipendium aus dem Pool Frauenförderung der Universität Osnabrück.
(Foto: Bjarne Groß)
Zum 1. Juli begrüßte das Team NGHM Leonie Schwiers als neue studentische Hilfskraft. Leonie studiert im Zwei-Fächer-Bachelor Germanistik und Geschichte und befindet sich ab dem Wintersemester im fünften Semester . Sie unterstützt das Kernteam im Bereich Forschung und Lehre.
Die Reihe Inside.NGHM gab in ihrer fünften Ausgabe Einblick in den Werdegang und die Forschung von Sebastian Musch. Er schilderte einen ungewöhnlichen akademischen Weg: Statt Geschichte studierte er zunächst Jüdische Studien und Philosophie in Heidelberg – eine Entscheidung, die auf ein Freiwilligenjahr in Israel und Hebräischkenntnisse zurückging, die er gemeinsam mit Neueinwanderern aus Russland, Frankreich und dem Iran erwarb. Seine Dissertation widmete er der Wahrnehmung des Buddhismus bei deutsch-jüdischen Denkerinnen, ein Thema, das ihn nach einem Lehraufenthalt in Sri Lanka überraschend einholte. Die Promotionszeit führte ihn nach Haifa, Berlin, Berkeley und Ghent – eine Periode, die er trotz ihrer Prekarität als intellektuell befreiend beschrieb. Nach Osnabrück kam Musch über ein von der Fritz Thyssen Stiftung gefördertes Biografieprojekt zu Hermann Helfgott/Zvi Asaria. Seit 2021 forscht er als Alfred Landecker Lecturer an der Schnittstelle von Migrationsgeschichte und Holocaustforschung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Kategorien wie „refugee” oder „displaced person” nicht einfach existierten, sondern in Konsulaten, Hilfsorganisationen und auf internationalen Konferenzen aktiv hergestellt wurden. Der Sonderforschungsbereich 1604 „Produktion von Migration” biete dafür, so Musch, ein analytisches Vokabular, das Verfolgung und Flucht als Ergebnis von Ordnungsarbeit beschreibbar mache.
Anfang August geht es für Prof. Dr. Christoph Rass für drei Wochen nach Oregon – nach Eugene, Corvallis, Salem und Portland, mit einem Dokumentenscanner im Gepäck und der festen Absicht, diesen ernsthaft zu strapazieren.
Die Reise gehört zu Teilprojekt A3 des SFB 1604 und schließt unmittelbar an “Inventing the Guestworker” an, das Buch, das Julie Weise und Christoph Rass derzeit in den Druck begleiten. Dort rekonstruieren die beiden Autor_innen, wie die Figur des ›guest worker‹ in den amerikanischen Einwanderungsdiskurs eingewandert ist: als Übersetzung, aus dem Kongress, den Ministerien, dem Vokabular von Kommissionen, Medien und Wissenschaft. Was dabei offen bleibt, ist die andere Hälfte desselben Vorgangs. Denn eine migrantisierende Figur entsteht nicht nur dort, wo sie benannt wird, sondern ebenso dort, wo sie gebraucht, übernommen, bestritten und bewohnt wird – im Arbeitskampf, in der Verwaltungskorrespondenz, in der Fachpresse der Agrarwirtschaft, in den Akten der Beratungsstellen und Selbstorganisationen.
Genau danach sucht Christoph Rass in den Archiven des Willamette Valley, zugespitzt auf die frühen 1980er Jahre: die Jahre des Immigration Reform and Control Act von 1986: in welchen Kategorien ringen die Erzeuger und ihre Fachpresse, die Landesverwaltung, die Gewerkschaften und eine erstarkende Landarbeiterbewegung um die Bedeutung – also für uns um die “Produktion” von Migration – und welche Rolle spielt die damals neu eingeführte Figur des “guest worker” dabei?
Die Überlieferung dazu liegt verstreut vor: die PCUN Records in Eugene, die Extension-Service-Akten in Corvallis, die Gouverneursakten in Salem, die Unterlagen der Oregon AFL-CIO in Portland.
Ob die Vermutung trägt, dass die Figur vor Ort nicht bloß aufgenommen, sondern auch neu verhandelt wurde und stets umstritten blieb, wird sich in den Funden aus den Archivkisten entscheiden.
Der Wissenschaftsblog der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück