Beschriftung: Tafeln der Ausstellung »Aus Niedersachsen nach Auschwitz« in der vhs Osnabrück. Foto: vhs Osnabrück

Leerstellen der Erinnerungskultur | Zwischen Gedenken und Verdrängung. Podiumsgespräch am 1. Oktober in der vhs Osnabrück.

Am Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, findet um 18:00 Uhr im Vortragssaal der vhs|os in der Bergstraße 8 in Osnabrück das Podiumsgespräch »Leerstellen der Erinnerungskultur. Zwischen Gedenken und Verdrängung« statt. Die Volkshochschule Osnabrück veranstaltet es gemeinsam mit dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti, der Kunsthalle Osnabrück und dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Das Gespräch gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung »Aus Niedersachsen nach Auschwitz«, zu Gast sind Mario Franz und Kutlu Yurtseven.

Mario Franz ist Präsident des Niedersächsischen Verbands Deutscher Sinti und Geschäftsführer der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma. Er gehört dem Beirat der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten an und hat das Konzept der Z-Projektion entwickelt, ein Analyseinstrument, mit dem sich die Mechanismen antiziganistischer Diskriminierung erfassen lassen. Als Komponist hat er das Stück »Unku« für Erna Lauenburger geschrieben, die 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

Nachdem er 2007 Kontakt zur Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano aufgenommen hatte, gab die Gruppe mit ihr in 13 Jahren mehr als 900 Konzerte. Seit 2021 setzt Microphone Mafia diese Arbeit gemeinsam mit Esther Bejaranos Sohn Joram Bejarano fort. Kutlu Yurtseven engagiert sich zudem bei Herkesin Meydanı (Platz für alle), einer Initiative, die sich für einen Erinnerungsort an den Nagelbombenanschlag des NSU in der Kölner Keupstraße vom 9. Juni 2004 einsetzt.

Moderiert von Christoph Rass folgt der Abend einer Überlegung des Anthropologen und Historikers Michel-Rolph Trouillot. In »Silencing the Past« (1995) hat er gezeigt, dass Geschichte nicht nur aus dem besteht, was geschehen ist, sondern auch aus dem, was davon aufgeschrieben, aufbewahrt und erzählt wird, und dass dazwischen Entscheidungen liegen, die Menschen mit unterschiedlicher Macht treffen. Geschichgte als Stille wird nach seiner Analyse an vier Stellen produziert: wenn Quellen entstehen, wenn Archive aufgebaut werden, wenn aus dem Archiv Erzählungen werden und wenn diesen Erzählungen später Bedeutung zugemessen wird. Als Beispiel dient ihm die Haitianische Revolution, die für die europäischen Zeitgenossen undenkbar war und deshalb lange kaum erzählt wurde.

Vor diesem Hintergrund fragt das Gespräch nach dem Genozid an Sinti und Roma sowie nach rassistischer Gewalt nach 1945, zwei Themen, die je ihre eigene Geschichte haben und zugleich Ähnlichkeiten aufweisen. Es geht darum, wer, wann, wie und warum an den vier Stellen entschieden hat und was sich an den Folgen dieser Entscheidungen für eine inklusive Erinnerungskultur ändern lässt. Die Leitfrage lautet, was die Erinnerung derjenigen in einer Gesellschaft wert ist, die nicht zu den privilegierten Akteuren der Geschichtspolitik und der Erinnerungskultur zählen.

Wir bewegen uns im Gespräch durch drei Felder. Im ersten fragen wir, welche Erinnerung an den Genozid an Sinti und Roma und an rassistische Gewalt nach 1945 im öffentlichen Raum sichtbar ist, welche fehlt und wer an ihrer Gestaltung beteiligt wird. Im zweiten diskutiert das Podium, wessen Wissen als Quelle zählt, wer über Archive und den Zugang zu ihnen entscheidet und welche Medien und Ausdrucksformen, vom Denkmal über den Straßennamen bis zu Musik, Kunst und digitalen Formen, als Erinnerung anerkannt werden. Im dritten betrachten wir das Verhältnis von Institutionen und Arbeit an der Basis und fragen, welche Ressourcen, welche geteilte Entscheidungsmacht und welche Bedingungen für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit gegeben sein müssen. Als Maßstab gilt dabei der Satz »Nothing about us without«.

Die Gäste auf dem Podium diskutieren etwa 60 Minuten. Danach sind die Zuhörer:innen im Saal für weitere 20 Minuten zu Fragen und Beiträgen eingeladen.

Auf einen Blick

TerminDonnerstag, 1. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Ortvhs|os, Bergstraße 8, 49076 Osnabrück, Vortragssaal
GästeMario Franz (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti), Kutlu Yurtseven (Microphone Mafia, Herkesin Meydanı)
ModerationChristoph Rass (IMIS)
VeranstalterVolkshochschule Osnabrück, mit dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti, der Kunsthalle Osnabrück und dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Universität Osnabrück
Kursnummer26B7820
Eintritt und Anmeldung[frei]
AuskunftDr. Tobias Pischel de Ascensão, Telefon 0541 323-21 97; Leon Nicolaysen, Telefon 0541 323-41 73


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TEAM NGHM (29. September 2026). Leerstellen der Erinnerungskultur | Zwischen Gedenken und Verdrängung. Podiumsgespräch am 1. Oktober in der vhs Osnabrück. NGHM@UOS. Abgerufen am 10. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/16upx


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